Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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THEATKRPKOBKN Von Curl f’rauz Laudry. Wenn Sie. \erelirtc l.eserimieii. abends am Arm IIires (iatten ins I licater cclien. wenn Sie in der Loqe sitzen und die \orcäuqc auf der >inline aut sieh w irken'lassen, so sind Sie sieh meistens nie recht bewulit, unter welchen Schwierigkeiten es dazu gekommen ist. dali Sie den (ienuH einer enteil! hqateraiiftiihriine empfinden, l ud es ist besser so. heim würden Sie alles, was vorher geschieht geschehen imilJ. miterlebeii. ich qlanbe. Sie würden nur mit halber Treudc ins Theater «eben. Wenn Sie von den unsäglichen Miihsalen. von den ungezählten MiHheUkkcitcn. von der klimme von Mühe und Arbeit wällten, mit denen das Zustandekommen einer Inszenierung unlösbar verquickt ist. dann würde Ihr Tnthusiasmuv für das 'I licater bedenklich nachlassen. Lud das ist der (iruud, weshalb jeder Theaterleiter sorgfältig darauf achtet, daII zu Stückproben kein l'remder zugelassen wird. Und doch weil! man. wie jeder Laie so gern einmal einer richtigen Theaterprobe beiwohnen mochte, wie allzu gern er hinter die (ieheiinnisse der Kulissen kommen würde. Auch von Ihnen, verehrte Leserinnen, nehme ich an, daII es Sie interessiert, und deshalb will ich Ihnen etwas über Theaterproben erzählen. Wenn ein I lichter ein Stück für die Bühne geschrieben hat und dieses Stück sich pls auflührungsfählg erweist und es wird vom Direktor angenommen. und an dem betreffende» Theater hat man gerade nichts Anderes zu tun als an seine Aufführung zu denken, dann beginnen die Proben zu dem Stück. Aber bis zu diesem Zeitpunkt vergeht natürlich eine unendlich lange Zeit. Also nachdem die Rollen au die Schauspieler verschickt sind, .wird dann die erste Probe, die Arrangierprobe angesetzt. Die Bühne ist halb erleuchtet. I »ie I »ekorationen fehlen gänzlich. Dort, wo ein Berg sein soll, stellen ein paar Stufen. Mit Tischen und Stühlen w ird notdürftig das Mobilar angedeutet, hie Künstler und Künstlerinnen stehen oder sitzen in ihren Strallenkleidern auf der Bühne herum. Manche sind unzufrieden mit der ihnen z.unescliiekteti Rolle. Sie ii»-' den sie im Verhältnis y.u ihrem Talent viel zu klein, her Direktor ist auf der Bühne und lauft nervös herum. Der Autor stellt verschüchtert in irgendeiner I cke und wagt keinen Laut von sich zu geben. Seit laliren hat er auf diesen Tag gewartet, hat er nach diesem Moment gefieberte und alle seine Lrwartuugen scheinen zun.eine. Lr wird zum erstenmal aufgeführt. kennt das Theater nicht und ist herb enttäuscht. Lr mochte am liebsten das Stuck zuruckzielien. aber schlielllicli siegt doch der W misch, aufgeführt zu werden, über alle kleinlichen Bedenken. Der einzige, der den Kopf immer oben behalt, weil er ihn oben behalten muH. ist der Regisseur. Tr zerstreut mit ein paar Worten die Bedenken jedes Linzeliien, er weill für alles eine Antwort und gibt über alles Auskunft, l ud endlich klingelt er zum Proben-' beginn, hie Souffleuse, eine unheimlich wichtige Person, nimmt das Buch: los! Nun beginnen die Künstler ihre Rolle» zu sprechen. liier und da lallt der Regisseur wiederholen gibt Ratschläge, teilt den Künstlern seine Auffassung 'on der Rolle mit. gibt ihnen die Charakteristik der Rolle an. Mit unermüdlicher < leduld lallt er immer und immer wieder repetieren, beschäftigt sich oft minutenlang mit einem einzigen Satz bis dann endlich nach stundenlangem Bemühen jeder Künstler in grobe» l nirissen den Charakter seiner Rolle kennt und sich eine Auffassung von der Tigur. die er darstellen soll, gemacht hat. Dann, erst endet diese erste Probe hie Schauspieler haben cm paar I age frei, lim die Rolle' zu Hanse zu studiere». Wahrend dieser läge linden die Dekorationsproheni statt, her Maler zeigt dem Regisseur seine i „tvvurie. I s müsse«, die Dekorationen angefertigt werden. Die Beleuditiiiic's- und Kostumfrucc wird diircliqesprochen. I veutuell müssen stilechte Möbel bestellt werden. Kurzum, es sind alle technischen I ragen zu erörtern. l ud nachdem dann diese technische Seite erledigt ist. beginnen die eigentlichen .Stuckproben. Der Regisseur, der in nioiiatelanger. stiller \orbereitung sich in das Werk des Dichters vertieft hat. jede Rolle so gut wie auswendig kennt, jede Stimmung in jeder Szene im Kopfe hat. also qewissermallen jeden Baum und Strauch kennt. er beginnt mm mit dem Schauspieler jede einzelne Szene. Akt für Akt. durchz.ugehen. jede Stellung, jede Bewegung. jeden Schritt auszuprobieren. Da gibt es dann verschiedene Auffassungen und .Meinungen. Die Icmpcrailiciite durch die Proben sind die Nerven uaUirceinäli besonders angespannt platzen aufeinander. I s gibt Meinungsv crschiedenheiten. Der Autor hat sich alles ganz anders vorgestellt und behauptet. er muhte doch am besten wissen, wie es in seinem Stuck zugehen soll. Der Regissem wieder behauptet, dah hier nur der Buhnenfachmann zu entscheiden habe. Schlielllicli muH der Direktor Vermitteln. um den Toi tgang der Proben nicht zu gefährden. Dann bekommt ein ..Star" seine Launen. Wjeder gibt es Krach. I lidlich gelingt es dem Regisseur. der neben seinen künstlerischen und technische» Kenntnissen ein ungeheures Mall von Diplomatie besitzen muH. die < iemuter zu beruhigen, die I emperamente zu beschwichtigen, und die Proben gehen weiter. Inzwischen entwickelt sich auf den Proben nun alles andere auch. Die Dekorationen werden nach und nach fertig. Die Kostüme können probiert wereien. Die Möbel kommen an I uize Ine Darsteller zeigen schon ihre Maske. Bis dann alles >o weit ist. dali die t ie nerulprohe angesetzt werden kann. Nun ist auch dieser I ag gekommen. der wtchtigste nächst der Premiere. I s wird vo,, keiner Seite mehr unterhochcn. Die Darsteller in Kostüm und Maske wie am Abend der Aufführung Im Parkett sji/eii der Autor, der Regisseur und »och einige intime Iremidc und lassen nunmehr das tiauze in sich voruberziehen Das Stuck geht wie am Abend vier Premiere vorüber, nur wird natürlich nielit ge, klatscht. Der Regisseur hat siJ« inzwischen jeden T'ehlef notiert Nach ScliluH geht ec auf die Buhne, sagt ledern Künstler noch ehe Kleinigkeit die er anders haben mochte, nimmt am andern I age »och einmal kurz eine Repetitunisprohe durch und dann; das Spiel kau» beginnen! -- II