Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 16.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jeder Erklärung Abstand nehmen ließ, bis wir denchatsächlichen Beweis des Gegentheils zu führen vermochten. Die Handwerker selbst anlangend, so können wir vor Ablauf der in der Regel 3 bis 4 Jahre dauernden Lehrzeit nur über Betragen und Fortschritte berichten, und diese berechtigen zu den besten Hoffnungen. Mit Ausnahme einiger wenigen, gänzlich ungeeigneten Knaben, an denen jeder Bildungsoersuch fcheilerlr, und die deshalb wieder entlassen werden mußten, sprachen sich die Comilö-Jnspecioren, sowie die betreffenden Lehrherren, auf Grund regelmäßig eingehender Berichte,. durchweg günstig und befriedigt aus; ebenso geht aus den von uns eingeforderten Berichten der resp. Adoptiv-Eltern . hervor, daß sie mit der von uns getroffenen Auswahl ihrer Pfleglinge vollständig einverstanden sind und für die Zukunft derselben das Beste erhoffen. Einzelne derselben werden geradezu als Musterkinder in Bezug auf Fortschritte und Betragen hingestellt. Eine beträchtliche Anzahl solcher Peijonen, die ein nur eine kurze Lehrzeit erforderndes Gewerbe (Destillation, Seifensiederei rc.) ergriffen, sind nach ihrer Ausbildung in die Heimath zurückbcfördert worden und theilweise schon zu sick>erer' Erislenz gelangt, wie beispielsweise ein am hiesigen Drte ausgrbildeter Destillateur bereits schon seit zehn Monaten als Gehilfe ein monallichcs Gehalt von 15 Thlr. bezieht. Wie wir schon in unserem ersten Berichte heroorgehoben, gebührt das Verdienst dieser Sache nächst dem Ceiftral-Comitä zu Paris, das mit einer seltenen Hingebung und Ausdauer sich ihr widmet und allen unseren Vorstellungen freundliches Gehör leiht, einer großen Anzahl von Männern, die durch die ^Presse oder durch thatkräftiges Mitarbeiten uns wirksam unterstützen. In ersterer Beziehung nennen wir die Redaktionen der „Allgemeinen Zeitung des Judenlhums," des „Jsr, Lehrer" und der „Jsr. Wochenschrift"; in letzterer Beziehung die weiter unten (Seite 106 und 107) aufgeführten Local- und Sub-Eomitös. Indem wir allen diesen Männern, sowie sämmtlichrn Adoptiv-Eltern, Lehrern, Schulvorständen u. s. w., sowie allen denen, die durch Sammlungen oder freundlich« Gaben unser Werk bis heute gefördert, unseren wärmsten Dank aussprechen, glauben wir unsere Bitte um fernere wirksame Unterstützung nicht zweckmäßiger ausdrücken zu können, als wenn wir die Schlußworte unseres ersten Berichtes hier nochmals wiedergeben. Wir sagten damals und sagen noch heute: Die Sache, um die cs sich handelt, beschäftigt seit mehr als zwei Jahren die Oestentlichkeit, Jedermann weiß, was wir wollen und was wir sollen. Es handelt sich nicht darum, einer augenblicklichen, früher oder später vorübergehenden Landeskalamttät entgegenzuwirken, einen momentanen Nothstand zu beseitigen; vielmehr sollen Jahrhunderte lang eingewurzelte Schäden, durch allbekannte Ursachen herbeigeführt, endlich geheilt und hierdurch der Boden für eine auf gesunden volkswirthschaftlichrn Grundsätzen beruhende entwickelungsfähige Eristenz geschaffen werden. Wir haben in unserer Denkschrift die Ueberiüllung als eine dieser Ursachen bezeichnet, der nur eine Maffenauswanderung abhelfen kann; ebenso wenig bedarf der Plan, die unter den dortigen Glaubensgenossen herrschenden socialen Uebelstände durch Vermehrung der Bildung und größere Beachtunggeordneten Schulbesuches zu beseitigen, einer . weiteren Ausführung, und wir warten in der Thal mit Ungeduld nur das Ergebniß der öffentlichen Beiträge ab, um Io viele arme Knaben und Mädchen als möglich zu diesem Behufe zu subventionircn. Was wir für das Heranwachsende Geschlecht thun, kömmt der Zukunft der ganzen Bevölkerung zu Gute; für sie zu wirken dürfen wir nie ermüden. Deshalb aber muß bei der Menge der Hülfsbcdürjtigen einerseits, wie bei den unzureichenden Mitteln andererseits in dem Plane der Alliance isra£lite, dem elendesten und verlassensten Thcile der Jugend, den Waisenkindern, in dem Herze» der ruropästchen und amerikanischen jüdischen Gemeinden neue Eltern zu geben und eine neue Heimath zu giünden, nicht nur ein Triumph der humanitären Anschauung unserer Religion, sondern auch an und für sich eine Maßregel ttefblickender Umsicht und von der größten Tragweite für unsere Zwecke erblickt werden. Glaubensgenossen! Tie Sorge für unsere westrussischen Brüder ist eine Aufgabe der Gesammtjudcnheit, bei der sich Alle, ohne Rücksicht auf religiöse Parteistellung — denn von einem Eingriff in die dortigen religiösen Verhältnisse war nie die Rede—einmülhig begegnen können. Erfaffen wir sie mit gewohnter Hingebung, mit gewohnter Umsicht und vor Allem mit — gewohntem jüdischen Herzen. Das Werk ist glücklich begonnen, vereinigen wir uns zur gemeinsamen Wetterführung und — so Gott cs will — zur dereinstigen Vollendung. Desfallsige Mittheilungen und Anfragen jeglicher Art können jederzeit an das Eentral-Comitö der Alliance israelite universelle (Paris, rue de Drövise, 37), oder an das Unterzeichnete Haupt-Grenz-Comitö, eoenl. an die (S. 106 und 107) aufgeführten Sud- und Lokal-Eomitös gerichtet werden. Sammellisten, Beiträge, sowie Anmeldungen zur Annahme von Lehrlingen und Schülern, insbesondere zur Annahme der zu adopti- ' renden Waisen — wobei wir um genaue Angabe des Alters und Geschlechtes der gewünschten Kinder, sowie um Auskunft darüber ersuchen, ob dieselben sofort einem bestimmten Lebensberufr oder erst noch der Schule übergeben werden sollen — bitten wir gleich