Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 18.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 144 — falls Söhne armer Eltern, rauchend, singend und trinkend — und sie verdienten auch jetzt leichter und mehr als er, ohne je etwas Besonderes gelernt und für ihre Ausbildung gedarbt zu haben. War es ihm je '-so wohl geworden, wie diesen jungen Leuten? Er griff zur Violine. „DaS Chanukkalied", riefen Einige! Er spielte; dann ging er in eine andere Weise über, die schließlich eine Tanz wurde; er wollte sich selber zur Munterkeit aufspielen, betäuben, dae innere Unbefriedigtse>n zum Schweigen bringen. „So lustig wart Ihr lange nicht hier gewesen", sprach einer der nichtjüdischen Gäste. „Ei, seitdem Spiclfcis todt ist, ist ja nichts rneh^ los mit Euch. Ihr seid alle Schlafhauben gegen ihn. Das war ein Kerl! aber auch ein braver, ehrlicher Geschäftsmann, Gott habe ihn selig." „Dafür war er auch der Spielfeis und seine Tochter ist Epielfeißens Veilchen", sprach August Allmann, der sich wieder der Gesellschaft zugesellt hatte und nun über das gewöhnliche Maas trinkend, hinter dem Tische saß. Man sah ihm an, er wollte offenbar den Unmuth übertrinken. Seitdem ihm der Streich mit Lehfeld mißlungen und in's Gegentheil umgeschlagen war, zürnte er; er konnte jetzt diesen Abend nicht aufkommen; er war nicht der erste.der verdammte Lehrer!" „Still, August", sprach Marx, „Du weißt, ich fange nicht gern mit Dir air; ich kenne Dich; Tu bist der echte Sohn Klappermosche'S — aber dein Vater ist eben doch, was auch Feiß war, mein Onkel und ich will daher keinen beschimpft wissen." „Wißt Ihr was, wenn's so fortgeht, wird's schön;" sprach Isaak Maßmann —, „wissen Sie kein neues Liedchen, Herr Lehrer?" Herr Lehfeld hatte seine Aufmerksamkeit schon einer anderen Stelle zugewendet... August Allmann hatte sich verdrießlich in eine Ecke gesetzt und dort hatte sich der Wirth ihm zugeseüt. „Schlechte Zeiten", sprach er, „nichts mehr zu verdienen; seitdem Ihr Onkel Feiß todt ist, ist kein Leben mehr in der Wirthschast; da in der Ecke, wo Sie jetzt fitzen, saß er Stunden und Tage lang; das war sein Spielplätzchen; Im wankte und wich er nicht. Kamen Leute, die mit ihm Geschäfte machen wollten, so blieb er ebenfalls auf dem Plätzchen fitzen. Dort oben, sehen Sie dort „in das Eckschränkchen" legte er die Karten und wenn er Geschäfte gemacht hatte, auch seine Papiere. Das Schlüffelchen behielt er stets bei sich. Ich konnt's ihm anvertrauen, denn ich thue nichts hinein. Ich glaube, cS ist fett seinem Tode nicht geöffnet worden und Alles noch so, wie's' war, als er starb. Er hat mir leid gethan ...... Lehfeld horchte hoch auf. Ein Gedanke durchzuckte ihn! Das war das Eckschränkchen, von dem Veilchens Vater in seiner TodeSstnnde sprach. Tort lagen vielleicht Papiere, die auf die Verhältniffe des Mädchens, dem sein Herz gehörte, den günstigsten Einfluß haben könnten. Aber wie dahin kommen? — Nur mit Widerstreben spielte er weiter. Sein ganzes Sinnen war auf den Ort gerichtet, der ein Geheimniß barg, welches auf den Lebensweg eines ihm so nahe stehenden Wesens Bezug haben konnte. Er verwendete fast kein Auge mehr davon. Hatte auch August Acht gehabt auf die Worte des Wirths? Es schien nicht, denn er ttank nur immer zu; immer stärker, bis das Maaß übervoll war. (Fortsetzung folgt. » Inhalt des „Israelitischen Lehrers" Nr. 49: Leitartikel: Welche Anforderungen sind an einen isr. Lehrer zu stellen? Wochenbericht: Wien. Unterstützungskaffe re. in Westphalen und Rheinprooinz. Anzeigen. — Für der Buchhandel in Commission bei Oskar Seiner in Leipzig. — C. Reidels Buchdruckerei in Gau-»lg«Sheim. Berantwortliche Redactton und Perlag von Joseph Klingenstein, Lehrer zu Ingelheim.