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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 16. · p. Seite 122

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 16.
Date
1871-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Stelle der aufgehobenen Blokade getretene natürliche Blokade der Elbe djirch den Winter ermöglichte nur «ne einzige Sen du« im November v. X' A'ZwijHen gingen, da jede BrMnHvng mit Hem Gmttal-Tomltä zu Paris fortdauernd abgeschnittc» w«r.,unsere Mittel allmählig zu Ende, und nur d»chdt» freundliche DermiMung deß' Hamburger Sub-CoaM's, das uns die Summe von 1500 Thlr. zur Verfügung stellte, sowie durch die Mitwirkung des Berliner Lokal-Comits's, das die kostenfreie Befiederung der Auswanderer von Berlin nach Hamburg übernahm, war es uns möglich geworden, im Mar d. I noch eine größere Expedition ins Werk zu setzen. Diese letztere Calamität ist nun beseitigt; die noch in den Händen des Central-Cornitäs befindlichen, iür unseren Zweck bestimmten Geldmittel setzen uns für den Augenblick in den Stand, unsere Thätigkeit wieder zu beginnen und noch einige Monat« hindurch iu dem früheren Umfange fortzusetzen. Bis dahiu sedoch, hoffen wir, wird sich die öffentliche Theilnahme, deren unser Werk sich vor dem Kriege erfreute, von Neuem unserer erinnern und he, send und fordernd uns zur Seite treten. Wir dürfen vkes ' um so mehr erwarten, als wir in der Lage sind, den thatsächlichen Beweis zu liefern, daß alle gegen die Wirksamkeit des Haupt- Grenz-Comite's früher erbobenen Zweifel und Bedenken aus übermäßigen Befürchtungen oder irrigen Voraussetzungen heroorgegangen, und durch den von uns seichcr eingeschlagcnen Weg und die von uns erzielten Erfolge als beseitigt zu betrachten sind. An Stelle der früher ausgesprochenen Befürchtung. daß in den von uns bewirkten Auswanderungen für die dortigen Gemeinden die Gefahr eines jüdischen Proletariats drohe, haben die amerikanischen Journale offen erklärt, daß die von uns dorthin gesendeten Per- _ sonen über dem "Niveau der gewöhnlichen Einwanderer stehen und fast durchweg nüchtern und arbeitsam sind. Aehnlich hat sich das dortige Eomite in Briefen an uns ausgesprochen, und aus den Verhandlungen des Board of Deputiea ist bekannt geworden, daß von mehr als 500 durch unsere Vermittelung eingewanderten Personen nur 17 eine einmalige, und nur 5 eine zweimalige Unterstützung beansprucht, alle übrigen in der anständigsten Weise für ihren Unterhält selbst sorgen. Außerdem wird dieses auch durch die Tatsache bezeugt, daß wir nicht nur bereits über 50 direcre Schreiben in diesem Sinne erhalten, sondern auch auf Deranlaffung des dortigen Eomitö's eine nicht geringe Anzahl Frauen mit ihren Kindern ihren früher von uns oeförderten, bereits zu sicherer Existenz gelangten Männern nachgesendet haben, wozu wir theilweise von dort auS schon die Mittel erhielten. Die Auswanderer — söweit sic nicht einer von dem dortigen Eomitö vidimirten Aufforderung von Vers wandten Folge leisten — verpflichten sich vor der Abreise, sich den fürsor^kjMn Anordnungen des dor- ÄgenLomitL's willig untiimorbnen, und finden durch tzdfftkv«, jck'nlstb »chr BeDWmg angemessene Placirung. rAnderers«sLwkrd»Man unserem consequenlen Widerstreben, 1>ie HÜiwaudermtg in das Innere Rußlands zu begünstig«, Angesichts der neuesten gesetzgeberischen Vorgänge und judenfeindlichen Bewegungen in den Volksmaffen '(Odessa). nachträgliche Zustimmung nicht versagen könne», und «HÄt sich schon seit langer Zeit keine Stimme mehr für dieses wohlgemeinte. aber statt Rettung nur Verderben einschließende Projekt. Ganz besonders aber glauben wir durch die Darlegung des gegenwärttgen Standes unserer zweiten Aufgabe: „Erziehung und Beförderung der Bildung unter der dortigen Jugend," einen Theil unserer deutschen Glaubensgenossen, die sich zu unserem Bedauern unserer Sache fern gehalten, zu thatkrästiger Unterstützung veranlaffen zu können. 'JJtait hat der ersten Kundgebung des Haupt-Grenz-Cömikös, noch ehe dasselbe seine Thättgkeil begonnen, mit einem Proteste geantwortet, uns verurtherit; noch ehe man uns gehört.' Man hat uns, ohne den größten Theil der Comilö- Mitglieder auch nur dem Namen nach zu kennen, bei einem Werke reinster Humanität, religionsfcindliche Hintergedanken untergeschoben, und uns Befähigung und guten Willen adgejprochen, in West-Rußland Schulen zu gründen, die' dem dort herrschenden religiösen Geiste entsprachen und zuträglich wären. Ader man hat, — von allem Anderen. abgesehen — dabei vergessen, daß wir die Gründung ifon Schulen wohl als ein wirksames, aber leider nicht in unserer Macht liegendes Mittel bezeichnet, wie denn in der Thal kaum Aussicht vorhanden ist, daß selbst bei einem erwünschten Fortgange unserer Thätigkeit in Jahrzehnten sich ein derartiges Projekt ermöglichen ließe. Ist obige Befürchtung inzwischen durch die Thatsachen widerlegt, so dürften andererseits die wenigen hier am Orte untergebrachten Handwerker, die nicht nur contractlich, sondern tatsächlich Sabbath- und Festtage feiern, und in streng religiösen Häusern, wv sie sorgfältig überwacht werden, untergedracht sind, keine Veranlassung zu irgend einer Verdächtigung oder einer Besorgniß bieten gegenüber einem Hülsswerke, das Hunderttausenden gilt — und wir richten hiermit an sämmkliche Unterzeichner jenes Protestes die dringende Aufforderung, sich mit gewohnter Wärme und Hingebung an dieser früher chrer Sympachie in so wirksamer Weise sich erfreuenden Angelegenheit zu betheiligen. Daß diese Aufforderung erst heute ergeht, hat seinen Grund in der etwas schroffen Weise, mit der man gegen uns auftrak. und die uns >o lange von

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