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Der israelitische Lehrer · 1871-03-08 · 10 (8.3.1871) · p. Seite 78

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
10 (8.3.1871)
Date
1871-03-08
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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76 — Gleich wie die deutsche Nation inmitten des Krieges ihr« Einheit vollzogen, so hat die Gemeinde München zur selben Zeit ihre Rabbinerfrage, und nach Allem, waS man hörte, in glücklichem Sinn gelöst. Nachdem sie ihren allen Rabbinm Aub mit vollem Gehalt penstonirt und sich um die Stelle 20 Bewerber gemeldet hatten, von welchea 12 thsil« »egen zu hohe« Alter«, theils wegm nicht für hinreichend erfundener Tüchtigkeit gleich nicht in Betracht genommen wurden, wurde von den verbliebenen 8, gleich der zuerst Probe predigende Herr vr, Perle« fast einstimmig auf diese lukrative Stelle — 3000 fl. fixer Gehalt und 360 fl. WohnungSentschLdigung und 1000 fl. garantirte Verdienste — vor wenig,» Tagen einstimmig gewählt, vr. PerleS, ein Kind der Breslauer Schule, der anch ein Buch: Etymologische.Studien, bereits geschrieben, soll mäßigen Reformen »ugethay sein. Zu fürchten ist nur, es werde, sobald dies zum Ausdruck kommen wird, z. B. in der Orgelfrage, mit der Einheit ein schnelle« Ende haben und die Schleppträger deS .Israelit" werden alsbald da sein, um daS Gift der Spaltung in die Gemeinde zu spritzm. Soll doch schon bei der Wahl ein bekannter Hyper-Orthodoxer seinen Dissen«, aber auf eine so. verletzende Weise dargelegt haben, daß seine Freunde nicht wagten, ihm zu zustimmen. Während dies aber in München geschieht, laborirt Nürnberg noch immer an den Anfängen zur Lösung der Rabbinerfrage. Der Synagogenbau nährt sich der Vollendung, Meldungen, Probepredigten, Aufwartungen und Zusagennehmen kein Ende und dabei steht man noch am Anfang. Wenn nur nicht bei allen diesen Erwägungen und Vorsichtigkeiten, bei dieser Sucht, etwaL Ausgesuchtes und Außerordentliches zu bekommen, am Ende gar ein Mißgriff erfolgt, wie wir dies bereits.in Bayern mehrfach erlebt haben. Auch ein andrer Candidat, Herr vr. Neubürger, Sohn des Lehrer« Neubürger au« Oettingen, gleichfalls ein Zögling de« Breslauers Seminars, der etwas Tüchtiges erlernt hat, wurde als Substitut des Hrn. Rabbiners vr. Löwy i» Fürth. Der junge Mann wird einmal eine Rabbinerstelle würdig ausfüllen. Ob von Bayern ein Jude in den Reichstag kommen wird, bezweifeln wir. Hr. vr. Frankenbnrger in Nürnberg, von der Fortschrittspartei für dm Diftrict Anspach vorgeschlagen, ist nicht acceptirt wordm. So weit istS wohl, daß. man zwar seine Confessio« als Grund nicht angibt, aber in der Wirklichkeit verhält sich« doch so. ES wird noch eine ganze Generation andauern, und die muß ohne Reaction vorübergehm, bi« der Grundsatz der Gleichberechtigung in Fleisch und Blut der deutschen Rasion übergegangm sein wird. E» fehll noch zu viel von unten auf, an der Schule. Nur die Communalschule kann auch hierin helfen. Feuilleton. Hlnhe dm Todtm! Verstummt ist der Donner der blutigen Schlacht, ES feiern die Todtesgeschoffe; ES funkeln die friedlichen Sterne als Wacht Bei dm Tobten am Gaißberger Schlöffe. Da liegen getödtet der Freund und der Feind, Manch Tausend, Fußvolk und Reiter; Doch nah der Kapelle ruh'n todesvereint Ganz einsam drei tapfire Streiter. Ein bayrischer Jäger der Eine war — Ihn traf eine Kugel beim Sturme — Starb betend, gerichtet sein Augenpaar Nach dem Kreuze des Kirchleins am Thurme. Der Andre, sin Kämpfer aus Afrika's Land, Erliegmd der Wunde, der herben, Rust, starr seinen Blick nach dem Osten gewandt, „La Allah il Allah" im Sterben. Der Dritte, von jüdischem Stamme ein Sproß — Auch er war zum Opfer erlesen — Ruft brechenden AugeS: „O Herr, Du bist groß, Du einiges einziges Wesen!" So zogen sie sin zur ewigm Ruh, Wo nimmer die Wunden mehr bluten; Ein einziger Hügel, der decket nun zu Dm Christen, den Türken, den Juden. „Mmsch, übe," ruft mahnmd der Hügel Dir zu, „Was Gott und Dsin Herz Dir gebieten;" „Doch fpsich nicht zum Bruder: „Bin bester als Du," „Sonst störst Du der Seligen Frieden!" Lippstadt. Leopold Mandel.

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