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Der israelitische Lehrer · 1871-03-15 · 11 (15.3.1871) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
11 (15.3.1871)
Date
1871-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes Organ für de« Verein „Achawa.' M 11. Den IS. Mär, 1871 1t. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer «ierteljührlicher »bonnemmttm-ei« 40 kr. — 111/2 .©«t. Anzeigen zu 1 Sgr. die Peulzeile Bestellung«, nehmen all« Postämter und Buchhandlungen an. Der evangekische HöerKirchertraly in Preußen - und das Judenthnm. Der Erlaß des evangelischen Oberkirchenraths in Preußen an die betreffenden Consistorien und Geistliches, die Namen derjenigen christlichen Personen, welche zum Judenthum übertretest, öffentlich bekannt zu machen, und die bei dieser Gelegenheit laut gewordrnest unwahren und gehässigen Aenßerungen über Juden und Judentbum haben bereits energische Proteste seitens einzelner jüdischer Gemeinden veranlaßt. ES läßt sich vorguSsetzen, daß bereits schon viele Fälle von Uehertritten vorgekommen sind, wenn der Oberkirchenrath zu solchen Maßnahmen greift.- Wäre das Christenthum gewohnt, seine Macht auf innere Währheit und nicht äußere Gewalt zu stützen: ihm könnte der Abfall Einzelner gleichgiltig sein, eS Mimte mit Ruhe dem treuen Ausharren der Mehrzahl sich ^überlasten. Aber wenn daS Schiff am Untergehen ist, dann sind bekanntlich die Matrosen am thätigsten; wenn daS HauS baufällig ist, dann muß die Mauer vor jedem neuen Riffe bewahrt werden. UebrigenS ist solche Abrünnigkrit^»tcht.ne»r.ttDer Dogmatismus des ChristenthumS hat von Anfang ihm da» Schisma in den Schooß gelegt. Die Göttlichkeit Jesu war kein Glaubenssatz des Urchristenthums, sondern ist von Paulus hineingetragen worden. Nicht bloS die Juden, wie der Oberkirchenrath behauptet, sondern auch die Christen bestritten ihn... Erft die Kirchenversammlung zu Nicäa (325) stellte ihn für einen Theil der Christenheit als unerläßliche« Dogma fest, - beließ ober selbstredend dadurch den andern in der Heterodoxie. Auch die Neuzeit hat diesen Streit wieder aufgegriffen. Was sie von der Göttlichkeit Jesu denkt, ist ein ideelles Phantosiegebilde und nicht» weniger, als daS mystische kirchliche Dogma. Don der theologischen Seit« abgesehen, erregt der Erlaß schon in politischer und socialer Beziehung gegründete Bedenken. Er ist leicht geeignet, den ReligionShatz anzuschüren; religiöse Duldsamkeit nach dem Dorbilde christlicher Liebe wenigstens predigt er nicht. Gegen di« Warnung vor Untreue und Abfall, gegen die Mahnung zum treuen AuSharren ist nichts zu erinnern; aber die Kraft der eigenen Wahrheit scheint nicht mehr auszureichen, wenn man sich dafür auf die Unwahrheit der Andersgläubigen beruft. ES läßt den schlimmsten Schluß zu, wenn diese Berufung sogar in leidenschaftliche Schmähungen und Beschimpfungen auSartet, wo man eine ruhige Belehrung erwartet. Jndeß ist eS immer so, wo Gründe fehlen und man der Ohnmacht, zu Helsen und zu retten, einsichtig wird. Bewahrm wir trotzdem die Ruhr, die Sache auch von der theologischen Seite zu beleuchten. DaS Judenthum wird als da« knechtische Joch des Gesetzes characterisirt. Es ist die» die bekannte Paulinische AnschauungS- und Bezeichnungsweise. Paulus ist der Stifter des historischen ChristenthumS, aber stebt al» solcher auch im Gegensatz zum Urchristenthum. Die durch Paulus hervorgerufenen gesetzlich-rituellen, wie dogmatischen Streitigkeiten veranlaßten sogar besten Derleuanung und Ausschließung von der ersten Christengemeinde in Jerusalem, an deren Spitze JacobuS selbst, der Bruder und unmittelbare Nachfolger Jesu, stand. Bon Jesu selbst ist eS auch bekannt, daß er durchaus kein Gegner de« jüdischen CeremonialgesetzeS war, sondern e« beobachtete und beobachtet haben wollte. 'Die erste christliche Gemeinde gilt auch nicht als abtrünniges vielmehr steht daS Judenchristenthum nach der Lehre Jesu im entschiedenen Gegensätze zum Heidenchristenthum nach der Lehre deS Paulus. Auch r

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