Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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362 — in Diarchfeld (Nachzahl. I Tblr.), Ls. Herzield in Neustadt, B- Alexander in Obrigheim. Jacob Strauß in Grünstadt, Lecp. Friedberg in Niederwiesen. 4lbr. Weinstock in Sckmalnau (Nachzahl. 1 Tblr.) I. Kirsch in Marksteft, Jondorf in Zirndorf, Obermeier in Sulzback. Lazar. Schwab in Neustadt o. H., 41.- AreudS in Stolzenau (Nachzahl. 12 Thlr.), 4l. Morgcntbal in Idstein, -S. Ortlieb in Heidelberg, M. Brandes in Wanfried, Jacob Haas in Treis (Nachzabl. 2 Thlr.), Dachauer in Thalmössingcn, Dachauer in Bavreuth. Frankfur! a. M, 1. November 1370. Lop old Dann, * Rechner. ilm 29 KLtoöer 1JS70. Wir standen vor einem kleinen Bilde in verblasstem Goldrahmeni Darunter standen die tiefbe. deunamcn Worte: „Lebe im Ganzen!" Adolf Ticstcrwtg. geboren zu'Sicgen den 23. O ct c d e r 1 i 9:'.. 4llso heute vor 8* fahren war der Tag seiner Geourt! Achtzig Jabre! Diese achtzig Jahre! Es ist . ein mächtiger Zeilabfchnist; Gedanken. Meinungen * wechseln und wandeln da, ach, wie oft, in der großen Menge! Wer heule vergöttert wird, wird morgen vergessen und in den Koth getreten! Was heute als He l der Zukunft gepriesen wird, ist morgen Abgötterei. Die Gebilde Deines. Geistes umgeben mich, Du bist Dir gleich geblieben, wie nur Wenige'! Dort die Büste, die Dein geistreiches Gesicht so berrlick unscharf heroortreren und die Gedanken ahnen läßt, die u:::er der mäcktigen Stirne gährten und kämpfend an dar- Helle Licht des Tages traten; vier das andere B'td, das Dich im Alter zeigt; dort Deine unsterblichen Schriften, die „Klassiker der Pädagogik," Tein „Wegweiser," Deine „Rheinischen Blätter," Deine „Pädagogischen Jahrbücher," eine herrliche Reibe; selbst . Deine bedeutsamste methodische Schrift, die „Populäre' Himmelskmite," sie alle sind Zeugnisie Deines unsterblichen Geistes; alle find der getreue Ausdruck einer unwandelbaren Energie, eines wandelloien ManmiumS. — aBi'es d er Weg!" „Strebe zum Ganzen! “ Eben bringt der Postbote die Zeitung, die die Eapuwal-cn von-Metz mittbeilr. Wenn in abermals U fahren das historische Dalum vom 23. Oktober wieder «rscheink, werden Deine Getreuen, dieLebrer, dann de» „'^eburrelag TiesterwegS" über den Tag der Eapimlation. von Metz stellen? Wer kann es wissen? Wir aber wellen es besten! Der „Wegweiser" von Sack stellt an die Spitze seiner Nummer 43 eine beberziqenSwerthe „Rede an eine kleine Gemeinde zum 29. Oktober 1870", die wir hier wiedergeben, obwohl wir nicht in jeder Beziehung beistimmen wollen, insbesondere in der fast skeptischen Verurtheilnng unserer Zeit. Wohl.... eS mag Vieles scheinbar schlimmer geworden sein, aber die Welt im Ganzen und Großen ist doch fortgeschritten; die von dem Redner fast geschmähten „rauchenden Schornsteine" sind doch die Zeugnisie einer mächtig fortschreitenden Intelligenz. Die Welt kann nicht stille sieben und auck die Menschheil kan» nicht stille stehen, noch weniger für die Dauer zurückgehen. „Tausend Jahre sind in deinen Augen ein Dag." Innerlich gährt eS, und die „kleine Gemeinde," zu der wir von den Zielen unseres Lebens, von den Hoffnungen für die Zukunft sprechen, sie'ist trotzallcdem und alledem groß; sie ist in Wahrhest die groste. O ja, es gibt Tausende von Menschen, die im tiefsten Innern zu dieser Gemeinde gehören, in welcher .,G o t t" wohnt, in welcher der ewige Geist seinen Sitz aufgeschlagen. Und wenn auch furchtbare Zeiten kommen, wie die Gegenwart, wo der Genius der Menschheit trauernd sein Haupt verhüllt: daß dies Tausende ahnen, wissen j und fühlen das gibt uns unseie Zuversicht, daß die ' großen Menschen, welche als die Erlöser der Mensch-! heit Erhabenes dachten, fühlten und wirkten, nicht i vergebens lebten und wirkten.! Wenn wir nun vom Allgemeinen auf das Bel sondere, auf daS Jüdische, zurückgreifen dürfen. — : man wird daS, nack unserer Auffassung des Judeni lhums, nickt als Widerspruch mit den olenange-! deuteten Ideen beurtheilen. — so erkennen wir auch! hier, trotz anscheinender Rückschritte, den im Stillen > sorlwirkenden Fortschritt, den großen Gang der Gel schickte. JndisfereiuismuS kann auf die Dauer nicht; befriedigen, das „Nichts' ist kein Estment der^ Gei 'ckichie, das auf Bestand rechnen darf. Aber auch! daS letzte 4lufflackern des Fanatismus wird um so! eher verschwinden, als es eben eine brennende, sich selbst verzehrende Flamme ist, — je schneller, je wülbcnder sie umzugreisen d-obt, desto eher istS aus mit ihr. Es ist ja nicht das jüdische Volk, daS in diesem Siegeslaumel wider alles Besiere und Zeitgemäße wüthct, eS sind nur einige Schreier, die das, was die Reformatoren der letzten hundert Jahre von Mendelssohn biS heute gedacht und geschaffen haben, verketzern und tödleu wollen. Der Geist läßt sich nicht rödten. Im Geiste frei', im Herzen treu, ist; die Losung unserer Wirksamkeit für die Zukunft. Wer l „im Ganzen lebt," wird sich nicht beirren lassen von : dem Unkenrufe eines schmerzenreichen Moments. In diejem Sinne bringen wir die I