Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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,v/.> Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitisch ens Lehr er st andes Organ für den Verein „Achanm." | Jfä 47. Den 23. November 1870. 10. Jahrgang- Wöchentlich 1 Rümmer Vierteljährlicher ilbonnementSvteis 40 kr. — IU/2 Sgr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petitzeü». Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Sendschreiben an einen christlichen Freund, dieCommunalschule als Bolksschule der Zukunft betreffend. Cie haben, verehrter Herr und Freund, in unserer jüngsten Unterhaltung, die Erfolge der deutschen Truppen auch mit der Zukunst unserer deutschen Volksschule in Verbindung gebracht, und hegen die zuversichtlichste Hoffnung, daß der S'eg der deutschen Heere den Anssäwung auch der geistigen Interessen und mithin „lie Hebung der deutschen Volksschule auf eine bisher unerreichbare Höbe" zur unausbleiblichen Folge haben werde. ES schmerzt mich tief, daß ich Ihre Hoffnungen nickt zu theilrn vermag. Ich will jetzt nicht untersuchen, ob denn wirklich gegen die Selbstüberhebung, mit welcher m'an unsrerseits oft auf diese Siege als kiner Folge unserer geistigen Ueberlegenheit blickt, nicht gegründete Einwände zu machen sein würden, unk ob die Geschickte der Kriege dieses Jahrhunderts diese in alle» Zeitschriften so oft wiederholte Anschauung wirklich bestätigt; ob die beim preußisch-österreichischen- Kriege im Jahre 1866zum erstenmole erfundene Phrase vom „preußischen Schulmeister, der den österreichischen geschlagen," eine Wahrheit enthält Es ist sicherlich nicht wahr, daß stets nur das gebild-tere^ Volk gesiegt. Als im Jahre 1806 die Preußen von den Franzosen so sehr aufS Haupt geschlagen wurden, waren sie da ungebildeter als 1813, wo jene diese schlugen? Waren die Russen damals gebildeter als die Franzosen? Sind wohl die süddeutschen VclkSklasien seit 1866 so sehr fortgeschritten, da sie heute sich den Preußen vollständig ebenbürtig erweisen? — Wenn aber wirklich der preußische „Schulmeister" eS ist, der diese Siege erfochten bat, warum hat man von 1854 bis beute e>nen so entsetzlich rückschrittlichen - Weg im preußischen Schulwesen eingeicklagen und ist vom alten, also auch in diesem Kriege bewährten Wege abgewichen? Denn daß der Regulativgeist von Stiehl- Mübler und Eonsorten in der Soldaten - Generation von 1866 und 1870 noch nickt zum Durchbruch gekommen, daß vielmebr die Ksnder der Gegenwart vom unheilvollen, verführerischen SaianSgeiste DiesterwegS — wir reden hier die Sprache der ob.ngenannten Männer — noch besessen und nock nickt von jenem Geiste, den man jetzt will, „durchsäfiert" sind, das lehrt ein einfach Rechenepempel. Wird also jetzt 7,dcs Königs Wort" den Manen jener großen Verstorbenen gereckt werden und wird er, vom Siege heimkehrend, die obengenannten „ bewährten Diener der Krone" zmückw'isen und einem Mann vom Schlage der ob ihres Unglaubens „Verdammten" das Ministerium des Culius übertragen? Ich zweifle sehr,.oaß Sie nur an eine solche Combination glauben; Sie sind vielmehr mit nur überzeugt, daß die jetzt und seit 1854 am Ruder stehenden Männer leider nur der Gewalt weichen werden; ick weiß aber auch, daß Sie freisinnig genug sind, um einzusehen, daß kein Heil für die Schule erwartet werden^kann, so lange der Geist der Intoleranz, der Geist des abschließenden CcnfessionaliSmuS am Ruder sitzt, der in diesen Männer seinen Ausdruck findet, die, mit einem Worte, jede Schule zu einem Staate macken wollen, der autokratisck und absolut von einem Geistlichen vom Schlage Leo — Wagner — Stahl — Stiehl — Mühler's und anderer edlen Genossen der einen oder der anderen Ecnfession geleitet und beherrscht wird. — Es schmerzt mich stets, wenn ick seit Beginn dieses Krieges auch' freisinnige, pädagogische und religiöse Blätter lese, die in diesem Tone bramarbanren. Nein, wir sollten uns so vielmals möglich hüten, Religion und Bildung allzusehr in daS'Kriegsgetümmel hineinzuziehen. Der Patriotismus ist eine erhabene Kraft im sittlichen Leben der Menschheit -- er mag durchfechten , waS er begonnen bgt. Es schadet nicht, wenn man ihm Relig'on und Bildung als Begleiter gibt, damit auch im Kriege das zu Loden getretene 1