Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenlhums und insbesondere des is-raelitischen Ljehrerfta n d e s. " Organ für -en Verein „Achawa.^ J/l 44. Den 2. November 187«. 10. Zohrgang Wöchentlich 1 Rümmer Vierteljährlicher LbonnemcntspreiS 40 kr. — 11 >/o Sqr. Anzeigen zu 1 Tgr. die Peritzeile Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungm an. Mekigion und Kumanilät. (Schluß.) Wir glauben wohl, daß das theologische Svstem — auch das freisinnige und das theologisch-philosophische Schulsystem — in dieser Richtung anders urtheilen würde. Wir unsrerseits rufen nur die Vernunft, daö Gefühl und die Erfahrung zu Hülfe, um uns ungebührlicher Zumuthungen, von welcher Seite T.e auch kommen mögen, zu erwehren. Die Orthodoxie sagt: daö Gesetz muß erhalten werden; wir haben kein Recht, uns davon zu entbinden, denn es ist göttliches Gesetz. Gut, sagen wir; ist aber Alles göttliches Gesetz, wao Ihr-als solches bezeichnet? Wir zweifeln, daß Ihr im Stande fein werdet, Eure verschiedenen Richtungen über die Grenzen dieses Gesetzes zu einigen. Gibt es ja welche unter Euch, die den ]>mv als allein und allgemein gültige Norm anerkennen, und Andere wieder, welche den Satz mm utiqk Jn;c als Gesetz gelten lassen und doch gibt es L'xmv, ReligionSgebräuche, an welchen Ihr und Eure Gesinnungsgenossen festhalten, von welchen aber der selbst sogt: rucn yuc1? c’i. Mit dialektischen Waffen, vor dem Forum Euerer scholastischen Theologie mcget Ihr selbst das als Consequenz vertheidigen wollen; vor dem Richterstuhledes gesunden Menschenverstandes ist damit Euren sämmtlichen Vordersätzen die Beweiskraft genommen. Die Orthodoxie sagt: die Späteren haben kein Recht, Anordnungen der Früheren umzustoßen. — Aber ist nicht die Vermehrung der Umzäunungen des ursprünglichen Gesetzes, die die Späteren unternahmen; sind die vermehrten Gebräuche und Gesetze, sind nicht selbst dir endgültigen Entscheidungen über frühere kontroverse Fragen — Umstoßungen und Veränderungen gewesen? Wer sagt uns, ob die jetzigen ReligionSbebörden, die solche Abänderungen anordnen und schafien, von Gesetzen, welche immernur in einer geschichtlich nachweisbaren Periode partielle Gültigkeit und vielleicht nie allgemeine Gültigkeit hatten, — nicht j’jczi r.crna tn-u sind?; - Ihr sagt: die Menschheit hat noch nicht die Höbe der messianischen! civilisatorischen Entwicklung erreicht; sie kann die streiigen Normen des erziehenden Gesetzes noch nicht entbehren; sie muß daher weiter so stehen bleiben in den Ja. bis wann?, das ist d'auzourdtmi n'est zins alten Formen, bis. der Knoten. Le possible le possible <ie demain. Erziehende Gesetze müssen heutzutage, mußten allezeit Inhalt baben Der einzige Fastor, der oft in Rechnung gezogen ist — der Eeborsam — reicht nickt bin zur Erziehung der Menschheit; und dann: — wenn die Menschheit nickt weiter gekommen wäre in Civilisation und Humanität — was wir leugnen, trotzdem der Augenickein gegen uns zu sprechen scheint — so wäre da« ein Beweis dafür, daß eben die alten Formen dies nickt vermochten, nickt für die Erziehung der Menschheit taugten oder nickt ausreichend waren. Aber nein, wir haben eS selbst gesagt, am Anfänge dieses Krieges: wobl hat die Menschheit diejenige Höhe der Humanität und Civilisation iiicht erreicht, welche wir erwarten und für die Zutiunft ahnen; eine Ahnung, deren Verwirklichung kommen wird, so gewiß, al» diese Ideen göttliche sind. Aber weiter sind wir gekommen, daS beweist diese Ahnung,, das beweisen die Millionen Stimmen, chelche den Krieg an sich verurtheilen als eine Barbarei des HcidenthumS, während vor 100 oder 200 Jahren noch sehr wenig Menschen an eine solche allgemein« principielle Verurtheilung des Krieges dachten. Göttliches,Gesetz, dcsS sind eben diese ewigen Ideen der Menschheit, der Humanität, der Civilisation, der Menschenverbrüderung^ des Fortschritts. Göttliches Gesetz, daS ist die Liebe »er Eltern zu den Kindern