Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-01-25 · 4 (25.1.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
4 (25.1.1871)
Date
1871-01-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433764--3257-4899522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes Organ für den Verein „Achawa." er IsrsMrscke Iekrer Jfä 4. Den 25. Januar 1871. 11. Jahrgang Wöchentlich 1 Rümmer Vierteljährlicher LbonnementSprri« 40kr. — lltfe Sgr. Anzeigen zu 1 Sgr. die PetUzeile Bestellungen nehmen all« Postämter- und Buchhandlungen an. Wahl und Anstellung von Htabbinern, Lehrern und Kultus beamten. Der Gegenstand, dem wir heute unsere Betrachtung zuwenden, ist von grober und weittragender Bedeutung. Die Art und Weise, wie zur Zeit noch die Wahl und Anstellung der israelitischen Gemeindebeamtm betrieben wird, zeigt die ganze Misere, an welcher das Judenthum der Gegenwart krankt, in erschreckendster Weise. Sie überläßt die wichtigste Lebensfrage der Gemeinden dem Zufall, dem Parteigetriebe; sie schafft in vielen Gemeinden einen Moment parteiischer Aufregung, dem in vielen, ja in den meisten Fällen dann die Zwietracht, der Zerfall, di« Apathie folgt. Diese Frage scharf ins Auge zu fassen, ist Pflicht der Selbsterhaltung. Wohl liegt es nicht in unserer Hand, eine Amderung herbeizuführen; aber wir glauben, .unsererseits schon viel gethan zu haben, wenn wir darstellen, wie eS ist und wie es sein sollte. Wir lieben eS nicht, Thatsachen von so weittragender Bedeutung todtzuschweigen oder mit Glacehandschuhen anzufaffen. Ihnen fest inS Angesicht sehen, ist schon ein Anfang zur Abhülfe. Wann wir auch derartige Vorkommnisse in Erfahrung brachten, fiel uns stets ein sehr bezeichnende» Wort bei, das von dem verstorbenen Rabbinen Romann auS Easiel herrübren soll. Seiner Wahl stand eine kleine, aber rührige Partei entgegen, die auch jetzt in noch viel einschneidenderer Weise den Frieden der Gemeinden stört. Diese versprach jedem Wahlberechtigten. der seine Stimme einem Gegenkandidaten R'S gab, einen vollwichtigen LouiSd'or. Zufällig wohnten die beiden Kandidaten zur Zeit der Wahl in einem und demselben Hause, vr. Romann in einem Zimmer unten, der Gegenkandidat in einem Zimmer gerade ober ihm. Ein braver Wähler vom Lande hatte vom Stimmenhandel gehört: er wollte sich seines Louisdor'S versichern. Er fragt den Wirth beim Eintritt: „Wo wohnt der RabbinatSkandidat?" Man zeigt ihm das Zimmer Romann'S. Als er seinen Antrag gestellt und nun die Hand aufhebt, um seinen Louisdor zu empfangen, antwortet ihm jener: „Lieber Frepttd, Ihr seid an den Unrechten gekommen; aber der ober uns zahlt Alles! Wir haben zur Zeit Gelegenheit, ein ähnliches Getriebe, ganz in unserer Nähe, in unserem Kreise zu beobachten. Wir könnten schlagende Beweise bringen; wir wollen jedock den Gegenstand, der andern OrtS bereits zur Sprache gebracht worden ist, hier nicht weiter berühren. Nicht als ob wir persönliche BloSstellung scheuten: unsere Stellung und unser Gemeindeleben kann durch derartige Machinationen nicht gestört oder beeinträchtigt werden; aber wir wollen den Schein vermeiden, als beabsichtigten wir in solcher Weise uns einen unberechtigten Einfluß zu erringen. Wir geben daher nur Allgemeines, waS die ganze deutsche Judenheit, Rabbiner, Lehrer und Gemeinden betrifft, in ganz objektiver Weise. Welchen Weg wählen die meisten Gemeinden, um erledigte Rabbiner- oder Lehrerstellen wieder zu besetzen? Reden wir zuerst von den Rabbinerwahlen. Die erledigte Rabblnerstelle wird in mehreren, den verschiedensten Richtungen angehörigen Zeitschriften ausgeschrieben. AuS der Zahl der eingelaufenen Meldungen werden vom Vorstande, der sich in allen Angelegenheiten der Gemeinde, auch in den wichtigstm, seine Competenz wahrt, Einzelne herausgegriffen, die die besten Zeugniffe haben, und zu Probepredigten eingeladen. Mittlerweile hat sich eine kleine, aber rührige, «ine orthodoxe Partei gebildet, zumeist auS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.