Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 17 (26.4.1871)
- Date
- 1871-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er HsrsMisrke Lekrer ♦ Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andek Organ für den Verein „Achawa.' M 17. Den a«. April 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Lbonuementiprei- 40 kr. — IVEgr. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzeil« Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Kin Lehrplan für die jüdische Schute ,lld die Referate über die der ersten israelitischen Eynode zu Leipzig überreichten Anträge. (Fortsetzung au« Nr. 12*). Herr, Szantü führte uns bisher Gründe vor, daß da« Hebräische an und für sich, vom religionSgesetzlichen Standpunkte au«, nicht als rin obligatorischer Unterrichtsgegenständ für die jüdische ReligionSschule betrachtet werden kann. Er führt uns nun aber auch die Gründe vor, die für den hebräischen Unterricht sprechen und weist nach, „daß dennoch die Unterweisung darin, die möglich größte Verbreitung derselben unter den GlaubenSbrüder für die vornehmste und unerläßliche Angelegenheit der israelitischen Gemeinde erachtet wird, und zwar mit vollem Rechte. Erstlich gehört die hebräische Sprache dem jüdischen Volke, in ihr allein hat der religiöse Gedanke und der erhabene Jdeeninhalt des Judenthums seinen adäquaten Ausdruck gefunden.*.... „Diese Sprache ist ferner dem Volke keine tobte, denn sie lebt in seinen Andachtsstunden immer wieder auf, in ihr verkehren die Söhne des Bunde«, die unter verschiedenen Himmelsstrichen leben, und unbestreitbar ist die Thatsache, daß eine hebräische Literatur noch immer als eine fortzeugende besteht, daß Denker und Dichter noch immer de« hebräischen Mediums sich bedienen, daß Poesie und Wissenschaft noch immer in diesen Lauten sich darstellen. E« kann endlich nie und nimmer gestattet wer» *) Den neuen Abonnentm stellen wir auf Wunsch-br- ^ntwilligst die Anfänge der in diesem Quartal fortgesetzten Leitartikel in Rr. 12 und 13 gratis und franco zuriBerfügung. den, daß innerhalb der jüdischen Nation äne Scheidung zwischen Priester und Laien derart vollzogen werde, jenen den Besitz einer Geheimlehre ausschließlich anheim zu geben und diesen die Controlirung der Geistlichen durch unmittelbare EinsichtSnahme in den Urtext der Urquellen unmöglich zu machen. Im Judenthum darf e« kein Mysterium geben. Zu der Frage über die Opportunität übergehend, rechnet Herr Szantü vorzugsweise mit der „physischen Zeit, die uns zu Gebote steht*; Er fragt: „Ist aber wirklich eine Kenntniß der hebräischen Sprache zu erzielen, wenn einer Schulklasse nicht mehr als 2, höchstens 3 wöchentliche Lehrstunden für den gesammten Religionsunterrichtzugrwiesen sind...? — „Was müssen die Folgen eines solchen, den Lehrer wie den Schüler gleich sehr ermüdenden Unterrichts sein, der niemal« Früchte zu zeitigen vermag?* „Auf da« Hebräische verzichten, kann die jüdische Schule nicht, da« Hebräische ausgrben, darf die Gemeinde nicht, und ist auch nicht dazu berechtigt. DaS Hebräische zu halten, zu pflegm und dessen Kenntniß zu verbreiten, gewährt die moderne Erziehungsweise nicht die nöthige Zeit. WaS ist also zu thun?- Herr Szantü kommt nun auf eine AuShülfemittel. Nachdem er bewiesen, — wa« wir ja mit der jetzt lebenden Generation, den orthodoxen wie den reformistisch gesinnten, den Alten wie den Jnngen, den Städtern und Kehillamännern wie den «Landbewohnern beweisen können, — daß auch in früherer Zeit nur ein ganz kleiner Bruchtheil der jüdischen Gemeindeglieder eine irgmdwie nennentwerthe Kenntniß de« Hebräischen hatte, fordert erdi« Gemeind« auf, — wenn wir recht verstehen, neben der ReligionSschule, — eine hebräische Schule al« fakultativ zu errichten, die diejenigen benutzen können, die r« wollen. Natürlich ist ein Zwang, diese zu besuchen, ausgeschlossen. Die Gemeinde errichtet eben eine hebräische