Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 21.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 kann die geheime Feindschaft^ die mich verfolgt, nicht mehr ertragen. Ich bin mit stolze» Hoffnungen in'« Amt getreten; sie haben sich als „Luftschlösser" erwiesen. Wohin ich mich wende, ob ich gar meinen mir einst und auch heute noch sv lieben Berns »erlaffe — ich weiß eS nicht. Aber, was auch die Zukunft bringen mag; ich will frei leben nnd wirken, frei und treu. « Einige Monate find seitdem verfloffen. Zwei junge Männer, zwei Mädchen und eine alte Frau stehen auf dem Verdeck eines Schiffes, das eben ins offene Meer hinausdampst; ihr Blick ist der «ehr und mehr im Nebelgrau verschwindenden Küste zugewendet. Thränen perlen in-.Aller Augen. Lange herrschte eine fast feierliche Stille. Endlich erhebt fich eine Stimme — es ist die der unS bekannten Joe?« Fanny! „Nun, wie stehst du da, Veilchen? Meint man nicht, Tn habest alles Gute und Schöne dort auf dem Boden zurückgelaffen? Was hast Tu dort verloren? Nichts — aber ich! Ich habe meinen armen Vater und meine braven Brüder zurückgelaffen; aber, — — ich habe mir dafür meinen Marx mit genommen — den zuckrigen Menschen, komm her, laß dich küssen — und wenn wir reich find, dann lasten wir fie Alle Nachkommen." Sie wollte lustig scheinen, aber Thränen erstickten ihre Stimme. „Ich bin allein Schuld", sagte Lehfeld, „daß es Euch Allen so weh um's Herz ist; aber ich will'- tragen. Als ich von jener Reise in die Hauptstadt zurückkam, die so viele und schmerzliche aber auch so glückliche Eindrücke in mir zurücklirß, da nahm ich mir vor, den Staub zu schütteln von meinen Füßen und eine Stätte freier und gesegneter Wirksamkeit in dem Lande der „Flüchtlinge" zu fnchea. Als dann kurze Zeit später meine gute Mutter starb — und ich hatte so wenig thun können zur Verschönerung ihrer alten Tage, da trieb es mich gleichsam fort von dort. Und dann da» Regierungsrescript, das ich da in der Tasche habe, — ein stilles Lächeln glitt über seine Züge — das mir strengreligiöses Handeln anempfiehlt und so halb durchblicken läßt, daß man mich für eine« religions- und staatsgefährlichen Menschen hält. Und nun, noch ein Geheimniß: ich hatte Veilchen versprochen, es Euch nicht eher zu sagen, als bi« »ir auf dem Schiffe find. Veilchen hatte fich bei Bierftanz den Schlüssel zum Eckschränkchen geben lasten, in welches ihr Vater bei feinen Lebzeiten verschiedene Papiere aufbewahrt hcyte. Es stellte fich heraus, daß Feiß einen Anthest an den Ausständen seines Bruders hatte, der fich auf mehrere Tausend Thaler belief. Ich Ordnete die Papiere und Veilchen ging damit zu ihrem Onkel. Was fie dort erfahren — das sagt fie mir nicht — e« muß entsetzlich gewesen feint denn Veilchen war außer fich, wollte mich vom Ausgehen zurückhalten — und Klappermosche rannte wie wild in Feld und Wald umher. Gleich darauf zeigte er seinen Concurs an — ein harter Schlag für die stolze Frau Allmann — und Veilchen erhielt für ihre Forderungen nur ein paar.hundert G» Iden. Dann war es zum erstenmale, daß fie zu mir auf n ein Zimmer kam! „Lehfeld", sagte fie, „wollen wir Amerika gehen? Max und seine Mutt nr gehen auch mit — und Joels Fanny wird nicht zu:ückbleiben. Sie zusammen nach Ich habe von userer Ueberfahrt dort anfangen?"' Ich will ich: Wahrfind allesammt — Dernheim müde. Onkel nicht mehr genommen, als zu ui > nöthig ist." Tas Andere wißt Ihr — — — | „Und drüben, was wollen wir I sagte jetzt Marx. l „Ich weiß es noch nicht. Aber wi c werden a r b e ii ten, und Gott wird's uns wohl gelingen lassen. | will keine Luftschlösser bauen, aber eins I heit und Freiheit sollen mich vierbinden mit dem! Kreise, in den Gott mich gestellt; die > Stätte ist geweiht, i wo freie Menschen wirken in Bethätigung ihrer Kraft i nach ihrer freien Ueberzeugung zum Heile des Ganzen. » * I * Am fernen Mississipistrande kommen zwei Männer nach einer hübschen Farm — mit wettergebräunten Gesichtern! Sie haben beide Ackerarbeitsgeräthe auf den Schultern. Man sieht e» ihnen m, daß fie fleißig de» hier so reichen Bodens warten; schon von Weitem springen ihnen einige herrliche Kinderchen Vater, rufen sie mit fast gleicher <2 fliegt zu einem Andern. Dann re vom Vater los und geht auf den Anderen zu: Lehfeld, wann darf ich wieder lernen? „Heute nicht," spricht Lehfeld. nem Vater heute noch in die Stadt, es ist Chanukka." „Wir gehen mit", so sprechen zwei liebliche Frauen, Veilchen und Fanny, die eben aus der Farm und den Männern mit fteudigem Willkomm entgegentraten; „wir waren seit Jom Kippur nicht in per Synagoge." entgegen, timme und jede» ßt sich da» Eine Onkel Ich gehe mit Dei« in die Synagoge, F»r de» Buchhandel in Commission bei Oskar Seiner in Leipzig. — 5. Seiber« Buchdruckerei in Sau-Xlgesheim. Berautwortlich« Xedaction und Verlag von Joseph Klingenstein, Lehrer zu Jngelhä«.