Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- Seite 423 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432183--3216-4899487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 423 schaftliche, auch für die praktische Entwickelung des JudenthumS ist diese Zeitschrift bedeutungsvoll. Die Kritik ist freilich rücksichtslos, aber hier nie unbegründet. Die Antikritik drückt in der Regel nur ihr Mißbehagen aus, an Gründen aber fehlt eS idr. Man steht daran, wie sehr bei uns die Wissenschaft noch der Stärkung und Unterstützung bedarf. Die Recensionen sind oft sehr ausführlich, wenn sie das specielle Fach des Herausgebers berühren, und in diesem Falle auch stets sebr lehrreich. Auch aus der reichen gelehrten Correspondenz G.'s werden Auszüge geboten, insofern diese für die Wissenschaft von Bedeutung sind. Von Interesse ist in dieser Zeitschrift auch die Aufdeckung der vielfachen Bestehungen, welche die Religion und «beschichte deS EhristenthnmS zum Judenthum, bat. Die christlichen Gelehrten fangen nunmehr an einzuseben, daß sie nicht bloö für das Verständniß des JudenthumS bei uns zu lernen haben, sondern daß ibnen da« richtige und vollständige Verständniß ibrer eigene» Religion durch unS erst klar gemacht und offen gedeckt wird. ES ist dies ein nickt hoch genug an;uschlagender Gewinn und Fortschritt. R. Ilistniro adregee des zuits et sie leurs eroyaiices, >ar Elie Aristide Astruc, grand rabbin de ielgique. Paris, L. Hachette et Comp., IHß9 — DaS vorliegende Bücklein ist von kleinem Umfangs ober von reichem Inhalt. Die Bedeutung, welche dasselbe bereits gewonnen hat, zeugt dafür. Es bat auf der orthodoxen Heerstraße de« französische» Judenlhums viel Staub.aufgewirbelt; es bat wenig daran gefeblk, man hätte den freisinnigen Verfasser, bei dem man sich solcher Angriffe auf jüdisch-traditionelle Ideen nicht versehen batte, für einen zweiten Acker, für einen Abtrünnigen in Israel erklärt. Das Buck weicht ganz von den gewöhnlichen Lehrbüchern biblischer Geschickte ab; es ist ihm mehr um die Entwicklung der Ideen zu thun, welche der Geschichte zu Grunde liegen. Der Verfasser faßt diese Ideen unter den Begriff von croyance, ohne damit sagen zu wolle», daß eö feststehende, unangreisbare Dogmen seien. Schon dieser Umstand hätte die Beurtheiler vorsichtig und milder stimmen sollen. Die Hagada,' die ideelle Deutung des JudenthumS, ist ja von jeher der fub jektiven Anschauung freigegebrn worden. Eö ist sogar der Schrift viel besser gedient, wenn dasjenige, was thatfächlich nickt zu begreifen ist, allegorisch erklärt wird. Diese Deutungsmeise wird auch noch dadurch - unterstützt, daß diese allegorische und parabolische * 2)iirjlr(Iung4»eife tfm dan3eit orientalischer und übrigen jüdischen Schriftthnm entspricht. Auch darin hat man den Werth des Büchleins völlig verkannt, daß man dasselbe für die Schulen und den dortigen biblischen Geschichtsunterricht nicht geeignet erklärte. Freilich für den ersten Unterricht ist eö nicht geschrieben. Dieser hält sich a» gegebene Thatsachen und deutet diese nicht. ES, setzt vielmehr den Stoff der Geschichte voraus, um nunmehr das Verständniß desselben zu eröffnen und die Verwerthung deffelben für religiöse Aufklärung und sittliches Leben zu bewirken. Für diesen Zweck hätten wir aber eine größere Ausführlichkeit gewünscht. ES genügt für fsie meisten unserer Lehrer nicht, bloße Andeutungen zu geben, wie sie sich in diesem Buche vorfinden Die ganz« AnschauungS- und DeutnngSweise ist ihnen zu fremd, um die Jd.en nicht vollständig entwickeln zu müssen. Mit Reckt betrachtet der Verfasser auch das Christenthum und den Islam als Phasen des JudenthumS und zieht deshalb auch deren Geschickte mit in die Darstellung von der Entwicklung der Ideen des JudenthumS. — Wir begreifen, daß die französischen Schulen nickt reif genug sind für fcie Behandlung der jüdischen «beschickte in dieser Weise und in diesem Sinne. Dag« man ihnen aber eine solche schon zumntbcn konnte, bewein, daß die geistige «Währung und (Entwicklung begonnen bat. Der Dämpfer, welker derselben durch, die staatliche Centralisatiorr des jüdischen Consistoriumö aufgesetzt worden ist, bat sienur bis jetzt zurückgebalten. Ein anderes Hinderniß bot die von den elsaffiscken Juden ausgehende Orthodoxie. Diese aber geben einer Germanisirung entgegen, und so wird fick auch wobl das Judentbum des übrigen Frankreichs frei r entwickeln. Außer Paris ist dies freilich numerifch'fo unbedeutend, daß es an. in,geistiger Beziehung von keinem ' entscheidenden Einflüsse fein wird R. ' Kaiserling und Kohn in Pesth übernehmen von IST I ab die Redaktion der un torischen Zeitschrift „Jzraelita jtözlöni als ungarisch-jüdische Wochenschrift und als Organ für «Gemeinde, Scknl und Harro. Das Blatt wird forlfahren, vorzüglich die j'idisch-rn.- ga'ijcken Interessen' zu behandeln, Auch erscheint in Amerika ein russisch jüdisches Blatt: .Oie Post" rm Jorgon und in Lemberg ein Hebräisches: ryn „(Die Zeit)". Von den Töchtern deo Baron Anlvny Rothschild in London: Constaickin und Anna wird eine jüdische Volksuns Literaturgeschichte in 2 Zeilen vorbereitet.