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Der israelitische Lehrer · 1871-06-07 · 23 (7.6.1871) · p. Seite 178

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 — derselben Ansicht. Auch in diesen Blättern ist dieser Gegenstand schon öfter» eingehend erörtert worden. E« ist in neuerer Zeit wiederholt die Frage angeregt worden, ob der Leseunterricht im Deutschen dem hebr. Unterricht vorausgehen soll. Bom rationell pädagogischm Standpunkte au» kann die» keine Frag« sein. Die übertriebenen „religiösen* (?) Anschauungen in diesem Betreffe dürfen un» nicht beirren. Ein rationeller Unterricht, auch wmn er später beginnt, führt zu fruchtbareren Resultaten, al» ein irrationeller, der noch so frühe begonnm wird. Da« gleichzeitig« Erlernen verschiedenartiger Schreib- und Druckschriften wird kein denkender Pädagoge gutheißen. Man ist in dm meisten Schulanstgltm jetzt so weit, daß man im ersten halben Schuljahre blo« an der deutschen Schreibschrift lesen lehrt/und die Druckschrift später folgen läßt. Wie kann man e» also pädagogisch verantworten, wenn man die AnschaungS- und Auffassung»- kraft de« Ikjnde« durch eine weitere hebräische Schrift beirrt? Auch im. Ramm der Religion fordem wir einen solchen Stufengang. Wodurch hat in unserer Zeit der Gottesdienst am meistm gelitten? Warum sind so viele Stimmen -egen da» hebr. Gebet? Einfach darum, weile» unverständlich ist und bleibt, weil auch die spätere Uebersetzung die Unmittelbarkeit dr« Gebete» nicht herstellt und der einmal gewöhnte „Orer" sein Lebmlang gedankenlos die hebräischm Worte ableiert, wie er e» von vornherein sich angewöhnte, wmn ihm auch später der Sinn de» Gebete» verständlich werdm. könnte. Diese Unmittelbarkeit de« (hebr.) Gebete» herzustellen und anzubahnm ist eine sehr schwierige Ausgabe, aber wir müffm sie uns stellen, wenn wir unserer Pflicht zu genügen bestrebt sind. Darum nicht blo» lesen, nie Unverständliche» lesen. Da» ist eine Forderung, die wir immer stellten unv von der wir, obwohl wir mit unseren darauf hinzielenden Schulschriften deßhalb so schwer Eingang in die Schulen finden, nicht abgehen. Wir hoffen, wir werden endlich - doch durchdringen. Mögen Einzelne in der Gemeinde eia baldige», fertige» „Oren" fcrdern, der künftige Lehrer wird schließlich mit seiner Aasicht sich doch Gerechtigkeit verschaffen, wenn er sie zu vertheidigen weiß und man sieht, daß er kekne Mühe scheut. Darum also — Lesen und Uebersetzen, Hand in Hand, sobald die Kinder deutsch lesm können und mit den hebräischen Schriftzeichen bekannt sind. Wir haben in unserer Fibel etwa 50 Lektionen. 2 Stundm für eine solche Lektion sind vollständig hinreichmd. Zu Haüse können die Kinder die in der Schule vorerst durchgtnommmen Stichworte auswendig lernm. IM 3. und 4. Schuljahre wird sich diese Fibel bewältigen laffm; und so werdm mit dem Eintritte de» 5. Schul-, d. i. des 10. Lebensjahres, die Kinder lesen, Hebräisch und bie'in den Gebeten zumeist vorkommenden Worte— etwa 500 — gut kennen; sie werde» bekannt sein mit -ictn und nvn mit ,p3i ,nOT3 norj n'M merp ruisv. Wir wüßten nicht, warum die« in irgmd einer Schule unmöglich, irgmd welchem Lehrer zu schwer sein sollte. Er bedarf hierzu nur pädagogischen Takt und Energie; nur guten und eifrigen Willm. Es hat somit diese Klaffe uur 3 Stundm Religionsunterricht nöthig, von welchen eine für die Geschichte, zwei für das Hebräische verwendet werdm. Wir selbst theilm auch diese Munden derart, daß wir nur 1h Stunde unterrichten tutb.tn der zweiten halbe Stundm eine still« Beschäftigung geben, um allm Anforderungm, die an eine Schule eben gestellt werden, so viel al» möglich genügeu zu könne«. Da» ist jedoch nur in den ungetheiltm jüdischen Bolksschulm und in denjmigm Gemeinden- und Unterrichtsaustalte« nöthig, «o di« Zeit allzusehr beschränkt ist und viele Klaffen zugleich beschäftigt werdm müffen. Die zweite Klaffe? Sie begreift die Kinder vom 10—12 Jahre in sich. Hier mögen allerding« 3 volle Stunden zu verwendm sein. Der hebräische Unterricht wird an daS Gebetbuch selbst und an den Pen 'e ch*) angeknüpft. Schon in der Unterklaffe ist die Keruftniß der einfachsten Pronomina und Suffixen anaestrebt wordm; die K a lsorm de» Zeitwortbist eingeübt. ES läßt sich daher schon vorwiegmd ein rationelles Verfahren tinschlagen. Die Wurzelwörter werden dem Kinde mitgethetlt, ausgezeichnet und zu Haus« eingeübt. Der Inhalt de» Stücke« wird vom Lehrer zuvor entwickelt, da» Stück wortgetreu vorübersetzt, die darau« «ntspringendm Religionslehrsätze werdm ebmfall» entwickelt. Die Au«wahl der Mellen i« Pentateuch und im Gebetbuche bleibt dem Lehrer überlassen. Sollte es eine Schwierigkeit habm in einem Monat —> bei wöchentlich 1 Stunde Gebet und 1 Stunde Pentateuch — ein Kapitel «nd ein Gebetstück zu bewältigen? Da ein «eitere« Eingrhm in die Grammatik nicht al» gesonderter Unterricht verlangt wird, so erhalten Wir in diesm 2 Jahren 24 Kapitel au» de« Pentateuch und 24 Gebetstückr! Das Kind ist mittlerweile mit dm oft in der Thora »orkommmden Vokabeln bekannt geworden; e» kennt die Form der Darstellung, die gebräuchliche Ausdrucksweise und ist mit der bibl. Geschichte an und für sich vertraut. Es wird nun nicht «ehr allzuschwer, einen geregelten cnrsorischm Pmtateushnnterricht einzuführm. Natürlich muß auf sichere» und feste« Einprägen, auf klares AuSwmdigler- *) Wir hoffen jedoch an dem in der Ausführung begriffenm Hilfsbüchketn von Leeser in Lübbecke ein paffendes Unterrichtsmittel für den Anfangsunterricht im Pentateuch zu erhaltm und versprechen demselben eine große Verbreitung, wenn es, wie wir nicht zweifeln, zweckentsprechend ist.

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