Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 135 - Ausnahmegesetze mittelalterlicher Herkunft duldete. Am wenigsten „im neuen Reich," Herr Freytag ermatten wir den Ausbruch Ihres Vorurtheils gegen die Jude^! Wir glaubten dasselbe schon längst, wenigstens für die Oeffenlichkcit, abgethau. Und nun macht es sich gerade im ungeziemendsten Augenblicke geltend, in dem Augenblicke, wo das Morgenroth des Friedens miedet aussteigt, und seinen versöhnenden Hauch über alle Wunden crgießt, auch über die Wunden Derer, die nian in Deutschland „Juden" schimpft. Ja! Herr Frentag: „Auch über die Wunden der „Juden"! — Habeu die Juden, welche bei Wörth und Gravclotte, der Sedan und Paris ihr Blut ftir das „neue Reich" verströmten, demungeachtet, daß das „alte Reich" es nicht sonderlich um sie verdient hat — haben diese Juden es ermattet, haben sie es verdient, daß sie „im neuen Reich" von Ihnen in Bausch und Bogen zu Schanden gemacht werden? Ja, Herr Freytag! Im alten Deutschland schimpfte man die „Juden" mitten iin Frieden wie während' des Krieges; im alten Deutschland war das Poruttheil gegen die Juden so verbreitet, daß sogar Dichter und Journalisten von Ihrer Bedeutung sich gelegentlich eines' Schimpfes gegen die Juden nicht erwehre» konnten: soll das aber im „neuen Reich" so fortdauern; soll auch da noch da4 alte Boruttheil fortbestehen und seine häßlichen Früchte tragen? Doch wohl nicht? Der Kaiser, der mit seinem „christlichen" Gewissen aut dem „jüdischen" Ruhekissen in Ferricres so süß geschlafen, wird „im neuen Reich" den Forderungen der neuen Zeit endlich Gehör geben, und asten seinen Bürgern, ohne Unterschied des Glaubens, die gleichen Rechte einräumen. Der deutsche Landwehrmann, welcher, nach Hause zurückgekehtt, an seine friedliche Tagesarbeit geht wird sich gerne des „jüdischen" Kameraden erinnern, der an seiirer Seite treu und tapfer niitgekämpft, wird mit Dankbarkeit an die Hand des „jüdischen" Arztes denken, die ihm sanft die Schmerzenskugel ans der tiefen Wunde gezogen, und so könnten allerdings dem alten Borurtbeil gegen die Juden, eben „im neuen Reich" die besten Rahru»zsaucllen abgeschnitten iverden — — Ihr auftichtiger Verehrer Dr. S. H. Sonnenschein. Herausgeber der Wochenschrift: „Die Wahrheit." St. Louis. Mo., am 9. März 1871. Literarische Notiz. Herr Dr. I. Hamburger in Strelitz schreibt uns, daß der Druck der Fottsetzung seiner Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud rm Laufe dieses Monats beginnt, io daß die Versendung des ersten Heftes der Abtheiluilg ll., der talmudische Artikel <A—C'säcr) noch im Sommer geschehen wird. Der Preis desielben ist. wie ftüher, 1 Thlr.; doch werden auch bei direkten Meldungen und auf Verlangen Berücksichtigungen erfolgen. Die erste «bthciluna (die biblischen Attikel A—Z) ist, so weit der Vorrath reicht, zu dem ermäßigten Preis von 3 Thlrn. bei Auerbach und jGensler in Berlin, Bischofstr. 9 zu haben. Anzeigen. Zlnlerstützungscaffe des Pereins isr. Klementarteyrer für Westfalen und Pheinprovinz. An außerordentlichen Beiträgen sind ferner eingegangen: Herr S. Simon in Köln 25 Thlr., Herr Lehrer Heimann in Unna (Collecte» 5 Thlr. 25 Sgr., Herr Lehrer Ostwald in Witten (Collecte) 6 Tdlr. 15 Sgr., Herr Lehrer Leiser in Haltern ( Collecte K. Weyl, Vorsteher^ 1 Thlr., I. Weyl 1 Thlr. 15 «gr.. Ä. Weyl 15 Sgr., S. Heymann 10 Sgr., Weinberg 10 Sgr., I. Cohen 10 Sgr., Jacobson V Sgr., Mendel 5 2vzr., M Meyer 5 Sgr.) — 4 Thlr. 17'/, Sgr., Gemeinde Gütersloh pro 70 und 71 10 Tblr. Vieleseld, 17. April 1871. Der Vorftand. Einladung zur Confereuz des Vereins iSr. Elementarlehrer für Westphalen nud Rheiuproviu; ( — zugleich Generalversammlung der Untttstützungscasse des Vereins —) z u B o u n a m 3 0. n n d 3 1. M a i c. Tages o rd nu ng. A. 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Rendanlenwahl. 8- 1. Die Stellung der jüdischen Schule im Staate. 2. Die Stellung der Lehrer zu der Frage der Aufhebung des Gesetzes vom 23. Juli 1847. 3. Freie Besprechungen. Auch Richtmitglieder des Vereins, namentlich die Herren Rabbiuen und Gemeindevorsteher, sind ftenndlickft cingeladen. Biel et eld, 18. April 1871. Der Vorstand.