Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 47 (22.11.1871)
- Date
- 1871-11-22
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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311 i düng zu erweitern und damit ihre pädagogische Leistungsfähigkeit zu steigern. t)!nr wenn dieser letzte und höchste Zweck jeder Gehaltsaufbesserung ins Auge gefaßt und mit der Hochsinnigkeit, wie es gebildeten und ihre Zeit verstehende n Gemeinde Vertretern allein geziemt, verwirklicht wird, dann erst dürfen wir eine Volksbildung erwarten, wie sie die großen Bewegungen und Bestrebungen der Gegenwart nothwendig machen, eine Volksbildung, für die — nach unserer innersten Ueberzeugung — einzig und allein die Gemeinde Berlin Schulen gründet und erhält, Lehrer beruft und besoldet." Literarisches Gottesdienstlicher Gesang. er* .ir' 77. Ein- und zw ei st im mige Gestänge für den iSr. Gottesdienst, componirt und herausgegeben von L. Lewandowski, Kgl. Preuß. Musikdirec tor und Dirigent d.er Synagogenchöre in der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zkicht nur für die Städte, sondern auch für die Dorfgemeinden scheint in jetziger Zeit das Bedünniß gereift zu sein, den Gottesdienst durch Ehorgesang zu veredeln und in würdigte Bahnen zu lenken. Analog den weltlichen Gesangvereinen, die beinahe in jedem Dorfe bestehen und in 4 Stimmen sich theilen, suchte man auch in den andern Synagogen einen solch vierstimmigen Chor herzustellen. Dem aufmerksamen Beobachter jedoch wird gewiß die Wahrnehmung nicht entgangen sein, daß in vielen Gemeinden für die Folge diese Zusammensetzung sehr schwer, mitunter schädlich und mit der Zeit unausführbar sich erwiesen hat. Schwer ist die Sache dadurch, daß der Cantor auf dem Lande als solcher nicht auch zugleich Dirigent des Chores während des Gottesdienstes sein kann. Etn musikalisches Instrument ist in den meisten Gemeinden als bester Führer beim Gesänge nicht vorhanden und die Sänger sind nieistens nicht io geübt, daß sie sogleich ohne Leitung den notdwendigen Ton finden; überhaupt ist ein Dirigent hierbei unentbehrlich. In Städten natürlich, die mit ihren Mitteln nicht zu geizen haben, kann diesem Uebelstande leicht abgeholfen werden; da man sich ein Instrument, oder wenn man dies aus religiösen Gründen für unstatthaft hält. Zeinen Dirigenten leicht verschaffen kann. Auf dem •y Lande hingegen ist beides sehr schwer, da meistens zum Spielen des Instruments, sowie zum Leiten des Chores nur die christlichen Lehrer sich eignen und diese gerade in der Zeit, in welcher, man sie zum Gottesdienste benutzen wollte, in der Schule beschäftigt sind. Zsi der Chor ein gemischter, so bietet auch dieser große Schwiengkeiten. Ist ein Feiertag, an welchem inan doch gewiß den Gottesdienst dur^ Chorgesang verschönert sehen wollte, so möchten die Frauen auch demselben anivohnen und deßhalb müssen öfters die Töchter zur Leistung der Küche rc. rc. zu Hause bleiben. Gewöhnlich verheirathen sich ainh die Töchter in andern Städte und Dörfer und so entstehen dnrch beide Fälle für den Chor Lücken, die oft sehr schwer anszufüllen sind. Selbst aber angenommen. daß ich mit der eben anssprocheiten Ansicht' allein stehen würde, was jedoch nicht der Fall sein wird, da sie das Resultat praktischer Erfahrung ist, so zeigt sich ein vierstimmiger Chor in Dorfgemeinden, die man auch hier nur im Auge hat, dennoch nicht ganz seinem Zwecke entsprechend, da er die Genieiude, wie Herr Lewandowski mit Recht in seiner Vorrede sagt, „zum Schweigen verdammt.;tn und 7.1p waren von jeher die unentbehrlichen Factoren des Gottesdienstes und, letzteres darf sein angewiesenes Recht nicht veräußern. Es muß daher darauf hingewrckt werden, die Gemeinde nicht in eine Schablone zu zwingen, sondern sie zu beschäftigen, und nichl zu einem füllen Zuschauer zu machen. Alles dies berücksichtigt das Lewandowski'iche Werk. Tie Gesänge find zweisllinmig. haben einen mäßigen Umfang und bestehen aus recht gefälligen Melodien.' Der Ton ist für zioei Stimmen leicht zu finden und ist die Anzahl der Sänger auch noch so bescheiden, so ist die Ausführung dennoch nicht schwer. Auch die Gemeinde ist ii> oft betheillgt und ist das, was für dieselbe bestimmt ist, leicht faßlich. Der. Herr Componisi setzt seinem trefflichen Werke noch besonders die Krone auf durch dte erhabenen und gediegenen Rccitationen für den Vorsänger. Sie allein verdienen es, Meisierwerke genannt zu werden und Herr L. hat Recht, wenn er es den Herrn Cantvren warm ans Herz legt, doch ja die Piecen jo einzuüben, wie er es empfinden und niedergejchriebcn hat; denn die geringste Veränderung wäre hier Entiveihung. Zu wün'chen wäre, daß bei einer später» Auflage Herr V. neu» einen für ~uv beifügen werde, da sich ein nlä r in vorliegendem Werke nicht findet 1 ad von r .>,„einden an genannten Abendeir als Hauplgefa'.ig heilig gel,alten wird. Wird das Weck von vielen Geuieiudeit benutzt, was es im höchsten Grade verdient, dann wird die Zeit nicht mehr ferne sein, in welcher wir einein einheitlichen gottesdienstlichen Gesang in allen Syna,zogen begegnen werden. Grötzingen, im Rovember. S Rothschild. 1