Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 48 (29.11.1871)
- Date
- 1871-11-29
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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315 wtb zwar mit offenen Augen und Ohren und sich so gebildet haben, daß sie ihren Leuten ein Vorbild abgeben können; um so mehr wenn sie Achtung und Würde von ihren Untergebenen beanspruchen wollen. So verhält es sich in noch weit höherm Grade beim Lehrer und Erzieher (der doch, man verzeihe, mehr als ein Handwerker sein soll, denn er bildet und unterrichtet ja unsterbliche Wesen im Weinberg« des Herrn Zebaoth!) Und sollte derselbe ebenfalls die Gegenstände gründlich verstehen, die in einer guten Volksschule gelehrt werden sollen. Da aber wiederum, um mit dem „Apostel" zu reden, „der Buchstabe tödtet, der Geist cs aber ist, welcher lebendig macht," so ist'» mit dem bloßen mechanischen Wissen solcher Schulgegcnstände beim Lehrer nicht abgcthan; denn hier kommt es weit mehr auf da» Lehren an. auf das sogenannte-„donum didacticum,“ wie der Lateiner sagt, oder auf das -ip’y Emen «S rrcryon «Sn des Hebräers — und dazu ist vor allen Dingen nothwcndig, daß der Lehrer über dem Schüler stehe hinsichtlich seines Wissens und Können» sowohl, als auch seiner praktischen Befähigung: daß er gelernt habe, die Wissenschaft zu verwerthen und dieselbe seinen Schülern ihrer Fassungsgabe gemäß mundgerechtzu machen; — Pädagogik, Didaktik und Katechetik; — daß er wisse die Religion zu verwerthen und dieselbe so vorzutragen, daß sie den Schülern nicht als ein Joch, dessett man sich früher oder später zu entledigen trachtet, sondern als etwa« Herrliches, als einen Lebensbalsam, „der alles deckt, alles glaubt, alles hofft und alles duldet," wie Herder sagt, erscheinet — Bibelkunde, iSrael. Geschichte und Alterthumskunde; — daß er sich zu belehren sucht über die Erde und ihre Bewohner, übeL da» so herrliche Firmament und seine Wunder — Erdbeschreibung und Astronomie; — daß er zu beurtheilcn lerne die Schönheiten irgend eines Gedichtes oder einer prosaischen Erzählung — Literatur; — daß er seine Schüler zur Bewunderung Gottes, schöner Natur und ihrer herrlichen Schätze hinreiße — Zoologie, Botanik, Mineralogie und endlich zeige, was der Mensch vermöge und leisten kann, wenn er nur seine Fähigkeiten anzuwenden verstehe — Geschichte, Physik und Mechanik; — und schließlich, damit er lerne, die im Kinde schlummernden Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte ausrubeuten — durch Anschauung, Psychologie und Physiologie u. s. w. Wenn daher der Lehrer so sich gebildet, wenn er so sich gcsättiget am Borne der Wissenschaft, dann, aber auch nur dann wird er mit Vergnügen unterrichten können und wird seine Arbeit eine philosophische werden, wie ich dieses in Nr. 23. 24. 25. 26. 27. und 28. dieses geschätzten Blattes uachzuweisen versucht habe und mit Erlaubniß der geehrten Redaction noch weiter versuchen werde. (Schluß folgt.) o ch e n b e ri ch t.! Aus Baieru. Die Progamme der bayerischen i Realschulen weisen nirgends die Ertheilung de» jü- J dischcn Religionsunterrichts nach. Wo ist da die j Gleichberechtigung? Wien, 9. Rov. Die hiesige Gemeinde feierte heut« den 80: Geburtstag ihres emeritirten Religionslehrers in solenner Weise. Also enleritirt, — und dennoch! Ehre für den Lehrer und die Gemeinde. * | Aus Ungarn. Während für "bie nothleidenden j Lehrer und Lehrerfamilien Vereine gebildet und i Collekten abgcbalten werden, berichten die Blatter ' von der erbarmungslosen Entlassung eines alt gewordenen, aber bis zum letzten Tage seines Dien« > sie» treuen und tüchtigen' LehrcS — ohne Pension,; ohne Vermögen. Wo ist da Gerechtigkeit, wo Liebe? > Ohne diese ist das jüdisch-religiöse Gemeinwesen zwecklos, ein Unding, des Namens unwürdig, den es trägt, der Opfer nicht werth, die eS kostet. Und doch stehen derartige Fälle nicht vereinzelt da. Merrmlchts. Ober-Ingelheim, den 24. Nov. 1871. Im Perlage von I. Bensheimer in Mannheim ist erschienen: Lehrna» Lesebuch fter englischen Sprache, nach der Anschauungsmethode mit Bildern bearbeitet von I. & M. Lehmann, Vorsteber einer Knaben-Erziehungsanstalt zu Nürnberg. I. Stufe: Tie direkte Anschauung mit dem Motto: Nihil est intellectu quod non fuerit in sensu. Den geehrten Leiern ist wobt noch unsere ausführliche Besprechung deS französischen Lehrbuches der geehrten Herrn Verfasser erinnerlich. Wir sagten damals und wiederholen heute: die Lehmann'sch« Methode des Unterrichts in den fremden Sprachen ist die Methode^- der Zukunst. Sie wird alle anderen Methoden überwinden, sobald die Lehrer die Energie und die Sprachfertigkeit erlangt haben, die dazu erforderlich ist Sie gründet sich auf die Anschauuugsmethode. Sie zeigt den Bindern die Gegenstände, benennt und bespricht sie in der betreffenden Sprache. So lernen die Kinder die fremde Sprache sprechen, in derselben sich aussprechen und — denken. Das französische Lehrbuch, obwohl theuer und deshalb mit Hinderniffen aller Art kämpfend, die nicht überall zu überwinden sein mögen, ist in der ersten Auflage bereits vergriffen. Wir