Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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im Frieden nie theilgenommen, sind durch sie plötzlich stark vermehrt worden. Ihre Anhänglichkeit gn Frankreich ist übrigens motivirt. Sie wissen, was sie der großen Revolution schulden, daß von Frankreich die Emancipation der Juden auSzegangen, und daß es in Deutschland mit der sogenannten Toleranz noch lange nicht so weit gekommen, als in dem Lande, das sie ats ihr gelobtes Land zu betrachten, sich durch mehr als siebzig Jahre , gewöhnt haben. Nur Schade, daß dieser Patriotismus einen bonapartistischen Anstrich hat. Die Juden waren zu allen Zeiten und mehr oder weniger überall große Verehrer Navoleon's I., besonders aber im Elsaß, wo man ihn als eine Art von Messias betrachtet und ihm manches Verdienst, manche Erleichterung zuschrieb, die man eigentlich der von ihm getödteien Revolution schuldete. Mit Stolz blickte man da auf die von Napoleon eingesetzten Sanhedrine zurück, an denen 'die Juden eine unabhängige Vertretung ihrer besonderen Jnteresien besaßen, und die vielen ihrer Glaubensgenossen ein Bewußtsein gaben, als wären sie Senatoren. Die Tradition kam auch dem Neffen lzu gute, uud man muß gestehen, daß die französischen Juden, abgesehen von seiner allgemeinen Politik, alle Ursache hatten, mit Louis Napoleon zufrieden zu sein, da sie unter ihm, trotz aller Koketterie mit Papst und Kirche, nicht die geringste Beschränkung erlitten, Handel und Gewerbe in Blüthe standen, die Tarife ihnen zugute kamen und sie auf dem Fuße vollkommenster Gleichheit mit ihren christlichen Mitbürgern erhalten wurden. Abgesehen von der Zunahme ihres Reichthumes, waren ihnen auch alle einträglichen und Ehrenstellen in in der Armee, der Registratur und Verwaltung ohne Hinderniß zugänglich, und mit Stolz jähen sie ihre Glaubensgenossen als hohe Ofsiciere, als Procureurs, als Rickler:c., besonders als höchstgestellte Aerzte in der Armee thätig. (Schluß folgt.) Anzeigen. /Kin wohlerzogener Knabe, der Lust hat Schriftsetz er zu werden, kann bei mir unter sehr annehmbaren Bedingungen sofort in die Lehre treten. Brilon (Westphalen), im Dec. 1870. DI. FricdlÄnder, Buchdruckereibesitzer und Buckhändler. Lehrervacanzen-Liste. Wir hatten bisher, weil wir mit Recht voraussetzten. daß Aufnahme und Uebersiedlung von Lehrern nicht in solcher Zeit geschehen würde, die Vacanzen- Liste eingestellt, und «ollen sie nun, bei ruhigerer Zeit, wieder aufnehmen; werden sie auch, so Gott will, regelmäßig fortsühren. Zur Zeit sind vacant: 1) Bühl in Ba^en: Cantorstelle,700—820 Gulden Gehalt. Meldungen beim Synagvgenrath. 2) Frankfurt a. M.: Cantorstelle an der Hauptsynagoge. Meldungen beim Gemeindevorstand. 3) Paderborn, Waisen-ErziehungS- Anstalt: Lehrerstelle; Elementar-, Religions-, hebr., französischen und GesangS-Unterricht; Gehalt, 500 Thaler. Meldungen bei F Nathan, Vorsteherin. 4) Beelitz bei Potsdam: Religionslehrer, Vorbeter- und Sckächterstelle (1. Mai 1871); Einkommen jährl. 170—180Thlr. H. Marc US, Vorsteher. 5) Schmirgel: Elementarlehrerstelle; Gehalr, 300 Thlr. ' Meldungen beim CorporationSvorsteher Jacob Hamburger. 6) Barby a. d. Elbe: Elementqr-, Religionslehrer-, Cantor- und Sckächterstelle; Gehalt, 250 Thr., Schächtergebühren, 40 Thr. Meldungen beim Vor- . stand Eduard Freudenberg. 7) Schwerin ä. W.: zweite Lehrerstelle an der Elementarschule; Gehalt, 294 Thr.; Nebeneinkünste und eventuelle Uebertdagung der Haüsvaterstelle an der Benda'schen Waisenanstalt für israel! Knaben das. Meldungen bei dem- Schulvorst.-Jos. Friedländer. 8) Frankfurt a. d. O.: zweite Cantor- und Religionslehrerstelle; Gehalt, 100 Thr. Meldungen bei dem Vorstände der Synazogengemeirtde. 9) H a i n st a d t bei Buchen in Badet»: Re'igionslehrer, Vorbeter und Schächter; Gehalt, 300 fl. Meldungen bei Vorsteher F. Kaufmann.; 10) Reinheim bei Dieburg: ReligionSlehrer und Vorbeter-; Gehalt, 25 > 300 fl. Meldungen bei Herz Lehinann, Vorsteher. Offene Cantor-Stelle. z Die Stelle eines Vorsängers' und Schächters bei drr hiesigen Gemeinde soll wieder besetzt werden. Concurrenzfähige Bewerber »vollen sofort ihre deßfallsigen Gesuche bei dein, unterz ichneten Vorstande, unter Einsendung ihrer Zeugnisse, anmelden. Der Gehalt beträgt einschließlich Wohnung und Nebengefälle 800 —900 fl. und kann bei besonders guten Leistungen in der Leitung eines SynagvgenchorS und der theilweisen Ertheilung des Religions, bezw: hebräischen Unterrichts. erhöht werden. Bühl in Baden, 7 December WO.!Hax Edeshelmer.