Die jüdische Frau
- Journal
- Die jüdische Frau
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (5.5.1925)
- Date
- 1925-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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i IICNIEKAKBKIT DCK I0DI9CHKN IKiH \ «Mi Doris AV'i k l » e r. Di» l.i> tu f»mi{ aui der Welt I hidmi w.ir das Arbeitsfeld der jüdischen F rau : n.;- 111nrismTTl hie s'ä!/unccn ’dcrTfeiliccn Schrift .iiul dir iiidisJicn I raditioiic» \ erwiesen die lätic- I dt der I r.itt .mi li.ttts und Familie. O r i e n t a I i - i hi Mentalität und Sentimentalität erscheint ceiadt aneesiclits der Mcllune der l ran innerhalb des Iitde uiii ns dort, wo es noch stark .und unce- ■biocl'cn ist unverkennbar, hie I rau wird hochgeehrt und hvilie gehalten, aber gleichsam hinter M a u e r n. Weder darf sie aktiv teil- I aben an vielt cottesdieiistlichcn Il.mdlimceii ihres \nlke>. noch hat ihre leiluahnte am Leben des von iln geliebten, blicht immer von ihr erkorenen) Mannes lene < iri ii/i n /n Jibi-rsehreiteiidic ’ihr die- >orce um Mails mul Kinder, sowie werktätige Charitas vorschreiben. All diese. großenteils dem ( htjudenli m entnommenen. Sitten und ' Bräuche. die aber von vielen frommen, am Buchstaben überkommener I ehre huiici-iiilc». Familien auch noch im Rahmen westlicher Zivilisation beachtet wurden, sind meli-r i'iid mein au den harten Realitäten der letzten Jahrzehnte vvesteuro|>aischeu Schicksals zerschellt, hie I rau als Hüterin des heiligen lierdfeuers ist ein ‘choiies und edles Svmbol. Mehr aber soll und mehr da r i der Uecriif dieses Sinnbildes jii den heutieeu Zeitläuften nicht bedeuten, hie Weltanschauungen dt s I at.disuius. (.»aiietisimis. heterminismtis. haben weder Raum noch I »aseinsbereehtigung in der mit t.nisendiiferdi'Cer hvnamik dahintreibenden Schnellkraft eines modernen vv e'teuropaisclien FanülensJiiv.ks.ds, Wir dürfen nicht vergessen: westeuropäische ludengleichviel, auf welchem curopäisclieii Kontinent sie weilen sind weder Väter noch ''ohne einer ,.\ ita X'ontcmplnt-iv a" und auch ihre I rauen 'haben keinen Anspruch auf häusliche Yers|ioiuieiiheit und Besonnenheit mehr. Schon vor dem kiiece war dir Kampf ums hasein erbittcTtgenug und insbesondere die Selbstbehauptung der jüdischen I annlie inne rhalb eines, trotz Sprach- und Kultur- . eineiiisv.h.iit. sich nur zu häufig fremd und feindselig ■■..churdenden \ o»hskorpers Vine zu schwere Aufgabe, als dal’, nicht alle Mitglieder der Familie in diesem Kampf und an dieser Auf iahe hätten mitarbeiten müssen. I he deutschen I rauen, den \ Urbildern fremdci \ itiouen 1'ol-y.nd. waren langst in den brennenden Mi eit um I rwiiteruii'c ilu\ r sozialen mul polititisi heu t u ii chtsanie eiueetiePu_jmd hatten den \n- 'piikh auf berufstätige-Arbeit als sittliche Iurderung auf ihre I ahne beschrieben Matte m diesem Kampf um intellektuelle Ideale instaiilellt die Jüdin, die l'uiieiin dis Ideals kut evochen. iiiul gerade sie. die im den Kampf von Intellekt zu Intellekt von. Natur .ms mit hesoudeieti w affen ausgeru.stet war. zurüekbleibeii sollen? Nur aus falsJu-r I'ietat vor petretakten I oriiun und Formeln Nein und dreimal nein! I hi deutsche luditi. und zwar gleichviel welcher- RiJittiH'c: von der eeTnaHicten ..deutschen Staats- I iii eei m indischen < ilaubeiis“ bis zur radikalen Zionist in i: kannte du Forderung der Stunde und erfüllte --c Sie suchte du Mrinuien der Wissenschaft und I ikeiintms auf mul