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Der israelitische Lehrer · 1871-02-22 · 8 (22.2.1871) · p. Seite 63

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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abgemachten Grundlagen vertheilt, und ich habe die Ehre, -Ihnen die zu lenden, welche Ihnen zukommen." Wir bemerken hierbei, daß das nicht die erste hochherzige That drS Hause« Rothschild während der traurigen Belagerung von Paris ist. Es hat sich schon früher bet allen wohlthäugen und gemeinnützigen Sammlungen in hervorragender Weise betheilget, zu manchen gar die Initiative ergriffen. Aus Kaixo wird der Grazer Tagespost Folgendes geschrieben: „Soeben theilt mir Profeffor Brengsch mit, daß man bei dem Städtchen Dellel-Jahud (zu deutsch: Judenhügel), zwei Stunden Eisenbahnfohrt und eine Stunde Fußweg von Kairo, die Uebcrreste einer wahrscheinlich von den Juden erbauten Stadt aufgrfunden habe. Man hat bis jetzt Reste eines Tempels und Brunnens, aus dem schönsten geschliffenen Alabaster bestehend, bloßgelegt, ferner ganz gut erhaltene Inschriften und Häuserreihen von großer Schönheit." Köln. Unsere edle Kölnerin (Kölnische Zeitung) bleibt sich doch immer gleich in Entfaltung eiueS gemeinen Judenhaffes. Gerstäcker'S Nachrichten vom Kriegsschauplätze schilderten jüngst die veränderte Ei-; tuation in Versailles, welche aufgehört hat, eine vors zügliche oder gar ausschließlich militärische zu sein, > sondern seit der Kapitulation der Kapitale das kleine! Städtchen gleichsam zu einem Emporium des Handels gemacht hat. Man begegnet jetzt hauptsächlich den geschäftigen Proviantlieferanten. Statt es nun der Geschäftigkeit dieser Leute Dank zu wissen, daß sie j schnell der Roth de« ausgehungerten Paris abzuhelfen! bemüht sind, wird es mit einer schalkhaften Ironie 1 hervorgehoben, daß dies Leute sind mit langen Bärj ten, krummen Nasen und astatischen GesichtSz gen.! Man schämt sich zu sagen, daß e« Juden sind obgleich wir uns bei diesem Namen eher stolz gehoben, als demüthia gedrückt fühlen Aber man ist gewobnt, uns mit diesem Namen zu beschimpfen, und man fühlt «S selbst, wie wenig wir einen Schimpf verdienen und wie unrecht es ist, uns einm solche« anzutbun. Und dennoch kann man eS nicht lassen. So boshaft ist das Herz. Ja, die Geschäftigkeit, welche man gewahrt, wäre zu loben; aber wie kann man loben, wo mau tadeln möchte und doch nichts zu tadeln findet? Dar rum gilt dem Berichterstatter »ieseS geschHttg« Volk als deS Patriotismus leer, aber des GgennutzeS voll. Er sagt: diesen Leuten liegt nichts am Waffenstillstände, am Frieden oder dem hungernde« Paris; verdienen wollen sie und sind nur ärgerlich darüber, daß fit nicht allem, verdienen» .sondtrv auch zu>ch Alltzerr den Gewinn mit ihnen thrilen. Seit wann ist denn . die christliche Welt voll ehler Liebe und hingebender, selbstverleugnender Aufopferung, die den Lohn für die gute That von sich wiese und von sich sagen könnte, daß sie diese allein um ihrer selbst willen gethan? Splitterrichter sind eS, die den Balken in ihren eigenen Augen nicht gewahren. Hamburg, 17. Januar. Die Verwaltung der Eduard Kley-Stistuug für alte wohlverdiente und unversorgte Lehrer und Lehrerinnen hat ihre Abrechnung für das Jahr 1870 veröffentlicht, wonach dieselbe beim Beginn de» Jahres einen Kapitalbestand von 17,639 Mk. Crt. 10 Sch. hatte; die regelmäßigen Beiträge betrugen 1031 Mk. Crt. 15 Sch., Geschenke 550 Mk. Crt. und ein Legat des verstorbenen vr. Beit 630 Mk. Crt. 12 Sch. Hierzu kommen die Zinsen der belegten Kapitalien mit 543 Mk. Crt. 6 Sch., zusammen 20,395 Mk. Crt7 11 Sch. Am Schluffe des Jahres waren 18,639 Mk. Crt. 15 Sch. belegt und 1800 Mk. Crt. für Unterstützungen, worunter eine lebenslängliche mit 600 Mk Crt. verausgabt, während an Unkosten, Porto, Drucksachen, Boten rc., nur 90 Mk Crt. 3 Sch. verausgabt waren. Für 1871 waren 33 Unterstützungsgesuche einzegangen, von denen nur 23 berücksichtigt werden konnten, zum Gesammtbetrage von 210) Mk. Crff, wovon 800 Mk. Crt. lebenslänglich. (Reform.) Feuilleton. Die Zeitungen berichten fast alle nach einander folgende mysteriöse Geschickte aus Danzig: Eine eigenthämlich», gleichwohl «der verbürgte Geschichte berichtet der Brief eines Israeliten auö dem Felde hierher. Derselbe hatte sich bei Ausbruch des Krieges mit einem christlichen jungen Manne vereinigt, um gemeinschaftlich ein Marketendergeschäst zu betreiben; dasselbe war auch recht einträglich und hatte ihnen bereits einen Verdienst von einigen tausend Thalern eingetragen. In einer der letzten Schlachten wurden beide gefangen, von ihren Vorräthen und Utensilien getrennt und als Spione vor ein französisches Kriegsgericht gestellt. Ohne viel AushebeuS veiurchellte dies Beide zum Tode, und zwar nach Kriegsgebrauch zur Strangulation. Das Kommando, das zur Execution bestimmt war, rückte, einen Major an der Spitze, aus und vollzog die Hinrichtung, zunächst an dem eine«, dem christlichen jungen Manne. Eben wird auch dem Anderen, dem Juden, die Schlinge um den Hals ge-

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