Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 33 (16.8.1871)
- Date
- 1871-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er Jsraelitüsd« Aelirer. Wochenschrift für die Angelegenheiten des israel. Lehrerstandeö. Organ für den Verein „Achawa." JVi 33. Den l«. August 1871 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Tienelj>:hrlicher Abonnemmt^vreiS 40 kr. — IIV2 Sgr. Anzeigen ju 1 Sgr. die Petitzeile Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Sind tzrcerpte nothwendig und in welcher Ausdehnung sollen lre im Bejahungsfälle gemacht werden i iVortrag, gehalten in der freien Lchrcrconfercnz zu Durlach am ^0. März 1871. Von S- Rothschild, Israel. Lehrer in kströtzingcn. Tic Aitfordeningeu, welche man in jetziger Zeit cm den einzelnen Menschen stellt, steigern sich mit jedem Tage. Man ist jetzt ans jenem Standpunkt angekommen. der die Menschheit lehrt, daß Kenntnisse nicht mehr der Besitz einzelner Kasten, eine Domaiue des Gelehrtenstandes sein sollen. sondern daß solche auch ans die Masse des Volkes übertragen werden müssen. Auch das Polt soll sich der Errungenschaft freuen, die Jiiit jedem Tage ans allen Gebieten 'menschlichen ForschenS und Wissens an den Tag treten und sic zu seinem Gemcingnte zu machen, suchen. Fragen wir nach dem Weg, der zu diesem wichtigen und hehren Ziele führt, so weist man uns den Weg zur Volksschule. Hier ist die Stätte. in welcher eine feste Stütze für den Stand geschaffen wird, der sich im Leben den „Bürgeyland" nennt, in dessen Hand m neuester Zeit die Lösung vieler Ausgaben gelegt wird; hier wird ein Geschlecht herangebildet, das bei wichtigen Zeitfragcn nicht erst die Aufklärung von Seiten „Gebildeter" holcir soll, sondern in Folge seiner eigenen Bildung und seiner Geistesentwickelung allein seinen Standpunkt zur Sache einzunchmcn wissen muß. Mögen auch manche gelehrte Herren lioch so gering von den Volksschullchrcrn und der Volksschule denken, es ist nur die Bescheidenheit und das Bewußtsein in einem hohen und wichtigen Berufe mitzuarbeiten, welche uns die stolzen, geringschätzenden Bucke mancher „Gebildeten" nicht bemerken läßt. Ja, die Schulen sind es und zwar die Gelehrtenschulen im Bcsondern und die Volksschule im Allgemeinen , in welchen durch den daselbst ertheilten Unterricht die Schüler befähigt werden sollen. ihre Stelle im Leben würdig auszufüllen. Jedoch soll in allen diesen Anstalten durch den Lehrer nur der Grundstein zu je-, nein wichtigen Gebäude gelegt werden, deffen Ausbau und Vollendung er dem Willen des erwachsenen Schülers im Vereine mit den gestaltenden Wirkungen des Lebens anheimzibt. Das beste Material nun zur Vervollkominnnng des menschlichen Geistes und zur Erreichung des gesteckten Zieles sind Bücher. Es bedarf kaum eines Nachweises, um ihren großen Nutzen festzuftellcn. Wir dürfen nur den Kulturzustand der Menschheit vor und nach der Erfindung der Buchdruckerkunst uns vergegenwärtigen, und der große Werth der Bücher ist zur Genüge erwiesen. Dieses hat auch die Menschheit erfaßt, und wir sehen sie daher sowohl-zur Belehrung als auch zurUnterhaltung zu Büchern ihre Zufiucht nehmen. Hierbei kommt es jedoch nicht auf die Masse der studirten und gelesenen Bücher an, sondern aus die Art und Weüe/- wie man den Inhalt derselben am besten znm Eigenkhiim seines Geistes gestalten könne. Nur wer Letzteres sich zur Aufgabe gemacht, kann von Nutzen, der ihm aus Büchern erwachsen, sprechen , und er wird gewiß nicht ermangeln, Mittel zu cninnen, die ihm zur Lösung seiner Ausgabe behilflich sind. Ein vorzügliches Mittel wird gewiß auch in der Anfertigung von Ercerptxn zu.erblicken sein. Der Begriff Ercerpt schließt zwei wichtige Moniente in sich. Das erste Moment umfaßt den kurzen Auszug des Gedankengangs eines Buches und das zweite die Aufzeichnung der durch Inhalt und Form ausgezeichneten, der eigene Individualität entsprechenden Stellen einer Schrift. — Nachdem ich so den Begriff von Excerpten festgestellt habe, gehe ich zum Nutzen derselben über. Wenn man die vielen dickleibigen, vielblättrigen Bücher in's Auge faßt, die der studirenden Klaffe in