Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 5.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dolksthümliche Beilage zu Nr. 36 des „Jsr. Lehrer". ' MlldaldlM. Wochenschrift für Freunde des Fortschritts im Zudenthum. Herausgegeben von einem Vereine jüdischer Schriftsteller. M 5 Den 0. September 1871. Dieses Blatt erscheint wöchentlich in einer Nummer und kostet vorläufig bis zum 1. Januar 1872 fl. 1. 12 tr. — 20 Sgr. Dem „Jsr. Lehrer"' wird es als Beilage gratis bcigegeben. Aer Aabbineröeruf in der Gegenwart. Don einem Laien. Glück zu! Mögen Ihr Muth und Ihre. Hingebung vom besten Erfolge gesegnet sein. Möge es Ihnen gelingen, dem jüdischen Volke eine Zeitschrift zu bieten. die auch die Freunde entschiedenen Fortschritts | befriedigt. Möge diese Zeitschrift sich allezeit bewähren durch daS Streben, volksthümlich zu sein in | jenem edleren, höheren Sinne, der die Freunde wahrhafter Aufklärung auSzeichnet; volkSthümlich dadurch^ daß sie dem Volke Segen bringt, jeden Leser erhebt und brstiedigt, der vorurtheilüloS nur sich zu belehren und sein Geisteeleben zu kräftigen strebt. Die Zukunft deS JndenthumS war gefährdet durch die Selbstsucht, mit welcher leider in der jüdischen Presie oft nur die Persönlichkeiten sich in den Vordergrund drängten. Der religiöse Fortschritt mußte Noth leiden, weil man nicht das Volk und das was ihm gut und nothwendig ist, sondern nur sich selbst berücksichtigte. DaS Volk griff leider auch nach den Blättern, die eS durch stetes Schimpfen unterhielten, durch Schmähen auf jede« Vorwäriastreben und jkden Hellen Gedanken, und die durch Verleumdungen, Verdächtigungen, grinzenlosem Fanatismus einen traurigen Reiz boten l — Möge es Ihnen gelingen — und ich ersuche Sie,, dies 1 als die Bitte eines Mannes, der es mit Jhnm und der Sache, die Sie zu vertreten entschloffen sind, gut meint, sreundlichst hinnehmen zu wollen, — möge es Ihnen gelingen , sich von jenem unsauber« Tone frei zu halten, der sich leider so breit macht und möge Ihnen Gott seinen Segen schenken, damit Sie die Sache, die Ihnen gerecht und gut dünkt, mit Hingebung zu unterstützen vermögen, auch wenn Ihre Person dabei nicht im Vordergründe steht. Der gesunde Sinn des Volkes wird sich dann bald dem zuwenden, was seinem befferen Gefühle entspricht. Erlauben Sie nun einem Laien, über einen Gegenstand zu sprechen, der von der höchsten Wichtigkeit ist, und über welchen die buntesten Ansichten herrschen. Ich meine: über den Rabbinerberuf in der Gegenwart. So viel der Männer in Israel sind, so verschieden mögen die Ansichten über diesen Beruf sein. In dieser Hinsicht gehen sie am meisten auseinander. Der orthodoxe Jude erkennt heute noch in dem Manne, der aus dem Rabbinerstuhse seiner Gemeinde sitzt, hauptsächlich den Auguren, de» Fleischbeschauer, den Beschützer der Küche und des Kellers Mr dem Eindringen unerlaubter Speisen, den Berather über Gebote und Verbote, wie solche im Schulchan Aruch stehen; nebenbei soll der Rabbiner für die Gemeinde „lernen* und im besten Falle einigen Talmudschülern Unt«reicht erthnlen. Diejenigen, die zugleich einen Prediger in