Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 3 (7.6.1925)
- Date
- 1925-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/4899998-4932193-4932266--068-4900061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I DAS fKRIKNWKIM*) N oll loset Wo die drille Klasse zu halten pflegt. war ein (icwirr um Menschen, ein graubraunes Knäuel. das sich loste, als der Zug hielt. Mas waren die I Ilern, meist niiiir Miitter. die ihre Kinder abholten. I.s gab lreiidivre Hegrüliugnem einen Kolb einen freundlichen Klaps auf die Wanne. I nd ein emsiges Durcheiiianderschw at/en. ..Na. Annekeit. du hast dir ja orndlieh rote Macken jeholt!-' lobte Annas derbe Mutter, die mit dem Henkelkorb am Arm \erwachsen /n sein scbrr'm Liili hatte beide Anne voll kleiner Schwestern, die »dies an ihr bewunderten. Lilie blasse, kleine I rau drückte der Hausdame die Hand: ..l'raulein. ick bedanke mir auch vielmals". I>ie paar Väter hielten sich verlegen im Hintergrund. lauer kam zögernd auf das l'raulein /ni: ..Ikt haut se int jemacht, Lrcilcin!" laid einer, dreistei geworden, meinte: ..Wenn se mir noch mal so uffpüppcln wollten!" — Lva sah sich um: nichts. Sie wulite es im voraus. l'raulein llübler hatte versprochen, die Kinder, die nicht abgcholt wurden, nach Hanse /u bringen. ..Komm. Lva. schliel! dich an!" rief sie freundlich. Aber dann hatte sie noch so viel /.» laufen und /.u , sorgen. dall sie gar nicht bemerkte, elalt Lva zuruckblieb. Sie war liiijter dem Kontrolleur, der ihr die Lahrkarte abgeiionmieii hatte, stehen geblieben und sah auf die Schienen. Die liefen /muck! ..Na. Kleene. wartste hier noch uf wen?", fragte der Kontrolleur, der augenblicklich nichts tun hatte. Lva fuhr zusammen. ..Nee", saute sie. ganz rot geworden, intd lief davon. \dn dem andern war nichts mehr zu sehen. So eint,' sie allein w eiter. Langsam schlendeitc sie dahin, der W'eg nach Hanse war nicht weit. Immer langsamer ging sie. IS war ihr. als ob sie in eine neue, schreckliche Welt hhieinginge. Nein, sie wollte diese uralten Häuser nicht sehen. Sie stellte einen uruneii. leicht mit (iold durchschossenen Wald vor sich hin. und über die nackten St iahen deckte sie einen Da seit, bunt von Hlumen. Sie schuf sich ein Aehreiifeld aus einem gelben Möbelwagen und sie redete sich ein. dal.t sie jetzt zum Uadeu uinue in den kleinen I eich, in den die Hnume grüne. zitternde Schatten warfen, liineii kleinen Nebenteich uah es da, zu klein, um darin zu baden, auf dem eine cinziue Wasserrose schwamm. Niemand pflückte sie ab. weil sie dachten, dab es eine Verzauberte Prinzessin sei. die auf das Lrlosuiigswort warte. Immer trubseliuer wurden die St iahen. Das I räumen versaute. Lva verlor den Atem, ihr Herz schlau hart. Hier uah-es keine Karben mehr und keine Können. Hier "Lab esoiur Pmrisse. I nd es roch nach Spülvv asser. I edeS und Spiritus. Hier sahen die Kinder aus wie die Abfälle, mit denen sie spielten. Hier uah es keinen uenieHeiiden Miiüiggaug. Jeder Händedruck und jeder KuUtritt gehörte zur Arbeit. Auch das träue linfeiisterlieuen der Krauen in den urelleu Hluseii war Tätigkeit. Lva kroch ganz in sich zusammen. I uni lange Wochen hatte sie nichts gearbeitet.'hatte genommen, hatte sich pflegen lassen . . . Sie machte siclmgjin/ schmal, um möglichst wenig