Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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b 247 — für den Gememdetag Herrn Gemeinde-Vorstcher Moritz Kohner dahier: „Es gereicht uns zu besonderem Bergnügen, Ihnen erklären zu können, daß die hiesige Gemeinde dem Gemeindebund beitritt und pro 1871 für den Fall' des Bedürsens l°/o der dirccten Gemeindeumlage dem Bunde zur Verfügung, zu stellen bereit ist. „Zur Erklärung unseres Beitrittes hat uns wesentlich die Aussicht veranlaßt, daß allseitige Betheiligung der aus verschiedenem religiösen Standpuntte sichenden Gemeinden nicht ausbleiben wird, wenn Sic aus denk mühsam zu überschreitenden, aber allein richtigen Wege beharren und das Mißtrauen der religiösen Neuerungen Abgeneigten in der bereits angebahnten Weise beschwichtigen. „Je sicherer aber es ist, daß Sie noch mit vielen Hindernissen zu kämpfen habeir, bis Sie das Ziel erreichen, desto entschiedener tritt die Mahnung an Alle, denen cs um die heilige Sache Ernst ist, Ihr edles Strchen anzuerkennen. Ihnen Muth zuzurufen und «Sie der Unterstützung derer zu versichern, denen die Erreichung des vorgcsteckten Zieles als eine der höchsten Aufgaben unserer deutschen Glaubensgenossen erscheint. „Dieser Pflicht wollen wir anmit Nachkommen; wir erklären unser volles Einverständnih niit Ihren jüngsten in dieser Sache unternonimenen Schritten; wir sprechen Ihnen, verehrter Herr, insbesondere für Ihr Wirken unfern. Dank und unsere Anerkennung aus." Auch eine hier soeben im Eonumssionsverlag von Oskar Leiner erschienene Broschüre, „das Judenthum und seine Aufgabe im neuen deutschen Reich" plaidin beredt für den Beitritt zum Gemeindebunde. Dieselbe spricht hier allgemein an. Als Verfasser vennuthet man einen in Königlich Sächsischen Staatsdiensten stehenden jungen Juristen (Glaubensgenossen), der bereits durch eine Broschüre gegen Fritz Reuter seine wanne Theilnahme für das Iudenthuin bekundet hat. Aber noch fehlen viele zum Theil größere Gemeinden! Möchten auch diese sich endlich entschließen, dem Gemeindebunde beizutrcten und sich mit der bezüglichen Erklärung beeilen, daniit auch sie bei der hoffentlich schon zu Michaelis c. erfolgenden Constttuirung ihren Einfluß bei Entwerfung der Statuten u s. w. geltend machen können. Gilt es doch, eine Vereinigung zu schaffen, deren die herrliche Aufgabe harrt, io manche arge Uebelstände zu beseitigen, so manch bisher schwer vermißte Einrichtungen in's Leben zu rufen. Feuilleton. Der ägyptische Aieöstaht. Bekanntlich wurden die Juden schon in den Zeiten der römischen Kaiser und der ersten Christenversolgungen wegen des sogenannt« ägyptischen Diebstahls zur Verantwortung gezogen. Die allgemeine deutsche Lehrerzeitung, welche doch Bildung und Wahrheit repräsentiren sollte, setzt eine derartige Verleumdung bis auf den heutigen Tag fort. Das Christenthum hat aber von jeher sich nur dadurch zu erheben gesucht, daß es die Mutterreligion erniedrigte. Es ist blindes Kinderspiel, wenn das Christenthum das alte Testament verleugnet. ES beraubt sich dadurch seiner eignen Grundlage, ohne welche es haltlos in der Lust schwebt und von dem kleinsten Hauch wie ein Kartenhaus zusammenstürzt. Die erneuerte Anfeindung wurde auch in diesen Blättern besprochen, aber doch nur im Spaße abgethan. Der erneuerte Ansall zeigt aber, daß eS unseren Feinden Ernst ist. Treten wir ihnen darum auch mit Ernst entgegen. Der ganze Vorgang ist aus der historischen Situation zu erklären. Die Aegypter sahen sich durch daS längere Verweilen der Israeliten bedroht; sie fürchteten jeden Augenblick für ihr Leben. Die Israeliten säumten mit dem AuSzuge wegen des Zusammenpackens ihrer Habseligkeiten. Da zwangen ihnen die Aegypter ihre eigenen Geräthe auf und drängten sie zur Eile. Die Aegypter dachten weder an eine Rückgabe derselben, noch die Israeliten an einen Diebstahl. So erzählt es auch die Bibel. (Ex. 12, 35 und 36): Die Aegypter veranlaßten sie (die Israeliten) zu fordern (Di&ff'i) und so leerten sie Aegypten aus (idrtt'i). Aber die Schrift geht weiter und will der Mißdeutung und Verleumdung Vorbeugen. Sie stellt die Sache daher so dar, daß sie in der Absicht Gottes gelegen und von ihm ausgegangen und vorbereitet gewesen sei. „Gott gab dem Volke Gunst in den Augen der Aegypter„die Kinder Israel thaten nach dem B fehle Mosts". Darum nimmt auch die Schrift das historische Ereigniß (3, 21 und 22) antec'pirend auf und läßt den Vorgang dem MoseS im Voraus ankündigen. In dieser Weise sollte es für den klar sehenden und logisch denkenden Bibelerklärer unmöglich gemacht werden, daß auf Israel die Schuld eines Diebstahls last«. Denn der Gott der Gerechtigkeit, der den Diebstahl ausdrücklich verboten hat, kann ihn ausdrücklich nicht gestattet und provoeirt haben. Der Vorgang gehört mit zur Staffage des großen EreignisieS von der wunderbaren Errettung Israels und der verherrlichten GotleSmacht.