Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 34 (23.8.1871)
- Date
- 1871-08-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KiMlilisclie Jelrrer. Wochenschrift für die Angelegenheiten des israel Lehrerstandes. Organ für den Verein „Achawa." 34. Den SS. August 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Xtnmntr Vierteljährlicher »bominnmt «preis 40 fr. 11V2 Egr. Sn,eigen ju 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Sind Krcerpte uotfiwendig und in welcher Ausdehnung /offen sie im Bejahungsfälle gemacht werdm? <Portrag, gehalten in der freien Lehrerconferenz zu Durlach am 29. Marz 1871. Von S- Rothschild, israel. Lehrer in Grötzingen. (Schluß.) Bei diesem Punkte finde ich besonder« Gelegenheit, eine Ansicht genauer auseinander zu setzen, die ich in der Enleitung nur kurz angedeutet habe. Ich bemerkte dort, daß man auch dem Votkeschüler in der Schule schon Anleitung geben müsse, Bücher oder Zeitschriften, die dem Volke gewidmet und in Folge dessen für da« Volk geschrieben, d. h. populär gefaßt find, später studiren zu können, und daß das Studiren der Bücher nicht nur Sache deö Gelehrlenflandes, sondern auch de« Bürgerstandes sein muß. Mögen auch die Prädikate „studiren" und „Bürger" für Manche gar sonderbar klingen, so erinnere'ich zur Erhärtung meiner Ansicht daran, daß in unserer vorigen Conferenz bei Gelegenheit der Besprechung über die Einführung des metrischen Maße« nnd Gewichtes ganz besonder« betont wurde, welche schwere Aufgabe ««den älteren Leuten sein wird, stch in das neue Maß einzuarbeiten. Wie viele Bücher sind in ganz kurzer Zeit schon über besprochenes Maß erschienen, von VolkSschullrhrern geschrieben, denen man im Allgemeinen einen populären Stil zugestehen darf! Sollte «» da nicht auch dem Bürger möglich sein, stch die notwendige Belehrung au« Büchern zu verschaffen? Ist auch diese soeben besprochene Art de« ExcerpirenS keine der leichtesten, da sie besonders großer und gewandter Uebung bedarf, so ist die oben angeführte zweite Art des ExcerpirenS um so leichter. Sie verlangt nur die Aufzeichnung der durch Inhalt und Form ausgezeichneten Stellen. Diesterweg, der große Heros auf pädagogischem Gebiete, dessen hinterlassene Werke in lichtem Glanze am pädagogischen Himmel auf unS herableuchten, auch er hat besonders dieser letzten Art de» ErcerpirenS eine besondere Abhandlung in seinem „Wegweiser" gewidmet. Mit der Feder in der Hand räth er unS zu lesen, wenn da» Gelesene mit dem rechten Erfolg begleitet sein soll. Und der große Meister hat gewiß Recht. Denn entnimmt man einem guten Buche gediegene Stellen, so bilden diese neue Gedanken, welche sich zu unfern früheren Gedanken gesellen und so ein Gedanken-Magazin bilden, da» unfern geistigen Gesichtskreis immer mehr erweitert. In den entnommenen Kernsprüchen, die oftmals trotz ihrer Kürze unendlich vielen Sinn enthalten, spiegelt sich zuweilen da» ganze Wesen deS Schriftstellers ab, sie zeigen unS das Abbild seines CharakerS, der uns alsdann als Muster vorschwebt und unS anspornt, auch unfern Charakter darnach zu bilden7 Nicht selten üben h«rrliche Stellen einen solchen Zander auf un» aus, daß wir uns schon durch wenige Worte zum Dichter unwillkürlich hingezogen fühlen; daß unS ein stilles Sehnen nach seinem Lebenslauf erfaßt, was alsdann zur Folge hat, daß wir uns mit seiner Biographie vertraut machen, die auf unsere eigene Lebens» richlung von entschiedenem Einflüsse sein kann. Da solche gesammelte Sprüche immer den Stempel vollendeter Schönheit, sowohl in Form al» Inhalt an sich tragen, bewirken sie auch, daß unsere sprachliche Darstellung an Schönheit und Richtigkeit gewinnt, die noch durch Anführung solch gewichtiger Stellen belebter und interessanter wird. Außerdem führen ste uns allmählig in dm großen und herrlichen ©arten derLiteratur ein, dessen Farbenpracht und Wohlgeruch un» so sehr erfreuen und der unS in den gesammelten