Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 17.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Mco« nr Jeschaoti1) Ich Hab kein Gelb, wai thu ich hie Seitdem Beilchen nicht mehr da, Dalven godolr) bin ich ja, Geh e bischen weiter, Begegnet mir der Reiter Reiter will ich frage Und mein Unglück klage Alles lachte. Einer rief: „Sing lauter." Sie sangen im Chorus laüt und vernehmbar." Da» Herz Lehfelds wollte! sich zusammenziehen vor Bitterkeit. Er wollte da, Fenster öffnen und böse Worte hinuntersenden. Ec besann sich schnell eines Besseren. Er erinnerte \ ich eines Wokles von Berthold Auerbach: wer im Tolke und für dasselbe wirken will, der muß Bitteres überwinden und sich deffen Thun und Sinnen anfch ließen, demselben nicht sich entgegen stemmen wollen. Er erinnerte sich, wie in gleicher Lage ein junger Le> rer in einer aus desselben Dichters Dorfgeschichten erhandelt; er nahm die Bioline, seine Freundin in > rüden Stunden, vom Ragel, öffnete das Fenster un» als eben der Chor wieder begann, da siel er eir , und begleitete die Sänger. Schon nach den rsten Worten hörten manche Sänger auf. Ginge engen an zu lachen; der Gesang wurde immer dünrer, die Lacher hörten endlich ganz auf und ^hald spielte er allein die schöne Volks-Melodie bis zuin Sch!usse. Er wollte aufhören; da rief eine Stimme ron unten: weiter! Er präludirte, dann begann er zr bei in der alten Melodie: spielen und sang da- Schutz und Hort, „Gott, mein Licht, mein Sei vom mir erhoben;. Gott im Sturm mein Zufluchtsort, Dich will sttts ich lobest, Wa» nützt ring» ihr Toben, Schirmt mich Gott von oben, . Rahet er, Feindes Heer, Ist wie Staub -zerstöbe»." Eine feierliche Stille herrschte unter der noch vor Kurzen; tobenden Menge. „Rur weiter!" rief die vorhin gehörte Stimme von Neuem. Und Lehfrld sang mit besonderer Kraft das ganze herrliche Chanukkalied (von Stein) und al» : er geendet hatte, da ertvnts ein vielstimmiges „Bravo!" ' von unten herauf.! „Der Lehrer muß mit, Chanukka halten," riefen i einige Stimmen, die vorhin am stärksten in das j Spottlied eingestimmt hatten. I „Ja, gehen Sie mit," sprach Marx, der zu ihm; in's Zimmer trat, „es wird gut für Sie sein." Marx > war stets sein einziger und bester Freund geblieben. > „Und die Geige auch," sprach es wieder von Außen. „Ich gehe mit und die Geige auch," sprach Lehfeld mit einer Art von Humor; „wollen einmal sehen, ob ich Euer Lied noch begleiten kann. Wie sangt Ihr doch?" Keine Stimme regte sich. „Papperlapapp," sprach die Stimme von unten. „— August ist fort und wir kennen's nicht. Wir gehen nach Altenheim, ins Bierftanze, — wo Spielfeis seinen Aufenthalt oft hatte," setzte er leise hinzu. Lehfeld wußse^nicht, wie ihm geschah. Er befand sich unter den Ausziehenden, am Arme Marx's, auf dem Wege zum „Bierftanz" von Altenheim.! (Fortsetzung folgt. « Inhalt des „Israelitischen Lehrers" Nr. 48: Leitartikel: Welche Anforderungen sind an einen iSr. Lehrer zu stellen? Wochenbericht: Bayern, Wien, Ungarn. Literarische»: Lehmann. — Riedel. — Andrs. — Gurke. — Dorn er. — Fischer. — Hirsch Joseph. — Hentschel. — Anzeigen. — ~ >) Die Anfangsworte des hek *) sehr arm. r. ChanukkaliedeS. - Für der Buchhandel in Co mm Derantwortliche! ffton bei Oskar Seiner in Leipzig. — C. Reidels Buchdruckerei in Gau-Algesheim. edaction und Berla, von Joseph Klingenstein, Lehrer zu Ingelheim.