Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 20.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I KynodiMstl. Wochenschrift für Freunde des Fortschritts im Jndcnthnm. HcrauSgegebcn von einem Vereine jüdischer Schriftsteller. J\(0' 20. Den 20 Dezember 1871. Dieses Blatt erscheint wöchentlich in einer Nummer u. lostet vierteljährlich 40 kr.-, mit dem „Jsr. Lebrer" zusammen SO kr. Inhalt. Wochenbericht: Was sie und was wir wollen. Leitartikel: Offene Antwort an Herrn Dr. Hildesheimer. Correspondenzen öc Zeitungsnachrichten: Berlin. Berlin. Frankfurt. Heidelberg. Stuttgart. Bern. Paris. Padua. Plymouth. Cincinnati. Feuilleton: Lustschlösser. M o ch e n b e r i t\ t. Ingelheim, 18. Dez. 1871. Wir erlauben uns, unsere geehrten Leser schon heute darauf aufmerksam zu machen, daß unsere nächste Nummer die letzte in diesem Jahrgange sein wird. Die rege, ja an manchen Orten überraschende Theilnahme, die unser Unternehmen gefunden, läßt uns mit Gewißheit erwarten, daß die Fortsetzung desselben allen Freunden des Fortschritts im Juden« thume erwünscht sein wird; daß man das Bedürfniß einer wahrhaft freisinnigen und vokks« t h ü m l i ch e n jüdischen Wochenschrift anerkennen und uns allerseits Unterstützung nicht versagen wird. Was wir wollen, haben wir in unserer ersten Nummer ausgesprochen. Die Reform des Judenthums, die mit der Regenerirung und Erhaltung desselben Hand in Hand gehen muß, kann nur indirekt gefördert werden durch philosophische und streng wissenschaftliche Abhandlungen und weitsichtige Theoreme; was ins Herz des Volkes dringen soll, muß für dasselbe geschaffen sein. Wir müssen uns bestreben, daS Recht der Gegenwart an die Umbildung der religiösen Formen, das Recht eines JÄen, nach seiner Ueberzeugung zu denken, Allen klar zu-machen, die Augen haben zu sehen und Ohren, um zu hören. Wir wollen aber nicht^unllkührlich und leichtsinnig ans Werk gehen, sondern mit dem ganzen heiligen Ernste, den das Wesen der Religion erfordert; und darym haben mir unsere Zeitschrift „Synodalblatt" genannt und mit den Bestrebungen für die Förderung regelmäßiger Synodalversammlungen identificirt, weil .wir der Ansicht sind und hiermit doknmentiren wollen, daß die regelmäßig wiederkehrende Synode das Panier sein muß. um das sich alle denkenden und strebenden Israeliten schaaren, weil wir in ihr den Ausdruck des im Volke ruhenden Bewußtseins der Gegenwart verehren. Wir werden die der Geschichte angehörigen Synoden in Leipzig und Augsburg/ ihren Bestand, ihre Beschlüsse und Bestrebungen vertreten, deren Bedeutung dem Volke klar machen, und für die Fortsetzung wirken mit allen Kräften. Wir gehen dabei von der Ueberzeugung aus, die aus der Erfahrung'geschöpft ist: daß wir das Gebühren unserer — der Synode — Gegner nicht unterschätzen, nicht ignoriren dürfen. Was wollen sie? Was wollen wir? Sie wollen die Gegenwart bannen an die religiösen Uebnngen und Formen, welche nur der Ausdruck des religiösen Lebens einzelner Epochen in der Vergangenheit warem- Wir wollen, daß den Anschauungen der Gegenwart ihr Recht werde; und daß Formen, die unserem der Bildung'unserer Zeit zugewandten Sinne widersprechen, für unser religiöses Denken und Fühlen abgestorben sind, abrogirt werden, gleichgültig, wie alt oder wie jung sie sein mögen.