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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 2. · p. Seite 16

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 2.
Date
1871-01-01
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
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16 Habe» Glück; Sie haben eine gute Stelle — «ex einmal hier ist, will nicht mchr fort. „Aber meine Wohnung ist schlecht." „Was, schlecht? Von jeher war die Wohnung gut. Was braucht der Lchrer eine Wohnung? Sie haben Ihre Schule. Nach der Schule gehen Sie in die Häuser, Sie können überallhingchen — Nachts ist jedes Zimmer gut, wenn man im Bette liegt. Schöne Sachen das, schlechte Wohnung. Fangen Sie so an? Gut Schabbes, Herr Lchrer." Die Gesellschaft trennte sich. Herr Lchfcld hatte »och kein Softhaus, eine jüdische Wirtschaft war nicht im Orte. Niemand kümmerte sich um ihn; — Als er Alle schon fort glaubte, hörte er ein ihm bekanntes, ihn sonderbar berührendes Gelächter —, das von Marx, der ganz in der Ecke gestanden, Alles mit angehört hatte. ' ab ich's nicht gesagt, wir sehen uns heute noch? Als zu Hause fortging, sagte ich zu meiner Mutter: bnnge Dir heute Abend einen Gast, den neuen Lchrer."" „MeineMutter spricht wenig, aber sie sagte: Ja. Und nun, gehen Sie mit. Ich wußte, daß Niemand Sie heute ei »laden wird." Herr Lchfcld ging mit. Er ttat in ein sehr einfaches, sehr bescheidenes Häuschen; aber es war Alles so fabbatlich eingerichtet, so freundlich und wohlthuend ,»d die alte Frau, die mit ihrem Sohne allein das Häuschen bewohnte, bewillkommte ihn so herzlich, daß unser Seld sich ttöftete über die Bitterkeiten, die erbeute beim intritt in den Beruf, der ihm bisher so herrlich dünkte, hatte erdulden müsse, über die Täuschungen, die ihm bereits manche seiner Luftschlösier zerstötten. Bei Tische waren die drei Leute stille. Als sie aber gegessen hatten, ftagte die alte Frau — Vögele Marx wollen wir sie nennen: „Haben Sie Ihren Vater und Mutter auch »och, Herr Lchrer?" Was war es. daß da auf einmal unserem Freunde die Lichter ganz anders, viel freundlicher brannten? Dafp ein heller Geist durchs Zimmer schritt, der ihm wohlthat, bis tief ins Herz hinein? Du bist fremd. In ftemdcr Umgebung fühlt sich Dein Herz vereinsammt; es hat Heimweh in der liebeleeren Umacbung. Aber mit den Zauberklängen „Vater^ Mutter" löst sich das Weh. Die Lippen, welche nach Deinem Vater, Deiner Mutter fragen, sie öffnen sich nicht, um leere, unnütze Redensarten mit Dir miszutauschen. Diese Frage kommt aus einem gutem Herzen, das menschlich fühlt, das nicht aleichgiltig ist für Anderer Freud und Leid. Und Herr Lchfcld erzählte von semem Vater, der in diesem Jahre, alt und lcbenssatt, nach langem Leiden gestorben, von seiner Mutter, die in seinem Geburtsotte allein ein ärmliches Leben fristete und der er bald eine Stütze zu scm hoffte, die in ihren alten Tagen glücklich zu machen seine schönste Hoffnung sei, - war, hätte er bald mit einem Seufzer hinzugefügt. Er erzählte von den Sorgen und Kümmernissen, von Mangel und Entbehrungen «ährend seiner Vorbereitung zum Lehramte. Während er so sprach, waren still und unbcmertt zwei Mädchen eingettcten, — sie begrüßten die Tante und- Marx sprang auf: „Jocl's Fanny, Herr Lehrer" sprach er, indem er ein kräftiges, bübsches Mädchen bei den Hand nahm, und ihm vorsührte. „Cie wiffen, Herr Lehrer!" Herr Lehfeld reichte ihr ruhig die Hand. Und die andere, die „Gut Schabbes, Tante" fast flüsternd sagte und ihr Haupt neigte, um als Sabbatgruß den Segen der Tante zn empfangen? — Wir werden viel von ihr zu erzählen haben. (Fortsetzung folgt.) «rrmitwertüwe Rebaclon und Bert»« von Joseph KliagenstetnzLrbrrr »u Ingelheim. Für de» Buchhondel i» Lommisfio» bei Cifit Leiner t» Leipiig- — Z. «ottsleben's Luchdiuckrrei in Molnz.

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