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Der israelitische Lehrer · 1871-12-13 · 50 (13.12.1871) · p. Seite 322

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
50 (13.12.1871)
Date
1871-12-13
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 Jovis, der bei der Theilung „der Welt" vergessen wurde? Wem anders, als dem armen, vergessenen Volksschullehrcr, der da still und geräuschlos zwischen vier Wänden wirkt und wie Th. Körners „verlorene Schildwache" ganz übersehen, wird! Oder find ihm bei seinem pflichtschmcren Berufe auch Rechte geworden? Darf er seinen Stand selbst beaufsichtigen? Hat der Erzieher denn auch nur in Einem Kollegium eine berathende Stimme? Schwankt die Schule nicht zwischen Gemeinde, Kirche und Staat daher, muß also drei Herren dienen? Nicht einmal einem lukrativern, bequeniern Lebeuslause darf er sich jetzt mehr widmen. Er ist rechtlos. Es geht ihm jede Qualität nach Qben ab, sein Wohl und Wehe ist in die Hände eines andeni Standes gelegt, er ist unter Kuratel gestellt, muß von den Gnadcnblicken anderer Stände zehren. Seine Bildung, sein ganzes Thun und Leben in und außer seiner Schule wird ängstlich beaufsichtigt, sein Lehr- Pensum wird ihm vorgeschricben :c. Er ist mit einem Worte als unmündig, unselbstständig, rechtlos erklärt und darum fehlt ihm die nöthigc Achtung, mit welcher doch feine erziehliche Einwirkung in genauer Proportion steht. Ist ihm auch kein Recht vergönnt, so hat er doch genügende Entschädigung in seiner dankbaren Stellung. Ja er hat, wie der Poet, Theil an Lust, Licht und Sonncnwärme, an Berg und Thal, an Arbeit und abgchofsten Hoffnungen. Wem fiele da nicht W. Müllers Epigramm ein: „Sag, wer wird in unserm Lande baß besoldet und geehrt, Einer, welcher Pferdefüße oder Menschcnköpfe lehrt?" Doch der Poet hat während der Theilung im Lande der Träume sich verweilet. Nicht so der Lehrerstand! Bei jeder Gelegenheit hat er cS nicht versäumt, seine beklagenSweNhen Zustände Zeus im rechten Lichte zu zeigen. Arbeit und Lohn müffen in ein richtiges Berhältniß gesetzt sein, um die tüchtigen Lehrkräfte in entsprechender Zahl und Güte zu erlangen, das Schulwesen dadurch cmporzuheben und viele Mißstände zu beseitigen. Die ökonomische Roth der Lehrer muß, um der Gerechtigkeit, um des Volkes und der Schule willen beseitigt werden. Warum will man dm Lehrerstand allein von dem Genüsse der Früchte der Zeitentivickelung auSschlie« ßcn, ihn, der durch dm Beitrag seiner Kräfte sie Hervorbringen und zeitigm half? Der große Haufe sieht, wie der Erdbewohner am,Monde, stets di» ihm zugekehrte erleuchtete Seite unseres Standes, und die Stimmführer wollen die tiefm Schlagschatten nicht sehm, die die Seele des Erziehers umdämmern und keine hoffnungsreichm Knospen und Blüthm im Frühlingsgarten der Schule aufquellm lassen. ES fehlt die Wännemtwicklung unss somit das Leben, die Frische, der frohe Geist in der Erziehungswcrkstätte. Zwar wurde uns wieder einmal von hoher Hand ein Strohhalm der Hoffnung gereicht, an den wir uns eine Zeitlang anklammern müssen; aber mit stetem Hoffm und Harrm rc. i.. Die Natur feiert Frühling, der deutsche Bölkcrfrühling bricht herein, nur der Lehrerstand lebt ewig auf der Winterseite des Lebens. Man hat schon beliebt, ihm eine Anweisung auf das Jmseits auszustcllen, ihm Milch und Honig in den Hoffnungshächen der Zukunft zu zeigen. Versprechungen sind allerdings das Wohlfeilste, womit man Jemand abspeisen kann. Doch wir verlangm keinm Trost, wir verlangen Beistand. Klingt es nicht wie Spott, wmn dm Lehrem von Lcutm, welche die Annehmlichkeiten dieses Leben» täglich kosten, zugemuthet wird, sich durch eine Welt voll Entsagungen und Entbehrungen zu schlagen, um einstens als Steme am Himmel zu lmchten? Wollen denn die andem wirklich, trotz ihrer Rechte, keinm Platz in Abrahams Schooß, nicht sitzen an den Tischen, da Abraham, Isaak und Jakob sitzm? Darum lassm wir uns nicht wie unser Poet berauschen von Himmelsharmonim, sondem tragm wie immer und immer wieder unsere Roth vor, damit man endlich unsere Noth- und Brotschreie erhöre und uns eine zeitgemäße Stellung und eine sorgenfreie Lage gewähre. Auch dann noch wird uns hoffmtlich, wenn wir die Vorbedingungen erfüllm, von unfcrm väterlichen Richter der Bescheid werdm: „So ost du kannst, er (der Himmel) soll dir offen sein. Pfalz. Schulbl.

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