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Der israelitische Lehrer · 1871-08-23 · 34 (23.8.1871) · p. Seite 258

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
34 (23.8.1871)
Date
1871-08-23
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 oilrid Notiz n «inen Strauß der woilrichendsten und entzückendsten Blumen zum bleibenden Andenken überreicht. Wie aber ein Blumenstrauß unendlich verliert, wenn den schönen Blumen auch mehrere Exemplare unschöner beigcmischt find, obi r wenn die einzelnm Blumen, bevor sie gebunden, ni ht kunstgereckt geordnet sind; in demselb-Maße verli;ren auch die Excerpte, wenn sie in ihr Bereich Nebensachen, Dinge von untergeordneter Bedeutung hereinzithm, oder wenn die einzelnen Notizen nicht logisch richtig fan einander gereiht und systematisch geordnet sind. — Sehr wird «S zu empfehlen sein, wenn map für die einzelnen Wissenschaften besondere Excertpesiheste anlegt, damit durch daS Mannichfaltige keine Verwirrung entstehe. Sollen aber die Excerpte «ine nachhaltige Wirkung Hervorbringen, so wird eS »othwendig sein, daß man von Zeit zu Zeit, besonders in Musestunden, die gesammeltm geistigen Schätze durchmustert, um sie dem Geiste wieder vorzuführen und weitere Besprechung mit sich nnd Andern darüber zu lpflegen. Nicht selten geben sie alsdann bei der wiederholten Durchsicht und Einprigung wieder Stoff zu nruchl Betrachtungen, und der beinahe verwelkte Blumenstrauß entfaltet wieder durch die sorgfältige Pflege einej Fülle von Farbenpracht und Wohlgeruch. Aberf so, könnte Einer oder der Andere sagen: „Was nützt es, wenn man seiner Arbeit die Aussprüche Ariderer einfügt? AuS sich selbst muß man Alles schöpfen!" Das wäre sehr thiricht. Die bedeutendsten Mmner aller Nationen haben dm geistigen Reichthum der Bor- und Mittwelt benützt, um sich über ihre Zeit zu Erheben. Woher habm ein Shakespeare, ein Schiller, ein Göthe den Stoff zu ihrm herrlichen Dichtungen entnommen? Haben sie ihn immer aus dem Schachte ihres eigenen Geistes herauSgefördert? Waren ereigniffe, besondere Vcranlaffu die ihnen den Stoff zur weitern Ein Ariderer findet vielleicht da langweilig; er sieht sich in seiner dem Verlaufe der Handlung nur Das Gleiche vernehmm wir auch lost von solchen, die fremde Sprachen studiren. Wie .ivird da das Nachschlagen in dm betreffenden Wörterbüchern als zeitraubend, störend verpönt! ES ist nicht zu leugnm, daß daß das Excerpirm immerhin mit einiger Mühe verbunden ist; doch wer gäbe uns den Weg an, der zum Ziele führt, ohne dabei auf Hindernisse zu stoßm? Nur gar zu oft fährt man mit dmr Kahne des ForschenS auf dem bewegten Meere dpr Ideen dahin, alle mögliche Richtungen einschlagend, j um das Land der Schätze zu erreichen. Man sinnt nach und rudert, sinnt wieder und rudert von Neuem; aber das Land will sich nicht zeigen. Schon will dem Steuermann das Ruder entfallen; da lichtet sich'» im dunkeln nicht oft Tagesen, Ueberfetzungen, earbeitung gaben? Excerpire höchst ectüre gestört, kann mit Mühe folgen. Grunde. Noch ist es nicht Tag, noch umgeben dunkle Schatten das gesuchte Land. Aber der muthige Kapitän wankt nicht, und siehe, das Land ist nach mühsamen Fahrten gefunden. Ich schließe mein Thema mit den Worten Disterweg'S: „Zu den Höhen der Menschheit führt keine glatte Spiegelfläche, auf der man träumend, phantasirend und dichtend hinankommen könnte, sondern die Höhen wollen mit Anstrengung allmählig erstiegen sein. — Selbst den Heroen unseres GefchlecktS ist dies nicht leicht geworden. Ein Lessing z. B. befferte stundm- und tagelang an einem kleinen Aufsatze, und Göthe versichert, an einem Gedicht von kleinem Umfange oft mehr als einen ganzen Tag gefeilt und im Laufe feines langen Lebens nie 4 Wochen gerastet zu haben. Um so mehr gilt uns kleinen Geistern die Mahnung, munter und wach zu sein, damit wir uns, so lange es für uns tagt, über die breite Fläche, auf der ein großer Theil unseres Geschlechts graset, zu lichteren Höhen erheben." Wochenbericht. Aus Hessen. Wenn cs in unserer materiellen Zeit schon an und für sich zu den Seltenheiten gehört, daß man dem Lehrcrstande Beachtung schenkt, wenn cs bisher zu den seltensten Ausnahmen zählt, daß inan geneigt ist, auch dein jüdischen Lehrer einmal Lichtstrahlen bereiten zu wollen gegenüber der immerwährenden Dunkelheit seines Lebens, io ist es wohl nicht mehr als selbstverständlich, daß die Spalten Ihrer Zeitschrift — als isr. Lehrerorgan — sich bereitwillig öffnen, um den Bericht von der Feier eines Lehrerfestes aufzunehmen. Am 3. August waren es fünfzig Jahre, seitdem Herr I. Gutkind zu Ziercnbcrg sein mühevolles, folgenreiches Amt als Lehrer (Elementar- und Religionslchrcr, Vorsänger und Schächter) mit allseitig anerkannter Berufstreue führte. Freilich waren es mancherlei Motive, die schon lange Monate voraus mitwirktcn, das Fest nicht nur für den engen Kreis der Familie, oder etwa nur der Lehrer, der Classe, nein! es zu einem der seltensten Feste für die Gemeinde und die zahlreichen Schüler und alle Festtheilnehmer werden zu laffen. Daß das aus dankbaren früheren Schülern, und jetzt tüchtigen Gemeindeglicdern sich gebildete Fest- Comite mit dem trefflichen Arrangement des Festes allerdings sich selbst geehrt, bedarf keiner weiteren Erörterung. Es gewährte daher mchr als einen wohlthucnden Eindruck, nicht nur die Wohnung des Jubilars, die Synagoge, den Feftsaal.

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