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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 6. · p. Seite 40

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 6.
Date
1871-01-01
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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— 40 — einem christlichen Berichterstatter, der von der Sache nichts verficht, augendreherisch nachschreiben, die Synode habe auch das Reiten gestattet. Die Herren, denen der Talmud der zweite oder der Hauptgott ist, streichen aus ihrem Codex die von jenem dem Götzendienste und dem Morde gleichgestellte Sünde der Verleumdung. In der Augsb. Allgem. wie in der Abendzeitung habe ich übrigens am Tage nach jener Veröffentlichung berichttgt, daß in dem ganzen Referate durchweg nur vom Fahren. vom Reiten nicht die Rede war. Nicht einmal die Referate, nach glaubwürdiger Aufzeichnung abzuwarten. hielten es diese Herren für werth yn^ee ros« dies find die Gesetzestreuen, die fich als Wächter über Israels Religion einsetzen wollen und nach Schrift und Talmud todeswürdige Sünden begehen, Alles in majoram Dei gloriam, „der Zweck hoiligt die Mittel" (vgl Michah 3, 5). — vr. Wiener. Nagi-Kanizsa. Die Ungar. Jsr. Wochenschrift schreibt in dir. 33 von hier: Es ist eine betrübende Wahrheit, daß die zweckmäßigsten Gesetze und die freifinnigsten Institutionen allsogleich nicht allenthalben durchdringen, und daß es oft der Jahre bedarf, bis das „oven" ausgesprochene. Wort fich durch alle Schichten der Bevölkerung Bahn bricht und so zu sagen in Fleisch und Blut übergeht. Wir täuschen uns demnach gewaltig, wenn wir meinen, daß mit der ausgesprochenen bürgerlichen Gleichstellung jedes Voruttheil gegen uns geschwunden, und aller Judenhaß m Grabe getragen wurde. Das Unkraut verrotteter Vorurtheile wuchert noch immer in schreckenerregender Ueppigkeit, und die vielköpfige Hydra des Judenhasses — durch das Zauberwort „Emancipation" leider nicht allenthalben gebannt, fordett nach wie vor ihre Opfer. Noch erhebt die mit der Muttermilch eingesogene Unduldsamkeit ihr scheußliches Medusen - Haupt, noch schwingt sie ihre furchtbare Geißel gum Entsetzen aller Bessergefinnten, und dem harmlos wandernden Juden tönt noch immer hie und da das verhöhnende „Hep Hep" entgegen, was um so empfindlicher schmerzen muß, als unser durch Orgelklaug nnd Choralgesang verwöhntes Judenohr dem ünmelodischen Spottgesange denn doch schon entwachsen zu sein glaubt. Welch gefährliche Dimensionen ein derartiger unschuldiger Zeiwertreib der lieben zarten Jugend annehmen und wie fich aus solchen Lappalien ein blutiges Drama entwickeln kann, möge folgende Thatsache beweisen. Am 24. d. M. ging ein sogenannter „Weinsteinschlager", ein armer hiesiger Jsraelite, nach dem kaum eine Stunde von hier entfernten Hamok-Kamüromer Weingebirge. Seine ärmliche Kleidung, besonders aber der Sack auf dem Rücken, mochte den zufällig anwesenden Chriftenkiüdern etwas posfirlich erscheinen, und plötzlich ertönte aus den jungen Kehlen das bekannte „Hep Hep". Der Jude drohte entrüstet mit dem Stocke, da stäubte die junge Schaar mit dem Rufe: „üsn a rsiäo" erschrocken auseinander, wobei eines der Flüchtlinge in den nahe gelegenen Keller stürzte, ohne sich jedoch im Geringsten zu verletzen. Aber auf das Zetergeschrei eilte die Mutter des Kindes herbei, und kaum erblickte sie die unschuldige Ursache des Unfalles, als sie ihrem Knechte den geuleffenen Befehl gab. den verwegenen Juden zu erschlagen, und der treue Knecht vollzog pünktlich den grausamen Befehl seiner Herrin! er eilte dem unglücklichen, nichts Arges ahnenden Juden nach und erschlug ihn auf der Stelle. Wir enthalten 'aus jeder ferneren Illustration, bemerken nur noch, daß ein krüppelhaftes Weib und drei unversorgte Kinder in dem Ermordeten ihren einzigen Ernährer beweinen. Somogyi. Paris. Der Groß-Rabbiner Zadok Kahn hat in einer Rede am vergangenen Sabbat die „Einheit Israels" betont und hervorgehoben, daß die Idee der Brüderlichkeit im Judenthum den nationalen Haß, der nur - vorübergehend sein kann, bezwingen wird. — Tie vor dem Kriege dahier in Angriff genommenen und bereits weit geförderten Synagogen von Paris — auf dem Place royal und nie de la victoire — werden nun vollendet, da der Municipalrath von Paris in seiner Sitzung vom 25. August die dazu noch nöthigen Summen verwilligte. Es ist bekannt, daß diese Synagogen ganz auf Kosten der Stadt hergestellt werden. Tie „Revue Jsraelite" hofft, daß zugleich eine geeignete Organisation des Gottesdienstes Platz greife uud man nicht mehr in der Synagoge die profanen, der Oper entnommenen Gesänge warnehme: und doch perhorreseirt sie die Orgel! Seltsamer Widerspruch. Db" Zu unserem Bedauern haben zwingende Umstände es uns unmö lich gemacht, bei den jüngsten Nummern di ser Zeitschrift einen ganzen Bogen zu geben, wie wir es wünschten. Von jetzt ab wird das „Snnodalblatt" regelmäßig in mindestens einem Bogen erscheinen. Bei ant>vi>> Nicke Redaction und Verlag von Joseph Kl in» enstein, Lehrer zu Ingelheim. Für den Buchhandel in Commission bei Oskar Seiner in Leipzig. — I. Gotisleben's Buchdruckerei in Main». Hierzu eine Beilage: Die Geschichte der Jaden von Grätz betreffend, von Oskar Seiner in Leipzig.

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