Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 10.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433881--3689-4899896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wochenschrift für Freunde des Fortschritts im Judenthnm Herausgegeben von einem Vereine jüdischer Schriftsteller. J10. Den II. October 1871. Dieses Blatt erscheint wöchentlich in einer Nummer und kostet vierteljährlich hl kr.; mit dem „JSr. Lehrer" zusammen .VJ fr. Pie Hegncr der Synode. (Schluß.) - Es wird, gegenüber diesen Bestrebungen, welche von den verschiedensten Gesichtspunkten aus die Synode zu stören, ihren Fortbestand und ihre Entwicklung zu untergraben suchen, unsere Aufgabe sein, ihre Bedeutung hervorzuheben und außer Zweifel zu stellen. Wir haben daruvt zu untersuchen, ob sic ein Bcdürfniß der Zeit und des Judenthums ist, und ob sie ein Recht hat für ihre Wirksamkeit, und für ihren Fortbestand. Was gegen die Zusammensetzung, die Geschäftsordnung und derartiges auch mehr, von solchen Seiten geschrieben worden ist, welche gegen das Princip wohl keinen Einwand erheben können und dennoch, aus persönlichen Gründen, Etwas sagen wollten — werden wir von Zeit zu Zeit nebenher berücksichtigen. Ist die Synode ein Bedürfniß? Wer redlich seine Meinung ausspricht, wird dies Bedürfniß nicht leugnen können. Der Eonflikt zwischen Lehre und Leben ist allüberall vorhanden, er ist in alle jüdischen Kreise gerungen; die äußerste Orthodoxie ist davon nicht unberührt geblieben. Halten wir nns an Beispiele, die aus dem Leben gegriffen find. Dort in der großen Gemeinde besteht eine sogenannte orthodore Religionsgc- - sellschast. Ein Mitglied derselben, vielleicht einer der ärgsten Fanatiker unter Allen, hat ein bedeutendes Fruchtgelchäft. Auch sein Commis muß Freitagabend mit zur Synagoge gehen. Aber auf dein Wege dahin nimmt er die Briefe mit, die während des Freitag-Nachmittags geschrieben worden und übergibt sie der Post; — uc können vor Cabbatanfang nicht mehr abgeh e n. Ist h ermit das unbeugjame Sabbatgc'ctz nicht bereits durchbrochen? Wirdes wohl einen einzigen Geschäftsmann geben, der auch je nur daran gedacht hat, daß er damit doch eigentlich, die GcsctzcSKeue, welche er. sich zur Pflicht gemacht hat, umgeht? Ja. umgebt, das ist das richtige Wort, das in tausend Fällen bei den Männern dieser Richtung angewandt wird. Es ist! ein gefährliHes Spiel, das da mit dem Religions- und Sittengesetz getrieben wird, von dem Biehlxindler, der das Erftgeburtgesetz uuigeht. indem er die Erstgeburt j zum Voraus für eänen Groschen verlauft, bis zum! Verkauf des Gesäuerten am Pessach. Aber derielbe! Fruchthändlcr läßt auch am Freitag Frucht verladen, die am Sa! bat fortgeführt wird und Anderes mehr. Wir machen ihm ja keinen Borwurf daraus, wenn er nicht zu den Gesetzestreucn gehört; aber bei diesen ist cs Heuchelei, die Form festhalten zu wollen, während die Sache tausendmal im Jahre durchbrochen und umgangen worden. Es ist das in allen seinen Erscheinungen und Fonncn durchaus veränderte gesellschaftliche und geschäftliche Leben, cs sind die ungemein gesteigerten Bedürfniste des Lebens, welche diesen Umschwung im Denken und Thun mit Naturnothwendigkcit hervorgerufen haben. Niemand kann sich derselben entziehen. Treten wir in die geheiligten Räuine unseres Gvt- ' teshauies. Es sind nicht mehr die kahlen, weißgetünck-