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Der israelitische Lehrer · 1871-11-29 · 48 (29.11.1871) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
48 (29.11.1871)
Date
1871-11-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Der Israelitische Lehrer. Wochtnlthrift für die Angtlrgtnhnttn brs israclitiftjjfn LrhrrrÜflndts. Organ für deu Vcrcin „Achawa" & dc» deutsch-isr. Lchrcrvcrrin. Jl?. 48. _ Den 28. November 187 t. 11. Jahrgang. Wöchentlich l Nummer. VierteljShrli.t'er AbenncmcntöprcisSL kr. — 7> 2 Sgr., zusammen mit dem Lnnodalblatt 14>/z Zar. — k>0 kr. Anzeige» ni I §gr. die Petitzüle. Bestellungen nelimen alle Postämter und Buchhand imgcn an. Inhalt: tcitartikd: Welche Anforderungen sind a» einen isr. Lehrer zu stellen? Ulochenbcricht: 'Bayern, Wie», Ungarn. Literarisches: Lehmann. — Riedel. — Andre. - - Gurke. — Dorncr. — Fischer. — Hirsch Joseph. — Hent'chel. — Anzeigen. — Welche Anforderungen 6nd NN einen isrnelitiochen ^ehrrr Zu Üeilen? Motto: „C, glaube nicht, daft du nicht seiest miraewblel; Zit Lseltzabl i(i nicht voll, trenn deine jUfier ietzlet"; Tie grcße Üs?rit ist zwar auch odne dich gemacht, Allein du selber bist in Rechnung mttgedrachl. - Gerechnet ist auf dich in jeder LSeife, Tein kleiner Ring greiit ei»t in jene gröst're Preise; Pom Mangelhaften will, vom Ungerechten, Posen. Die igelt erlöset sein — und du sollst sie erlösen— Kann wohl bcr so sehr schöne und geistig-erhabene, aber auch wiederum der so sehr schwere ansopfernde und undankbare Berus eines jüdischen Lehrers und Erziehers schöner Und herrlicher bezeichnet werden, als in den obenangcführtcn Worten des Dichters? — Wie herrlich! Der Lehrer und Erzieher der Jugend soll mit erlösen an der Welt; er soll mitzubekämpfen suchen deren Mangelhaftes, Ungerechtes und Böses; sein kleiner Ring soll eingreisen in jene höhere Kreise, die man den Mikrokosmos, die Gemeinde, die Schule und das Leben nennet! Wahrlich! der Lehrcrberuf ist kein Dilletantenplaisir, sondern ein sehr hehrer, wichtiger und schwerer Stand. Mannigfach und groß sind die Anforderungen und Ansprüche, die an ihn gestellt werden ,— und das mit vollem Rechte; denn, um mit dem großen Reformator Luther zu reden, ist „das Schulmeisteramt das allernützlichste, größeste und beste Werk" und ist nach seinen Worten „noch nicht evident bewiesen, ob Schul- oder Prcdigtamt das Beste fei." Bevor wir nun zur Beantwortung obiger Krage fp.ciell schreiten, sei cs uns vergönnt, einige Worte mehr,, rer Pädagogen über den Lehrer im Allgemeinen hier anzüsilhren. 9ind) Pestalozzi „liegt die Welt uns als ein in einander fließendes Meer verwirrter Anschauungen vor Augen; die Cache des Lehrers und Erziehers ist cs nun, daß er die Verwirrung, welche in dieser Anschauung liegt, aufhcbe, die Gegenstände unter sich sondere, die ähnlichen und zusammengehörigen in ihrer Vorstellung wieder vereinige, sic alle in uns zu deutlichen Begriffen erhebe. Und dieses thut er, indem er uns diese vereinzelten Anschauungen in verschiedenen wandelbaren Zuständen ' vor Augen stellt, uns die in einander fließenden, verwirrten Anschauungeiz einzeln vergegenwärtigt ■ und endlich dieselben mit dem ganzen Kreise unseres Wissens in Verbindung bringt." — Rach Herbart „ist ihm Kcnntniß des geistigen Lebens und Anleitung zur Beobachtung desselben unerläßlich, da er sich fortwährend mit des Schillers Geiste. beschäftiget und Einfluß auf ihn zu 'gewinnen suchet." — Rach Körner „hat der Erzieher die Aufgabe, die Schüler geistig und leiblich stark und selbstständig zu machen; ihnen Muth, Entschlossenheit, Interesse für "das Allgemeine und Ueberzeugung aus Gründen cinznflösen." — „Er verkenne nicht, daß er nur entwickeln, nichts aber schaffen kann, was nicht vorhanden ist" — sagt Gräfe. Endlich besteht nach Hegel „die Kunst des Lehrers und Erziehers darin, den Menschen sittlich, gut und moralisch zu machen" rc. :c. Um nun auf obige Frage - zurückzukommen und um dieselbe gehörig beantworten zu können, . müffcn wir den Lehrer zunächst betrachten 1) hin- , sichtlich seines Charakters und feiner Religiösität,! 2) seiner Bildung, 3) seiner Stellung zur Schule,! 4) zur Gemeinde und 5) zum Leben. /

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