k’.nmi eiii/iiiiehmeii letzt kam die \ergeltiing für ihr herzloses Daliin- *1 Alis dem leidet llistil neu .lulceiccleli hudle ,.VV e li i - I n s e". a M e t / i_> i.iis.onne und s,Iiiuiii leben. Die ganze >tral*e st.mil auf gegen se mit ■ ihrem Dunst: ihrem tiesglmei. ihrem Schmutz, dem lohen I aclien. den Kluchen . . I v a druckte das ( u sicht in die welk ge wordm n Pliuneii. Wiese . . . Wald . . der Hach:. . die kleim " Kälbchen . . .. dachte sie krampfhaft I s half nichts Sie wurden fern, unwirklich, wie ein I ra.au. dessen man sich kaum mehr entsinnt. Die '-Halle v.j. 11.e ilte 'le. verhöhnte sie. erschlug sie. /.itternd stand 1 va vor ihicm Haus Die i -ne mialirt gähnte ihr schwarz, entgegen Icinaud li.nii merte dort. Schwelender Dunst und dir Moderge.- Mich teiichter Wände drang heraus. K iiide i gc-clit ei und eine keifende I rnucnstunme. »leiade. als ob sie es ganz vergessen gehabt hatte erlebte sie min alles aufs neue: nie hatte sie gewuHt. dal! es so furchtbar war. Nein, sie konntedort nicht hinein. Sie hei tut die Stralle zurück, aut den I alirilamm und sah zu den l enstem hinauf. Irgendeine heimliche llotfiiuiig aut I rlosinig kam ihr. Da oben aus einem I enster ihrer Wohnung hing ein blauer l etzen herab und baumelte, vom l.uft/ug getrieben, hm und her. I tu verwahr lostet Aermcl war cs. halb aiilgeschlil/t. cm rot.beI: brauner Arm schob sieh heraus, eine klumpige I allst, die schwer auf dem l enstersmis lag | v., heb ihre Ultimen fallen und war zu ilmde. uni su w jeder auf/iihebeii. Sie blickte auf sie herab, eine K.ntolfel schale lag in der Nahe-und ein zerknülltes Pnpni Ihr Körper wurde ganz schwer Kaum konnte su. die Augenlider aulhalteii. Das Herz klopfte diimpi es klang mit dem < ieh.immer ans der I intalii t /us.iui men. I in starkes (krause!! kam nahet, di i Hoden zitterte. I in Lastauto. I va starrte es an-und dachte dabei an den Schl.ifs.ial mit seinen weiben Hellen, an den Speisesaal mit seinen Mullgardinen! den Altan mit der -chvv ankeiide.ii Ampel voll Pelargonien. Daun horte sie einen Schrei, der alles verscheuchte. eiiieu-K Inch horte sie. ein scharfes ..Zurück"1 I ml plötzlich erkannte sie die tielahr. \bei im selben Augenblick empfand sie noch einmal die Mi.ilte ui ihrer l uiiioglichkeil. Mit der ganze n Kran ihres W illeiis blieb sie sieben. Der Aiitoluhrei hatte gebremst Du I eilte hatten gesellt ie n. giilniht und die W me. vorgi schletfelert. aber cv war zu spat gewesen Nun rieten s,e alle durcheinander. ..Wat is se eleim oocli nicli aiis'n Wege ie langen'?“ ../.eil leniig hat sie leliabt. ick habe et ta mit an ie sehn." Der Autoftihier vvisdite -ich den '-ihweilt Lk kann nicli davor--, sagte er muuiTioit vor sieh hm. ..ick kann nicli dahn". l ie Weiber graulten sich. Viele wollten zum Arzt laufen. leinand sagte ..De l is u De selini.ums ihre Dann riefen sie nach dem blailen \eimel Imiaiil ..K’esc hmanu. Iln Mac hin K nute i in \uto ie■koinuu n ' ..l assen >ie man. eie I Innr e, eh>.h null, eie i is la w le'dei besoife ii'. sagte . nie i „Wo is denn du Mutte i ..Ach ehe!" In der I l.nullu w tviuig la ein ganzes I einnjuids/eiignis Nee. solle Khule i abei >-»>cb' lairnru > te ' enu Allee und ein innges Mädchen s.,gie beelain rml . Nie kommt jraele aiis die I erieiie rholimg "