Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 11.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ipimlblatt Wochenschrift für Freunde des Fortschritts im Judcuthum. Herausgegeben von einem Vereine jüdischer Schriftsteller. J\8 11. Den 18. Oktober 1871. Dieses Blatt erscheint wöchentlich in einer Nummer und' kostet vierteljährlich 4« kr.; mit dem „Jsr. Lehrer" zusammen 50 kr. Kxrmlose Streifereien. I. Salvendi und der Gemeindelag. Wer kennt Salvendi, wer kennt diesen Ritter der heiligen Orthodoxie, den Heiß sporn von der traurigen Gestalt? Die Orthodoxen werden wohl nichts «beiter als den sich überhebendcn boshaften Erguß gegen den Gemeindetag im „Israelit" von ihm kennen, der gewiß auch dem Journalisten Dr. Lehmann nicht zur Empfehlung gereicht, und die Fortschrittler werden wahrscheinlich auch von diesem Dürkheim er nichts wissen, da sie den „Israeliten" nicht lesen. Auch ich bin in der Lage, von dieser Pflanze der sogenannten Jungorthodoxen nur zu wisien, daß er Bezirksrabbiner der großen heiligen Gemeinde Dürkheim ist, daß er angeblich von seiner Heerde heilig gesprochen wurde, wie er selbst andeutct, nur weiß ich nicht, ob noch viele Gemeinden zur Großstadt Dürkheim gehören, denen er seinen Fanattsmus einzuflößen sich berufen fühlen könnte. *) Doch ,_ 1 *) Wir müssen hier constatiren, da un» die Verhältnisse »iemlich bekannt find, daß Herr Dr. S. weder kn Dürkheim selbst, noch in den sehr intelligenten Gemeinden de« Sprengel« — Speyer, Ludwig»hafen, Neustadt, Frankenthal, Grünstadt K. re. — sich einebesonder» bedeutenden Einflüsse» erfreut, vielmehr fich, durch verschiedene Vorkommnisse veranlaßt, selbst gehen wir aus die Sache selbst ein, nämlich aus den Erguß in der Beilage zu Nr. 33 des „Israelit". Herr Salvendi, welcher außer der Unkunde von Bibel und Talinud auch, mit Respect zu sagen, Doctor der Philosophie ist, sagt in seiner Bescheidenheit von' sich, daß er „ein Mann von unzweideutiger Gesinnung" sei, und daß er sich berufen fühle, über die so wichtige Angelegenheit des GemeindetagS^ ein Botuni abzugeben." Man ist Jwar schon daran gewöhnt, bei den gegenivärttgen Jungorthodoxen Israels eine Tenfelsmischung von Unwissenheit. Aberglauben, Hochmuth und Heuchelei zu finden, allein für eine solche' geistige Beschränkthelt, für die so cynisch ausgesprochene schamlose 'Selbstüberhebung verdient der Dürkheimer Bezirksrabbiner entschieden die Palme. Mit seiner „unzweideutigen Gesinnung" kann er nur sein blindes, bornirtcs Festhalten an den äußern Fonnen der jüdischen Mißbräuche, seine Befttockthcit in Nebensachen des Judenthums meinen, ohne sich um Beweise aus Bibel und Talmud zu künimern, worauf doch der Schulchan Aruch basirt fein muß. Aber als vr, salva venia, hatte er doch wissen müssen, daß der wahre Orthodoxe im Gesetz und Talmud zu forschen seine früheren Anhänger und ursprünglichen Wähler nicht allein von ihm abgewendet haben, sondern ihm thatsächlich feindlich egenüberstehen. S. soll jene Briefe gegen Grunebaum von andau geschrieben haben, die wir in unserm Artikel „die Gegner der Synode" besprachen und e» ist wohl möglich, daß auch von ihm da» Gerede in der Pfalz auSgina, daß die Synode den Sabbat abschaffen, eventuell auf Sonntag verlegen wollte. Nedaction.