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Der israelitische Lehrer · 1871-11-08 · 45 (8.11.1871) · p. Seite 303

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
45 (8.11.1871)
Date
1871-11-08
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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303 durchdachte Ordnung, mit Rückblick und Vorausblick organisch zu einer höher» Einheit verbunden sein. Alles mutz inemandergreifeu. Eines durch daS Andere gedeihen und reifen. (Fortsetzung folgt.) Die nngarilch-jüdische ^landes-Lehrerverfammkuug. (4iach der unz.-jüd. Wochenschrift.) Nach einer am 2. b. M. des Abends abgehaltenen Borversammlung, welche sich mit Feststellung der Tages- und Geschäftsordnung beschäftigte, wurde die ungarisch-jüdifthe Landes-Lehrerversammlung am 2 d. M. Vormittags 9 Uhr im großen Prüfungssaale der Gemeindeschule, feierlich eröffnet. Herr Oberkantor Friedmann trug mit seinem Männerquartettt den eigens;u dieser Veranlassung komponirten 121. Psalm recht wirkungsvoll vor, worauf Hr. Schulvorsteher Holitscher und Hr. Dirigent Seligmann die Versammelten begrüßten und Hr. Dr. Kohn eine kurze Eröffnungsrede hielt, worauf sodann die Verhandlungen begannen. Die durch 3 Tage fortgesetzten Verhandlungen hatten einen zweifachen Zweck: zunächst die Lösung allgemein pädagogischer Fragen; sodann aber die Besprechung der speziellen Interessen des „ung.jud. Landeslehrervereins", Die Anzahl der Theilnehmer war eine verhältnitzinätzig sehr geringe. Bon auswärts waren ungefähr 45 Lehrer erschienen. Es war dies allerdings eilte unerfreuliche Erscheinung; aber keineswegs eilte überraschende, und viel weniger eine entmtithigende, Sie ist offenbar auf folgende zwei Ursachen zurückzuführcn. Die innern Angelegenheiten des „ungar.-jüd. Landes- Lehrervercins" waren mit als Gegenstand der Berathungen aufgestellt. Dieser Verein aber, wie er bis j jetzt bestand — wir können cs nun, da er ein anderer i geworden, offen sagen — hatte sich in Lehrerkreisen nur I einer sehr geringen Theilnahme zu erfreuen, weil er bis jetzt nur sehr geringe Erfolge zu verzeichnen hatte, was! bet den Voraussetzungen, von denen bei seiner Grün- : düng ausgegangen wurde, auch ganz natürlich war. Die Stimmung war offenbar mehr dafür, sich vout Vereine zurückzuziehen, als sich ihm anzuschlietzen und nir ihn vielleicht gar Opfer an Zeit und Geld zu bringen. ' ....... Ein anderer Umstand, an sich recht erfreulich, mutzte ähnlich, aber wo möglich noch störender wirken. Die jüdischen Lchrer Ungarns haben sich an beit; in den verschiedenen Gegenden deS Vaterlandes abgehaltenen allgemeinen Lehrertagen mit lebhaftem regen Jnte- I reffe betheiligt; sie haben dort die wichtigsten pädagogischen Fragen mit discutirt tind ihre Ansichten mit den Lehrern deS ganzen Landes, denen sich oft auch > ausländische Lehreraukoritäten angeschloffen hatten, ausgetauscht. Ein ähnlicher, aber ungleich engerer Kreis von Lehrern konnte unter solchen Umständen ' auf den jüdischen Lehrer eine verhältnitzmätzig nur geringe Anziehungskraft ausüben; eine um so geringere, als er sich in diesem Jahre bereits an zwei, vtelleicht gar drei oder mehreren Lehrertagen eiftig betheiligt hatte. Daß aber selbst das spezifisch jüdische Dtoment eines jüdischen Lchrettagcs nur so wenig Zugkraft ausübte, lag an einem eigeitthümlicheit Umstande, auf den uns gleich die Behandlung des ersten Gegenstandes, der auf die Tagesordnung gesetzt war, aufmerksam machen niutztc. Es ist dies die Frage: Sind die Schulbücher, die gegenwärtig in den jüdischen Schulen benützt werden, zweckmätzig oder nicht? Der Referent, Yen S. Singer, Lchrer an der jüd. Normalhauptschulc zu Pest, sprach sich dahin aus, datz die gegenwärtig in den jüd. Schulen benutzten Lehrbücher den spezifisch jüdischen Interesse» entweder gar nicht, oder nur in viel zu geringem Matze Rechnung tragen. Einige Redner, die nach ihm das Wort ergriffen, stellten sich wohl auf den von ihm eingenontmenen Standpunkt, indem sie, vom Standpunkte der jüd.-konfessioncllen Schule auS, die .dort benützte» Lehrbücher mehr oder minder stark bemängelteu: die ungleich größere Majorität aber sprach sich mit Entschiedenheit dahin aus, daß die jüdische Volksschule gar keine besonder» jüdischen Schulbücher benöthige; sie wollte die jüdische Volksschule — natürlich mit Ausnahme der spezifisch jüdischen Lehrgegenstände — als Simultan schule betrachtet und behandelt wissen. Ans der Discussion dieses Thentas ging hervor, datz die Anwesenden im Ganzen und Großen das Princip der konset'sionslosen Schule als das richtige anerkeunen. (Schluß folgt.« Wochenbericht. Berlin, 3. Nov. Die Zeitungett berichten von einer Berufung Leopold Löw's zum Direktor der projektirten jüdischen Hochschule. Wenn auch daran gedacht worden ist, Low an diese Anstalt zu beni'en. so ist doch diese Sache noch lange nicht zum Abschluß gediehen, abgesehen davon, daß überhaupt von der Berufung eines Direktors nicht die Rede sein kann. Man sucht Prosefforen, und hoffentlich wird man solche finden. Datz es allerdings wohl wenig geeignetere, d. i. gelehrtere gibt, als Löw, brauchen wir nicht zu sagen.

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