Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 5.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i t i; een Wn gering achten, e< ebenso wenig mü der Wahrheit genau nehmen, dem» jedenfalls t. 1mm' «an es den Herren sage«: einmal waren sie nichtTdet der Wahrheit, entweder beim Bezirksamt oder beim Schöffen gericbt und doch enthält sicherlich auch dal' Wort pmn npe -gid und n"a*pn bv iDrm not» eine religiöse Pflicht. Oder nicht? Redaetion.) K e « i l I - ton. oluftschttsser. Alte Geschichten von I. (Fortsetzung.) So verginge« Tage und Jahre. Trübselig flössen Veilchen'» Tage hin — einer wie der andere. ES trug mit Sanftmuth da» fast unerträgliche Joch; kein Wort der ftfage kam über seine Lippen; kein Wort de» U muths über de« mehr und «ehr sich entwürdigenden. dem Spiele fast allein noch fich hingehenden Vater. Und auch Friß wagte nicht, ei« auf fein Thun bezügliches Wort mit seiner Tochter zu sprechen. Die Scham über sein Thun erfaßte ihn zuweilen, wen» er seiner Tochter gegenüberstand — aber er war zu schwach geworden, der Leidenschaft zu widerstehen. Wir kehren zum Anfang unserer Geschichte zurück. Der Sabbat-NachmittagS-GotteSdiensl war zu Ende. In den Straßen des klemm von vielen Juden bewohnten Ortes regte sich ein eigenes Leben. Jetzt erst geht die Sabbatfreude recht an. Dort ist eine Gruppe geputzter, lebhaft nch unterhaltender Mädchen. Sie berathm sich, wohin sie ihren Weg nehmen sollen. Aber sie schauen wenig sich selbst einander an. Sie schäum vielmehr nach einer Gruppe junger Männer, offenbar in der Absicht, dahin zu gehen, wo sie, wenn auch scheinbar unabsichtlich, mit diesm Zusammentreffen. Die älteren Leuten haben sich vor einem Hause zusammmgestellt, da», mitten im Orte liegend, beinahe gleichsam die Aussicht auf den ganzen Ort beherrscht, und wo man weit hinaus schauen kann, durch den Ort und bi» auf die Chauffee. Sonst am Sabbat Nachmittag kau« da kein Vogel vorbeifliegen, ohne zn Bemerkungen Veranlassung zu bieten. Heute herrscht off nbar eine lebhafte, außergewöhnliche, nur auf einen Gegenstand sich beziehende Unterhaltung. »Der Lehrer ist kein schöner Chasan aber er- Ieient" *) gut und man kann jedes Wort, das er sagt, *) lieft die Thor« verstehen.. Wir brauchen keinen Sänger; er gefällt! mir." »Er ist ein Neumodischer, dabei bleib ich," sagt .eine laute Stimme, die offenbar die anderen zu über- 'schreien, zu imponiren sucht. Wir kennen diese „klap- -pernde" Stimme. »Ich glaub', er nimmt bei Wittwe Marx Lost; das sind heimtückische Menschm, die werdm ihn gegm die Gemeinde verhetzen. Ich muß ihm begreiflich machm, daß er vor seinen „Priucipalm" mehr Respect haben muß. Er hätte mich fragm sollen, wo er sein Kosthaus nehmen soll. Er hat mich besucht, bloö so obenhin," sagt der Vorsteher Herr Maßmann. „Er nimmt die Kost, wo er sie bekommt. Er hat seinen freien Willen." Eben kommt der, von dem die Rede ist, langsam auf der Straße daher. Er hat auch heute noch das Kleid au, das er gestern trug — et hat noch kein weiteres. Nlir ein helle», blinkendes Hemd zeigt, daß die Fürsorge der Mutter das in gutem Zustande erhalten hat, was sie für da» Nothwendigste hält. — Er geht vor dm Gruppm auf der Straße, vor den Burschen und Mädchen, vor dm Männern und Frauen vorüber, freundlich grüßend; aber er bleibt nicht stehen. „Er ist stolz" sagte der Eine. „Er ist bescheiden" sagt Marx, der eben bei den Burschen ankommt. „Er schmt sich heute "noch; er wird schon kommm, wenn er bekannter wird. Er ist ein braver Mensch. " Unter den Mädchen ist Joel'S Fanny. Veilchen fehlt; sie geht nie mit der Gesellschaft; sie bleibt zu Haufe — oder leistet ihren Cousinm Gesellschaft, die, wie wir wissen, nicht mit der Gesellschaft gehen. Auch auf die Mädchengruppe verweilt der Blick Sehfeld'» nur kurze Zeit, obwohl manches Augenpaar ihm freundlich zulächelt; die, die er sucht — er getraut e» sich nicht zu sagen, aber eS ist dennoch wahr, — ist ja nicht dabei. Mädchen und junge Männer brechen endlich auf; sie sind zu einem Entschlüsse gekommen. Wozu auch die Schliche? Sie gehen alsbald miteinander, wollen nach dem nächstm Orte Zusammengehen. Was brauchen sie flch erst zu suchen? Sehfeld gehtallein zurück, die Straße mtlang. Dort ist daS Haus der Gebrüder Allmann — Veilchen steht unter der Thüre. Ihr Gesicht wird roth, wie sieben „neuen Lebrer" sieht. Auch Sehfeld» Gesicht überzieht eine Helle Freude. Er geht langsam vorüber, er möchte gerne einkehren, sein Herz auSschütten vor diesem Mädchm, aber er geht vorüber und Veilchen geht in» Hau» zurück, wie er vorüber ist. (Forts, folgt) Verantwortliche Redaction und Verlag von Joseph Klingenstein, Lehrer ,u Ingelheim. Für dm Buchhandel in Commission bei OSkar Leiner in Leipzig. — I. Gottleben'S Buchdruckerei in-Mainz.