Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 3 (7.6.1925)
- Date
- 1925-06-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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DIE f RAII IM IRDISCHEN RHENUS Von Oberkantor (iuttmaim, Potsdam. I >as liier in Kurze Zu behandelnde l'liema bildet eimui Ausschnitt aus dem umiamireichen Kapitel von der allgemeinen W urdigung und der Stcilun« des Weibes mrdiidcntnm -* Jeder Kultus, d li. die öffentliche (iottesverihrune. spiegelt ei» gut feil der gesamte» in einer h'eligionsgemeinschaft lebendigen Auffassungen und Anschauungen xxider. ist beeinflußt von den i.m/.cn örtlichen, zeitlichen, kulturellen und noch anderen Beziehungen.' unter denen diese (iemeinschaft existiert. . W eint xx ir darum im jüdischen Kultus manelreni aus alter /.eit stammenden Brauch, mancher Anordnung begegnen, die. oberflächlich betrachtet, uns anmuten, als muhte die a11g e m e i n e Stellung der jüdischen I rau ursprünglich eine tu i n d e r \v e rtige gexxesen sein, so Iaht sich an der Band des Uucllcumatcrials nicht nur das <', egenteiI mit Leichtigkeit bexxeisen, sondern es ergibt sich in Berücksichtigung obiger Richtlinien — eine durchaus /» ihren tiunsten ausfallende Bexxertung: , I >ies lehren uns /.. B. die ersten Seite» unseres (lebetbuchs (Siddur). Im Moritemtebet befindet sich u. a. ein Segensspruch, der für Mann und Weil) verschieden lautet: I »er Mann spricht: ..< ielobt seist I >u. Ixxicer. der mich nicht zum Weibe gern a c h t hat". Pur das xx eibliche (ieschlecht steht hier: ..«ielobt . ... der mich nach seinem W i I I e n geschaffen hat". Und doch bedeutet das Erstere keine Ueberheblichkeit. keine (ieriugschätznng. sondern drückt lach den Erklärer» nur neeativ Lob und Bank dem Höchsten aus. für die dem Manne zufallende erobere religiöse Betätigung und X erantxvortimg nach auhen hin, der er sich neben seinen Erwerbspilichten xx illigen und freudigen Herzens widmen will I»emgegeiuiber äußert die betende Jüdin in ihr geziemender Bescheidenheit und Zurückhaltung, dah auch ihr \»n (i»tt ..ein Kreis zugeme^se» sei", auch ihr eine hohe Aufgabe /»falle, nämlich, i in Hause die Tatieke.it des Mannes ergänzend, dort zugleich Trägerin der religiösen Praxis zu sein. I »d in \\ irklichkeit stellt sich das religiöse tiemeinschaftslcben in der Patnilie seit Alters nicht nur aut dieser ergänzende» Basis dar. sondern es entspricht dem geradezu auch die Auffassung der (ieset/eslehrer. dah die I rau eben mit Rücksicht auf ihre hohen häuslichen Pflichten. vo„ religiösen l ebnneen. die an eine best! m m t e T ages / e i t gebunden sind, zu dispensieren sei: (/.. B. vom Anlegen der l"fillin-( iebetriemen u. a.l. Jeder Hinblick auf die heutige», gänzlich geänderten Zeitxerhaltnisse mit ihren z.xx ingenden Notxxendiekeiten des öffentlichen f'raue»berufes u. dgl. muh hier natürlich ansschalten. - I rxx ahnen xx ollen wir dagegen in diesem Zusammenhang noch folgende Bemerkung Professor .1 I Ibogeus ..Her indische (iottesd.