Mannheim
Compact Memory

Die jüdische Frau · 1925-07-22 · 6 (22.7.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die jüdische Frau
Volume
1 (1925)
Issue
6 (22.7.1925)
Date
1925-07-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4899998-4932193-4932277--119-4900109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»IE I0M9C1K »»All \ _ VffinlvortllA fÄr dk Sdirtftldtunt: Fr«u Regln« liciciohn, Berlin. I I End>«lnl ivcUmI Im Mon*l fWivgtprrt* *» h vt*rkl I Geldsendungen und Mnniukrtple »ixl im richten an die RedUlton: Anne I | )»hflldi I 7» M . helbWSrtl* 1**1 )th>U^ »-H.-1 n—e rw. m<l FWn- W 4» f .lK...., M..A. it PUl.s—, |-1-Atl.lnli« t n »«I »U h«h »all dT? FS* Annoncen I. m k M. | Mrtl riM^ordwSn B^Rni lat Radporto beUutOten " | | Berlin NW 7 Unter den Linden » T. I. I » n Zentrnm )W and »IT | Jahrgang 1 22. Juli 1925 Heft 6 EENECATEN Von Doris Wittner. I >er junge I )oktor Kinder in it h n . einer der drei jungen Leute, (oder besser gesagt: zwei, denn darüber, daß der Halte von Ditttnar zum Spitzel der Sowjetregierung lierabgesuiiken. dürfte kaum ein Zweifel mehr bestellen) also einer der besagten Jünglinge, die. halb Abenteurer, halb Ideologen (vielleicht ist auch beides allzeit identisch) ausgezogen ins Moskowiterreich, einer Einladung sibirischer Studiengenossen folgend, und ausgestattet mit sehr viel NVißbegier, recht wenig (ield. dafür aber um so stattlicherem Selbstvertrauen, utjd für deren tragisches Schicksal die deutsche Oeffentiichkeit sich gegenwärtig in zwei leidenschaftliche Parteien hie pro. hie contra spaltet, ist ein get a u f t e r I u (J e. Line Sache, die l >r. Kindermann allein mit s e > u e m (iewisse n abzumachen hat. Immerhin ist es charakteristisch, daß in allen Zeitungen, die eine polemische Stellung gegen Dr. Kindermann einnehmen, mit mehr oder minder hämischer Betonung die Tatsache hervorgehoben wird. Dr. Kindermann sei als gebürtiger Jude Mitglied des deutsch-evangelischen Hundes. Abgesehen davon, daß (ohne daß wir etwa eine Lanze für Dr. Kindermann einlegen wollten), die Behauptung nicht ganz der objektiven Wahrheit entspricht, drückt sich in dieser Linsteilung eine symptomatische und symbolische Bedeutung aus: nämlich die instinktive A b n e i g u n g gegen den R e u e g a t e n a 1 s D i n g an sich. Man mag mit den btrsten Argumenten für den religiösen oder nationalen Renegaten sich oinzusetzeiL trachten, weil man versucht, der (Gerechtigkeit nachzuspüren: es bleibt doch immer ein Rest, der nicht aufgeht, und immer spricht ein heimliches Imponderabile in dCT-eigenen, noch so gerechtigkeitsbeflissenen Seele, das da sagt: nein und dreimal nein) Und dieses Nein ist offensichtlich die Stimme der Natur. Und doch stehen gerade auf der Liste der also vom (iefülil scheinbar Beachteten nicht allein die berühmtesten Namen der Well- und Kulturgeschichte, sondern auch vielfach die Träger der Namen, die trotz l'ebertritt und zeitweiliger N crleugnung des eigenen Stammes, der eigenen Rasse oder des eigenen Volkstums, gerade dem e i g e n e n Volk e z u r hoc h -s t e n L h r e verholten, seinen Namen für ewig in die Tafeln der Historie eingegrabcTT haben. Man denke an den stolzen Patrizier Coriolan. der seine 'Truppen vOder sein über alles geliebtes Rom führte: man denke des (icneral Moreau. dessen Todesmonument bei Dresden aus hügeliger „Heide erwächst: aus eben jener Erde. wo er gegen Trankreich die Waffen zum letzten Mal führte. Auch die großen Marschalle des ersten Na poleon, die während seines (iltickes zwanzig Jalne mit ihm eine Lagerstatt geteilt. Siege und I hren mit ihm und durch ihn erfochten, deren t je schlecht er \on seinen (inaden Torsten- und Her/ogskroneii führen, und die doch als der Lowe zu lode gehetzt war (nicht anders als die Trauen, die dein großen I roberer am nächsten gestanden, lose fine und II o r t e u s e B e a u h a r u a i s und M arte! <> u - ise. die einem Stallmeister \or einem geborenen Helden den Vorzug gab) in kleinlicher Angst, vielfach auch in kleinlicher .Sch.itu nhcrliefeii zu dem engen armseligen Bourboiienstanmicheir. das der ..Heiligen Allianz" einen pitovahleti Ludwig Will präsentierte: auch diese großen kriegsheldeii haben ihre unsterblichen Namen befleckt durch den X errat einer Stunde. Aber immerhin: mildernde l in stände sprachen für sie. denn als sie ihres Herrn Antlitz wiedersahen, brach die Irene des Blutes automatisch wieder hervor und die besten untv ihnen waren jene, die die Erinnerung nicht überwinden konnten und die sich daher mit eigener Hand den Tod gaben. Non allen diesen zeitweilig Abtrünnigen trifft das Odium schleichenden Nerrates und perfider Doppelzüngigkeit nur die geschichtlich (leider)nicht minder berühmten B e Tn a d o t t e (von dem sich das nachmalige schwedische Koiiigsgeschlecht herschreibt) I a i 11 e r a n d . der Bourbonen und Bonapartes. Tranzoscn. Russen und Oesterreichern immer gleichzeitig gedient und sie all zumal betrogen, oder T o u c h e . den ehemaligen Re volutionar und spateren Polizeiminister von Paris, vier durch seine Spitzel und \ igilanten^ immer eine Partei an die andere verriet und verkaufte, je n.uli dein Preis, der gezahlt Ward. Diese drei haben ihren Verrat I a n g e r 11 a n d vorbereitet, und darum uu l det sieh ihnen gegenüber auch lenes Imponderabile. von dem vorher die Rede war. NN er aber wo|| vv ohl sogenannte Protagonisten des R e n t - g a t e n t u m s tadeln, bei denen die Polemik und die Oegnerscliaft wider das eigene Nolk nur aus einem übermäßig liebenden, aber zu lode verwundeter Herzen-floß, wie es bei Heinrich H ine <ni Paris llarrv Heine benamst! oder -l.udw lg Borne, alias I. o e!> B a r u c h von der NN ollzeile in Lrankfurt am Mai», geschehen? Ihnen kam ihr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.