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Der israelitische Lehrer · 1870-10-19 · 42 (19.10.1870) · p. Seite 343

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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— 343 — „Wer sein Leben retten will, der verliert es. — Hoheit deS LehrerberufeS. Nur der Lehrer führt in der Ausübung seine« Amtes ein höheres, aufs Productren sittlicher und religiöser Erscheinungen unmittelbar gerichtetes Leben. Alle auf den Gelderwerb unmittelbar gerichteten Befibäftigungen und Stände sind davon per se ausgeschlossen. Denn der Handelsmann, wozu auch der Handwerker gehört, muß nicht ‘feiten sogar die Grenzen der Moralität überschreiten, wenn er seinen materiellen Gewinn fördern will. Und so erzielt also nur der Studirte durch seine Praxis Inneres. Aber auch von diesem gilt diese Behauptung in hohem Grade nur vom Erzieher. Denn der Jurist beugt, nur zu leicht das Recht, und im besten Falle wirkt er für den Sieg .loyaler Handlungen, die wie die Differenz der Gesetze'verschiedener Zeiten und einer und derselben Zeit zur Genüge auSweiset, man ja nicht mit absolut sittlichen verwechseln darf. Die Kunst des Arztes dienet nur der Erhaltung des physischen Lebens, ohne Rücksicht auf die Art und Weise, ob und wie dieses physische Leben der Sittlichkeit dienet. Und selbst dann, wenn die Medizin zur physischen ErziehunzS - Wissenschaft gebracht würde, steht immer noch der moralische und religiöse Erzieher, was den Zweck seiner Thätig betrifft, über ihn. Der eigentliche Akademiker fördert und lebt der Wissenschaft und baut das Erkenntnißvermögen auS, erweitert das Wissen. Aber das ist nicht das Höchste und selbst das Genie irrt, wenn eS glaubt, für sich in und durch Wissenschaft seine Vollendung zu erreichen. Sein Amt muß auch er nur als Wirkungssphäre für's Irdische und als Mittel, fein Inneres durch Thaten auszubilden, ansehen. Er dient ebenso häufig der Steigerung böser als guter Gesinnungen. Und der Beifall, der namentlich einem phylosophischen Systeme wird, hängt von dem Glück ab, mit dem er das vorangegangene Pbylosophon bekämpft und vernichtet. So bleibt also keine prattische Wirksamkeit, die unmittelbar das Höhere erzielt, das Gemüih veredelt, Sittlichkeit und Frömmigkeit befördert, übrig, als das Amt des Lehrers und Erzieher«. Erziehung in der Schule und in der Kirche. Seid mir gepriesen ihr Werkstätten des Unvergänglichen und bleibend Schönen! Und heiliget uns mehr und mehr in dem Erkennen und Thun dessen.was sich ziemet!!! —,1) Der Seminarist, wie der Züng'ing überhaupt, soll denken, uud durch Denken erfahren und einsehen, begreifen, daß sein Denken meist nur ein Versuch ist, dessen Resultate nicht unwandelbar fest stehen, sondern die sich »och gar mannigfaltig verändern und umwandeln werden. 2. Von Seminaristen (Seminaranstalten) gilt das Schiller'icl'e Wort: „Aber entfaltet sich auch nur einer, einer allein streut e>ne lebendige Welt ewiger Bildungen aus." 3. WaS ein Seminar nickt ist: n. kein VersorgungShauS, b. keine Fabrikanstalt, v. kein Treibhaus. Was ein Seminar ist: a. eine UnterrichtSanstalt, b eine MenschenbildungSanstalt, c. eine Schule künftiger Lehrer, Und wegen a, b, o auch 6. ein Gotteshaus. 4. Die Seminaristen bedürfen, je länger sie im Seminar gewesen sind, immer weniger und weniger des Unterrichts. Anfangs muß ihnen, weil sie noch nicht zu lernen verstehen, daö Lernen gelehrt werden. Sobald sie es können und je mehr sie es können, desto mehr mag man sie bloß anleiten zum Selbststudium. Endlich, wenn sie vollends das Lernen gelernt haben, werden sie aus der Anstalt entlassen. 5. Von ungemeiner Wichtigkeit ist es für Seminaristen, daß sie lernen ein Buch lesen, verstehen, gebrauchen, durckdenken, studiren. Dazu muß ihnen Anleitung werden. Daher erst Unterricht in den durch eigene Kraft zu erschaffenden Wöhrhei»- ten (über Mathematik rc.) dann daö Ringen nach Kenntnissen. '.Erst Erkenutnisie, dann Kenntnisse. Und um jener Wichtigkeit willen die Belehrung über ein schweres, wichtiges Buch; z. B. Grüner. Durch Streben nach Hock- und Tiesiiegendem wird man hoch und tief. Hohe Ansichten sind _tiefe Einsichten sind der Erfolg. Wissenschaftlichkeit. Oder fruchtet irgend ein Wiffen ohne Umsicht, tiefe Begründung, Wissenschaftlichkeit? Der Erfolg. lehrt es. Daher Wissenschaftlichkeit im Seminap-Unterricht. Populär und und elementarisch, d. h. zergliedernd, lückenlos und fortschreitend, begründend und beweisend. Wir müssen uns enthalten, MehrereS a»S dem Schriftcheu abzuschreiben. Möge eS große Verbreitung finden und dazu dienen, Diesterweg'fchen Geist in immer weitere Kreise dringen zu lassen. .. ’ ~ r* ■ ■” Anzeigen. Zum Semesterwechsel empfehlen wir und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen: Der Unterricht im Hebräischen, Methodische Anleitung für israelitische Lehrer und die eS werden wollen von J. Klingensteiu, Lehrer. DaS vielverbreitete Schriftchen bespricht den gelammten Unterricht im Hebräischen und ist ein vorzügliches Hilfsmittel für angehende Lehrer, welche sich über diesen schwierigen Gegenstand eingehend zu belehren suchen/

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