Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 18 (3.5.1871)
- Date
- 1871-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums . und insbesondere des israelitischen Lehrer st andeL Organ für den Verein „Achawa." er AsrAelitiseKe Aekrer ' Jfä 18. Den ». Mai 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Birrteljabrlicher LbonnemnNvvrei« 40 kr. — IN/2 Egr. Anzeigen zu 1 Sgr. die feuu-ile ,Bestellungen nchnien alle Postämter und Buchhandlungen an. Kn die israelitischen Lehrer ^eutichlands. In allen Kreisen der menschlichen Gesellschaft zeigt sich in der Gegenwart daS Streben nach Der- > einigung. ’ Auch der Lehrerstand Deutschland» ist diesem Streben im Allgemeinen nicht fremd geblieben. Die bayrischen, württembergischen, hessischen, sächsischen u. a. Volksschullehrer haben zur Wahrung der eigenen Interessen und zur Förderung der Gesammtheit große Vereine gebildet, welche auf die Entwicklung des DolkSschulwesenS im Allgemeinen schon jetzt den mächtigsten Einfluß haben, dem sich auf die Dauer keine Behörde wird entziehen können. Verlassen von allen Parteien, gesondert durch eigrnthümliche Verhältnisse, ist nur der israelitische Lehrerstand und insbesondere die so zahlreiche Klasse der Religionslehrer. Diese Märtyrer eines erhabenen Berufes sind dem Zufall, der Laune und Willkür ihrer oft primitiven Behörden, dem ganzen Unglück einer schütz- und rechtlosen Stellung überlasien. Zn den meisten Ländern trifft das gleiche Geschick auch die jüdischen Elementarlehrer; auch diese harren noch der Gleichberechtigung mit ihren christlichen BerusSgenossen. Zedenfalls haben sie, zur Förderung ihrer eigenen, Immerhin der Bessergestaltung bedürftigen Stellungen, das höchste Interesse, mit den Religionslehrern gemeinsame Sache zu machen, diese thatkräftig zu unterstützen und bei ihren Bestrebungen mitzuwirken. Dem israelitischen Lehrerstande, der vor mehreren Jahrzehnten einen so mächtigen Aufschwung zu nehmen schien, droht der Zerfall; ihm kann nur geholfen werden, wenn er das Streben Aller auch zu dem feinigen macht. Sein Ziel sei: die Bereinigung zur Srlbsthulfe! I \ Das Mittel, das allein einen Erfolg mit Sicherj heit haben wird, ist die Bildung eines allgemeinen i israelitischen Lehrerveresns in Deutschland, dem sich jedoch auch Nick t lehrer, welche Interesse am Schul-! wesen und Thnlnahme für das Geschick der Lehrer! haben, zugesellen mögen. Zweck eine« solchen ist die Hebung und Förderung des jüdischen Schulwesens im Allgemeinen, und demzufolge: 1) Das Streben nach festen und gemeinsamen Bestimmungen über Beruf, Wirksamkeit und Stellung der jüdischen Lehrer. 2) Sickerung eines auskömmlichen Gehaltes. 3) Sicherung der Stellung, zunächst durch durchgreifende Aufhebung des unwürdigen ContractsystemS „auf Zeit" und allgemeine Einführung definitiver Anstellung, jedenfalls nach Ablauf eines ganz kurzen Provisoriums. 4) Sicherung der Lehrerstelluug durch Ausscheidung aller des heiligen Lehrerberufs unwürdigen, zumeist fremdländischen, ungebildeten, ungeprüften und charakterlosen Subjekte aus demselben (Bachurim neuester Aerä). 5 Regelung des Verfahrens beim Stellenwechsel durch Nachweisung und Veröffentlichung vacanter Lehrerstellen; 6) Corporative Einwirkung auf solche Gemeinden, welche ihre Lehrer unziemlich behandeln. 7) Sicherung des EinfluffeS bei der Gesetzgebung über die Schule und Lehrerverhältnisse, soweil und insofern die jüdischen Lehrer davon betroffen werden, durch Bildung von ComiteS, rc. rc. und Wahl von Vertretern. 8) Wahrung beS Einflusses des Lehrerstandes bei allen öffentlichen Verhandlungen, bei dem das Schulwesen und die Lehrerverhältnisse zur Sprache kommen könnten.