losjite ihren durch Jahrhunderte künstlich nu de, gehaltenen hm st. I ml alsbald w aren ladisclu I lauen so konservativ sie ittl eigenen Maus und in ihrem eigenen Sittenleben sein mochten an der Spitze jeder Mevvegung zu finden, die liir Fortschritt und Umwicklung eintrat. Wackere Pioi, je rarbeit wurde votF jüdischen Trauen getan, utief die Merzen und Mime jüdischer brauen hatten segensreichen Anteil an der kulturellen Verschmelzung und Vermählung deutschen und jüdischen < ieistes. Mer Krieg, der alle w affenfähige» /Männer jeder Konfession zum Schutze des A'aterlandes berief. lieb der Aussaat rechtzeitig gestreuter Keime eine günstige Lriite folge». Allenthalben, wo die von Männern verlassenen Posten frei geworden und wo .Männerarbeit. Manneswerk brach zu liege» drohte, rückten J;rauett automatisch in die leer gewordenen Wirkungskreise ein. und füllten mit starkem Verant- - vv ortliclikeitsbeMthmid Pflicht bewnßtsem die klaffen- - den Lücke» aus. Und wenn auch gerade der jetzige n e u e R e i c1i s p r ä s i d e n t v. M i n d e » burg sich gelgentlich geringschätzig über die von Frauen geleistete Arbeit w ährend des Krieges ausgesprochen hat. so darf man doch mit Fug annehmen, daß dieses schiefe Werturteil auf einer falschen Information und Irreführung des greisen Feldmarschalls beruht, her Krieg, und in noch gesteigertem Maße die Zeit nach dem Kriege, wo alle wirtschaftlichen Kräfte angespannt werden mußten, hat zur henüge dargetan. wie unentbehrlich die Teilnahme der Frauen — aller Bekenntnisse der nationalen Arbeitsleistung war. I »er Staatsumsturz hat auch letzte Schranken uiicerisseii und hat der Frau sowohl alle staatsbürgerlichen Rechte eingeräumt, wie die Pforten zu alle n l.aufbalmen geöffnet Die deutsche Frau bekleidet heut öffentliche Aemter in Staat. Parlamenten und Kommunen. Sie ist ministrabel und selbst der Weg zu dem kurulischen Sessel des Staatsoberhauptes steht ihr grundsätzlich offen. Aber wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Neben dieser kulturell erfreulichen Lntw ickhmg machte sich dank den sjuiell aut einander folgenden, nicht von Jedermann m ihren Zusammenhängen begriffenen Freignissen — rur zu bald ein aus politischer Kurzsichtigkeit erv> achsener Klassen- und Rassenhaß wahrnehmbar, der vielfach zu bedrohlichen l:\plosionen des Bürgerkrieges und Bruderzwistes führte, hie politische Atmosphäre ist heute mit Sprengstoff geladen, und niemand weiß, wann und wo eine Fruptiou stattiindeipund w er ihr Opfer heißen w ird. Nicht nur die < ieceusätze zwischen konserv ativer mief demokratischer. monarchischer und republikanischer Weltanschauung. zwischen Wehrmacht und Zivilgew alt. /wischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, haben sieltbedrohlich verschärft und zugespitzt, sondern auch der mittelalterliche l' n g-e ist des R a ss e n hasv'es ist es. der wieder einmal brunnenver- Jitend in deutschen Landen umgeht. ..Völkische Belange". ..Arier-Paragraphen'. Blutsproheti- Theorie" usw.; das sind die Frrungenschaften der letztet; Jahre und ihre politischen Irrungen und Wirrungen. I ud gerade an dieser ..partie honteuse" Unseres öffentlichen Lebens mochten wir einsetzern wenn w ir die deutsche Frau jüdischen (ilaubcns. ganz ohne Ansellen ihrer persönlichen Parteistellung — ir n e u t z u r P i o n i e r a r b e i t a u f r ti f e » . und /.war zur \\ ecbalmerschatt auf einem der schönsten <afildcder .Menschheit und Menschlichkeit; nämlich