“. > ‘Xi .frappant bleibt die Parallele mit einem parsjschen (iebet an Ormuzd. xxo der Schöpfer dafür gepriesen xxird. dah er seine Bekenner — zu Männern und nicht zu Weibern geschaffen hat." I ieentiimlich xxökt ferner auf den “^ichtbexx änderten die räumliche I r e » n u ne der (i e - schlechter in unser,>> t lottesdienst, die zu den eigentlichen und auffallendsten Kennzeichen einer indische» And^ichtsstatte gehört. Im Altertum bereits vorhanden, um zunächst gelegentlich des Zu- '-auuucustromeus großer Massen bei öffentlichen rdieiosfestlicheii Anlässen. Auswüchsen der Leidenschaft und des .Temperaments vorzubengen. hat sich die Einrichtung erst allmählich zu der heute Üblichen I oritt der l’rauenetnpore entwickelt. I >ie s t r e t> g e . / I. jetzt noch xorhandene Abschlicßuiie durch (litte“ u. dgl.. datiert zwar aus dem (iemiit ■verdüsternden Mittelalter, bedeutet aber ebenfalls keine Vo> derbexvertu»g des Weibes, sondern stellt nur. je i .1 h der mehr oder minder strenge» Lrfasstmg des Keuschheitsbegriffs, ein Suchen nach entsprechenden Aif-drucksformen dar. Jedenfalls hat die Trennung der (iescblecliter in unser» (iotteshäusern. xxie die > v>':'-o»ge selbst und mancher ihrer Bräuche orientalischem Boden erwachsen. — von der radikalen Reform abgesehen bisher auch noch so fortschrittlich Besonnene, mit xvestländisehem (leiste Erfüllte nicht gestört. Und noch ein drittes gehört m. L. in diesen (lelankeiikreis. weil es eine der strittigen Prägen zwischen Orthodoxie und Portschritt bedeutet: das ist (lie Krage der Zulässigkeit eines p r a u e u e h o r e s beim jüdischen (iottesdienst I >ie x e r n e i 11 e »de k o n s e r v a t i v e Richtung stützt sich hier auf einen (irundsatz der Alten, der etwa besagt, es schicke sich nicht, daß eine Prau am öffentlichen Platze (geschweige am heil! g e » Orte! laut ihre Stimme vernehmen lasse*, denn las sei ,.s i ii ii e r r e g e u d". (Ungefähre Wiedergabe des entsprechenden hebräischen Ausdrucks.) Im Mittelalter geht man auch da weiter: und so hören wir gelegentlich, daß die Prauen aus gleichen (iründcn auch daheim bei den sabbathlichen Tischesängen (Semiroth) 'nicht mitsingen sollen. Aber auch hier ist das Motiv, wie vorhin, ein edles, auf die Wahrung des gute» Rufs des jüdischen Weibes gerichtetes. Ls ist nicht meine Aufgabe, daß Piir oder Wider zu entscheiden. Nur soviel kann gesagt werden: Indem die Portschrittler auch hier einen der Orthodoxie entgegengesetzten Standpunkt vertreten, berufen sie sich — ob mit Recht oder Unrecht, das sei I ier nicht erwogen — mit Vorliebe auf die Bibel Melle in I. Chron. 25. V. 5 1. um darzutun, daß schon nach Rückkehr aus Babvlon im restaurierten salomonischen T e ui p e I ein P r a u e n c h o r tätig ge- "c'-en sei Jedenfalls aber kann für die Svnagoge von der < iegenseite nicht die Kirche als Zeuge angeluten xx erden, die sich. Jen (irundsatz inulier taceat i*i ecclesia ..l>as W eil) schweige in der Kirche“ befolgend, bis in das 17. Jahrhundert hinein dem Praneuges.mg xx idersetzte. Nach diesen Erörterungen mehr prinzipieller Art noch einige Einzelheiten, die uns das jüdische W eil) auch sonst in mannigfacher Beziehung zum Kultus irscheinen lassen: Es ist bereits vorhin anccdeutet worden, daß die < irenzen ihrer religiösen Betätigung bei den (ie- ,«ci/eslehrcr» (leeenstand der Aufmerksamkeit gebildet haben. Wenn ferner zxxar das Amt des Vorbeters geschi litlich und traditionell dem Manne zugehört, so xcrnchnien xx ir doch (nicht etx> a erst seit heute und im l ande der unbegrenzte» Möglichkeiten in Amerika), sondern im mittelalterlichen Schrifttum