Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 29 (19.7.1871)
- Date
- 1871-07-19
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
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226 — *) Wir können dies noc > den Zug documenkiren, der ftrebungen ins Herz des 38 if Augsburg's wurde in der ein Söhnchen geboren. B> fchichtlicki denkivürdigen La. dieser sein Sohn „in Gott ervalrces 7— Thora lernen soll, damit in ihm die Erinst er das i'irfit der Welt erbli> durch einen eigenthümlich rübrenein Beweis ist, wie solche Belkes dringen. Einem Israeliten f die Eröffnung folgenden Nacht ejrrifrcrt durch die Weihe detz ges legte er das Gelübde ab, dah geweiht", dah er einstens — Gott dein Thorastudium sich widmen erung an den Tag. an welchem '^te. stets recht lebendig bleibe. - lern, Städten und Dörfern vorüberzieht, wenn man j da dir Menschen an ihrer Alltagsarbeit steht, so möchte man diesen zurnfen: Der allbelebmde Gedanke, ' aus dem Ihr Euch sättigt nach vollbrachter TageSarbeit, wird in seinem Fortschreiten unterstützt werden durch die Bewegung, die von dem Kreise ausgeht, dem ich mich anschließe, der die Förderung der erhabensten Ziele, nach welchen die Menschheit ringt,-zur Aufgabe har. Mit solchen frohen Gefühlen und frischen Gestngen unternahmen wir die Reise zur zweiten israelitischen Svnode, wie^ wir mit gleichen oder ähnlichen Gedanken so manchmal schon zu Lebrerversammkungrn und Confercnzen gingen. Religion und Schule, sie . find ja die beiden Angeln, um die sich das geistige Leben der Menschheit dreht, die gleicherweise berufen sind, da« Menschliche herauszubilden, Alles Große, Besierc, Fortschreitend« zu fördern und zu beleben. Und Religion, Gottesdienst ist die Aufgabe der Synode — sie wird ihren Zweck, Lehre und Leben wieder zu einigen, mit Gottes gnädiger Hülfe, der die wahre Begeisterung und Hingebung von der falschen unterscheidet. auch erreichen. Wir kamen in Augsburg leider etwas zu spät zur feierlichen Eröffnung der Sitzungen an. Wir können diese daher auch nur nach den uns gewordenen freundlichen Mittheilungen, insbesondere der Augsburger Israeliten selbst und einzelner lieber College» und Genossen erzählen, aber Alle stimmen darin überein, daß der Akt ein herze hebender, der Moment ein großer, unvergeßlicher w, >r. *) Gehoben ward dies Stimmung allerdings noch durch den Raum, in we chem die Versammlung tagt. ES ist dies der schönste i äaal im Rathbause der Stadt Augsburg, der sogenanrke „goldene Saal", ein herrlicher, imposanter, rechgeschückter Raum. Und daß dieser Raum von den Vertretern der Stadt Augsburg der Israelitischen Synode eingetäumi worden: ist dies nicht ein herrliches Zeichen von dem Geiste unserer Zeit und dieser alten, ehrwürdigen und edlen Stadt, in welcher der G ist der wahren Toleranz und Liebe waltet, der Geist des Fortschritts,, der es anerkennt. daß jedes fortschrittliche Leben und Streben auch in kleineren Kreisen stets die Cultur des großen Ganzer, unterstützt und fordert? — Es ist diese Tbat sacke übrigens auch eia höchst rühmlicher Beweis von der wahrhaft hohen Achtung, welcher sich die erst eine so kurze Zeit — etwa 30 Jahre — bestehende israelitische Gemeinde Augsburg erfreut, von dem edlen Geiste, der diele und ihre Vertreter belebt. Wir sahen das insbesondere auch an einem Zuge, der hierher gchö't und höchst bezeichnend ist. Als dem erste» Vorsteher der israelitischen Gemeinde in unserem und vieler Mitglieder der Synode Beisein einer der hervorragendsten katholischen Stadlpfarrer nach der Eröffnung begegnete, da begrüßte der geistliche Herr den jüdischen Vorsteher durch Händedruck und mit den Worten ': „Ich begrüße Sie und gratulire Ihnen zu dem heutigen schönen Tage und wünsche Ihnen Glück zu Ihrem Amte und Ihrer Würde bei der Synode." — Wer mag da noch zweifeln, daß der Geist der Zeit und der edelsten Religiösität doch allenthalben wirkt, und daß wir in Wahrheit fortschreiten. Za. mit fteudigen Gefühlen, denen wir im voraus noch Ausdruck geben wollten, beginnen wir da» Referat über die Verhandlungen der 2. Synode. Augsburg, den 12. Juli. Am 10. Abends fand in den drei Mohren ein« Vcrversammlung statt. Es ist jedenfalls merkwürdig, daß diese Versammlung ihre Zusammenkunft in einem Raume feierte, in welchem der selige Bun-, destaz. der jedes freiheitliche Streben und dadurch auch die Gleichstellung der Israeliten so gewaltsam niederdrückle, — 1866 seine letzten Zuckungen machte und sich auflöste. Die Vorversammlung wurde mit herzlichen and ergreifenden Worten begrüßt vom 1. Vorsteher Herrn Rosenbusck dahier. Er brachte dm Versammeltm dm Willkomm der Gemeinde entgegen. Die iSr. Gemeinde Augsburg fühle sich stolz, eine solche epochemachende Versammlung in ihren Schooß aufzunehmen. Das Präsidium für dir Versammlung wurde durch Acclamation dem Herrn Rabbiner Dr. Geizer übertragen. Der Namensaufruf ergibt schon die bedeutensten Namen und mit dem Spätzug treffen noch Theilnehmer aus Wien und Berlin ein. Professor Dr. Lazarus erhält als Vorsitzender »des BerufungScomitöS das Wort und schlägt vor, die Tagesordnung für die morgige Eröffnung festzustellen. Die Geschäftsordnung soll die der vorigen Synode bleiben. Am 11 d. in der Frühe um 10 Uhr wurde die Synode im goldenen Saale des Rathhauses durch Gesang, vom Synagogenchor unter Leitung des Cantor Cohn auSgeführt, feierlichst eröffnet. Die Stimmung war eine ernste, gehobene, feierliche Herr Rosenbusch begrüßte auch hier die Versammlung in herzlichster Weise mit schönen und erhebenden Worten. Die Theilnehmer nennen ihre Namen. Der Name de» Professor LazaruS wird mit freudigem Zurufe begrüßt» Hr