Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 19 (10.5.1871)
- Date
- 1871-05-10
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 — lichkeit desselben näber betrachtete, ging er zur Prüfung über. Mit sichtlicher Freude und inncier Befriedigung lauschte das neugierige Publikum jede» Laut ob, welcher vom Munde' der taubsiummrn Kinderchen hervorgebrockt wurde. Ti« .Zöglinge, welche vor wenigen Monaten ibre Sprachwerkzknge zu bloß animalischen Zwecken aebrauchten, lernten von ilnen den höher» geistigen Gebrauch und Nutzen zu ziehen. — AuS den .muntern urd gescheidten Augen dieser Kinder, wie onS der Frindc bei Brai iwortung der vorge egten Fragen, erkennt man , wie dankbar diese für die Besrndignng deS in ihnen mächtig fühlbaren Bedürfnisses einer natürlichen Communication durck die Sprache sind. Möge-aber auch unsere Grmeinderepräsen'gnz demjenigen, ter in anerkinnungSwerthem Eifer für dir gute Sache wirkt, mit Zeichen der Dankbarkeit Seitens der, Eeineinde nickt zu lange auf sich warten lassen und ibm die Mittel an die Hand geben, diesem seinem Berufe würdig nochleben zu könu«n. Möge der Herr Direktor sogar au» eigener Machtrollkommenbeit einen stadilen Ln bezeichnen, an wel em er ungehindert und unbeschränkt die Menschwerdung an den. armen Echäflein unserer Gemeinde vollziehe! Literarisches. Theologisches Universal-Lexikon für Geistliche undgebildete Nichlth ologen. Elberfeld. R. L. Friden'chS 1871. 14. und 15. Lieferung. Wirhaben das vorliegende Werk im Allgemeinen schon oft besprochen und empfohlen, so daß wir unS b-im Erscheinen der Lieferungen auf Einzelnes beschränken. Die neuesten Lieferungen reichen von Naama" bis „L^ford." Der Artikel „Nächster" wiederholt den verjährten, auf Unwissenheit und Vorurtheil beruhendnr Zrnhum, daß dr pharisäische Sittenlehre iind daS spätere Judentbum den Begriff „Nächster" national anffassen und die universelle Auffaffung dem Chrisientbum gebühre. D»r Artik. l gibt wenigstens zu, daß der Mosaismus anders lebre. Diese Anerkennung ist ein Fortschritt gegen die Anschauungen der Borzeit. Der Aitikel verräth aber, daß dem Abfasser daS Sckriftthum des später» Judenthums unbekannt ist. Wir können ihn de halb hier nickt in die Quellen rinsihren, sondern verweisen ibn zu seiner Belehrung auf „Grünebaum's Sittrnlehre anderen Bekenntniffrn gegenüber. Mannheim, Schneider." Unserm früher« Rath, für jüdische Artikel sich an beffer brrathene Schriftsteller zu wenden, wiederholen wir der BeriagS» Handlung auch hier. „Namen". Jrrtbümlick ist hier bemerkt, daß im biblischen Altertbum das Kind nach Vater und Großvater benannt wurde. Dieo geschah nie bei dem persönlichen Eigennamen, sondern bei dein zusätzlichen Patronimicum: A. Sohn B., Sohn C. u. f. w. Der Familienname, welcher bei den heutigen Juden, wie bei andern Völkern, durch Anhängung von „Sobn" und waS dem bei den andern Völkern entspricht, gebildet wird, ist nickt dasselbe. Die biblische Sitte dient nickt zur Bezeichnung des Familiennamens, sondern zur Angabe der genealegücken Äbstawwung, wie beute neck bei den Arabern und Türke». Die jüdische Sitte verbot schon aus'Pietät dem Kinde, den gleichen Namen mi« dtm lebenden Vater und Großvater zu führin. Erst der Tod erlautt dies, ja gebot eS auS Pietät. UebrigenS liegen dieser Sitte, die Namen der Vkistorbenen wieder aufleben zu lassen, auch mystische Anschauungen zu Grunde. „Noackische Gebote" sind nach Bupiorf angegeben. Wir zählen als erstes Gebot: GoltcScrkenntniß. als sechstes: Gerechtigkeit, als siebentes: Humanität. Denn ovOtt rzna ist nicht Gtteslästerung, was mit Götzendienst zusammenfiele, i'i ist nickt blos Glborsam gegen die Obrigkeit und Tin ''2N verbietet nickt bloS den Blutgenuß. Bei „Ordination" vermißt man die Hinweisung aus die jüdische ro’co. „Osterfeuer" ist nickt auS der heidnischen Sitte zur Feier der wiederkehrenden Sommerwärme entstanden; diese Feier fand zu einer andern Zeit Statt; — sondern aus dem jüdischen Paichafeuer zur Verbrennung der ungesäuerten Reste (pen) „Osterlamm." Die verschiedene Bedeutung desielben in Aegypten und in der Tempelzeit ist nicht erklärt; auch ist der Ersatz desselben in der nachfolgenden Zeit falsch angegeben. vr. R. Literarische Notiz. Nationale- Prachtwrrl. Wir machen unsere Lestr auf das „Deutsche Hel den buch" aufmerksam, dessen 1. Lieferung Earl Hosimann'S Verlag in Stuttgart soeben auSgegeden hat. Von dem kundigen Milit är s ckrift st el ler Franz Maurer verfaß», gibt Pas würdig auSgestattete Buch eine gedrängte und koch genaue und zusammenhängend« sehr leicht verständliche Schilderung des ganzen deutsch-französischen KriegeS und illustrirt alle Hanptereigmffe und Hauptpe>.sonen mit ungemein vielen und durchaus nur prachtvollen Bildern. Die Ausgabe in 16 Lieferungen & 7Vj Sgr. oder 27 kr. Südd. — ein äußerst mäßiger Preis für A