Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 15 (12.4.1871)
- Date
- 1871-04-12
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 119 Pädagogischen Bestrebungen unserer Zelt wenig kennt und würdigt. „Elementar-Unt»xrich1 ^im Schön- und Schnellschreibrn" vonJo sef PSlorny. 2. verbesserte Auflage. 18 fortlcmfend» Heft« ftr Currevtuvt» 13 für Schrift. (Brünn, Dn»t u. Hirlvg von Karl Winiker.) Schöne und gefällige Schrift und gute methodische Anordnung, doch zu schwarze und scharfe Linien in den kleinen Heften; die größeren sind bester auSgestattet. — „UebungShefte zum Unterrichte im Freihaud^eichwen n» Volksschulen/ 1. Heft, von Z. Roller, Lebrer an der k. k. Oberrealschule rc. (Ebendaselbst.) Systematische Anordnung zur Erlernung geradliniger Forme». , Feuilleton. Materialien zu einem Lefebuche für die oberen Klassru israel. Volksschulen. Von I. Rosenmeyer, Oberlehrer. Alkder au» Aegypten. 1. Cairo- GotteS Hülfe hat mich glücklich nach Ca'ro — in die Gegend gebracht, wo einst unser Erzvater ^Jacob mit seiner Familie wohnte und seine Rachkommen unter dem Joche der Tyrannen seufzten. DaS Dampfboot brachte mich fast so rasch wie meine Gedanken durch die weite, blaue Fluth nach der ersehnten Ferne. Auf dem Schiffe befanden sich sehr viele au? den hohen Ständen, an denen ich mich doch nicht anschloß; ich mochte, besonders als Jude, nicht einmal den Schein, aufdringend und anmaßend zu sein, auf mich laden, und dann hatte ich keine Lust, die Lippen zu spitzen, um von süßem Gespräche saure Langweile zu schlurfen. Meine Rächte brachte ich auf dem Verdecke zu, da war freie ausgedehnte Luft; ich hatte keine Lust, in die engen Betten des Schiffes zu kriechen. Es war mir Vergnügen, zu sehen, wie unablässig die Räder »n« fvrttrieben, die Wellen unter uns zurückwichen und der Wind in einem fort durch das Takelwerk pfiff, als ob er das kübne Schiff, die schönste aller Erfindungen, auszische. Endlich erreichten wir da» längst ersehnte Cairo. Ein ägyptischer Pilote kam uns zur Leitung unseres Schiffes in den Hase« entgegen. Wir landeten an einem mit Menschen über» füllten Platze. Msstze von DragpmanS, Lohnbedienten, Lastträgern, Leuten von den. verschiedensten Nationen und Farben , eilten auf un« zu. Besonder« zeichneten sich die vielen Eselstreiber durch eine unausstehliche Zudringlichkeit aus. Sie bilden die Fiaker der Stadt und wer nicht gehen muß, der reitet. Die Treiber sind meisten« Knaben, Araber, Nubier, Neger; die letzteren sind Sklaven, von denen mehrere einem und demselben Herrn angehörrn. Sobald der Reisende >n Cairo anlangt, ist er von diesen Leuten umringt, die mit ihren Chavadja (Herr), laib (gut), Bakeis (eine Gabe), immer zudringlicher werden. Ist man von dieser Pein befreit, so kommen schon-andere, ebenst) häßliche Gestalten. Es sind krüppelhafte Weiber, die uns ihre schwarzen nackten Arme entgegenstrecken und auf ihre schwarzbraunen Kinder Hinweisen und um eia Almosen bitten. Wir überließen unser Gepäck einem Burschen, bestiegen einen Esel und eilten durch eine Menge enger, zum Theil mit Schutt »»gefüllten Straßen dem Krankenplatz zu, wo europäische Kaffeehäuser und ConlulatSwohnungen uns an unsere Heimath erinnerten. Neue Erscheinungen festelten unsere Aufmerksamkeit , insbesondere fiel unS die Tracht der arabischen Frauen der unte>en Stände auf. Ihre Kleidung war mit seltener Ausnahme von Kopf bis zu Fuß dunkelblau. Ein langes Hemd, ohne Bund, vorn mit weit herabhängendem, offenm Schlitz, bedeckt den Körper bis zu den Knöcheln herab Ueber den Kopf hängt ein Mantel, eia Tuch von gleicher Farbe, welches ebenfalls bis zur Erde reicht. Mitten auf der Stirne bis zur Nasenwurzel hängen 5 bis 6 messingene Ringe und daran ein langes, schmales, blaue« Tuch bis zur Erde herab. Oberhalb der Ohren um den Kopf herum ist eS noch mit zwei Bändern befestigt nnd bedeckt so das ganze Gesicht mit Ausnahme der Augen, deren Lider stet« dunkelblau gefärbt sind, wäboend .man den Finrernigeln eine lebhafte rothe Farbe gibt. Auch die Begrüßungsweise ist ganz verschieden. Wenn der Türke zu einem Anderen tritt, so grüßt er ihn folgendermaßen. Er legt die Hände auf's Herz und erhebt sie hierauf nach dem Kopfe/um anzudeutcn, daß er ihn im Herzen trage nnd über sich stelle. Begegnen sich zwei Freunde, so bewegen sie ebenfalls die Hand nach dem Herzen, reichen sich dieselbe, schlagen wieder an die linke Seite und küssen endlich ihre Hand. Anderer Art aber ist das Bewillkommnen nach langer Trennung; alsdann geben sie sich die Hand, mit wechselweiser, einmal unter- und einmal oberhalb gelegten Finger«. (Schluß folgt.)