Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 15.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Hiinimlblatt Wochenschrift für Freunde des Fortschritts im Judenthnm. HerauSgegebcn von einem Vereine jüdischer Schriftsteller." 15. Den 15. November 1871. DtesrS Blatt erscheint wöchentlich in einer Nummer und kostet vierteljährlich 40 kr.; mit dem „JSr. Lehrer" zusammen 50 kr. («pp mcw) Z»as Testament des Htaööi Josef. Lehre» und Ermahnnnge» einer Mischen Geistliche» au feinen Enkel. Aus dessen hinterlassenrn Papieren. Eine interest'antc Lectüre für Jedermann, besonders aber für gebildete Israeliten. Geordnet und herausgrgeben von Dr. Ern st. (Schluß unserer Auszüge.) 8. Kapitel. M. S., gar manche Nacht saß ich sinnend aut nicinem Bette und mir war zu Muthe, wie dem Propheten, da er ausrict: „Wäre doch mein Houpt ein Gewässer und meine Augen ein Thräncnquell, daß ich beweinen könnte Tag und Nacht den Schaden der Tochter meines Volkes." (Zer. 8. 23.) Und ich dachte nach und sann wirksame Mittel, welche heilen könnten den Krebsschaden unseres Volkes. Allein ich fand, daß es so lange nicht gut »erden wird in Israel/ als seine Geistlichen den Mnth nicht haben, den« rabb. Jndenthum entschieden entgegenzutreten. Denn in ihrem Herzen sind gar Viele von dessen Fehler überzeugt, allein sie verhüllen ihre Meinung tief unter dem Mantel der Pastoralllugheit, die kleinen Gefahren scheuend, welche die Wahrheit ihren Vcrkündcm bereitet. C, daß ich ein Publikum von jüdischen Geistlichen vor uiir hätte, daß ich ihnen predigen könnte über den Text Ezechiel Cap. 34. Es ist freilich ein schwerer Kampf, der Kamps mit dem rabb. Jndenthum denn, «aus den oben gesprochenen Ursachen I der große Haute ift in solchen Angelegenheiten immer conservativ, weil er die Vorzüge des Neueren nicht zu würdigen versteht, weil er nur das Negative. nickt das Positive dest'elbcn auszurassen vermag und er sträubt sich gegen jede religiöse Neuerung, wie die Bauern seiner Zeit gegen jede Neuerung im ökonomischen Gebiet. Und er ist es un« so mehr, je weniger ihm die Quellen verständlich. je weniger deren 'Geichichte ihm bekannt isf, und weil c-s dem Ungebildeten überhaupt fchiver fällt, das Allgemeine vom Besonderen zu abstrahircu, die ewige Idee aus der in zeitlichen Bcrhältnisien versunkenen Fonn herauszuverftehen. Deßhalb übetträgt er auch die Fonn, die gewissen Verhältnissen angepahl ift, au» Verhältnisse, denen jene Form nimmermehr entspricht. ja in denen die Form nur aut Kosten der Idee gerettet werden kann; Denn: Will die Idee ewig leben, so muß die Form sich mit den Zeiten ändern und immer sich verjüngen, reip