Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 340 — ' Gffeu, 23. Sept. Zn feierlicher Weise fand heute in den Abendstunden von 5 bis 7 Uhr die Einweihung der neuen Synagogen der hiesigen, gegenwärtig 700 Seesen umfassenden israelitischen Gemeinde statt. DaS Gebäude steht an Stelle des alten, im Zahre 1808 errichteten. Der Bau ist nach einem Plane des Bauinspectors Spannagel (gegenwärtig in Liegnitz) von dem nunmehrigen Kreisbaumeister Hrn. Schultze ausgeführt. Von -zwei Kuppelthürmen flau--, kirt, ist eri äußerlich in einfach edlem, orientalischem styl gehalten. Das Innere mit flacher, verzierter Holzdecke ist in seinen hellen, milden Farben und der , ganzen Architektur vpn angenehmer Wirkung, dir Gal- ' lerien und Orgelbühne springen weit vor, es ist für circa 500 Sitzplätze Raum. Die Estrade, auf welcher-. sich das Rednerpult vor der für die heilige Lade bestimmten, einfach dekorirteu Nische befindet, war mit i Topfg-wächscn geschmückt. ' Zu der Feier hatten sich i außer der Gemeinde die Herren Pastoren Beising und : Fischer katholischer' und Herr Pastor Wächtler evan- -gelischer Seit?, sowie die Herren Bürgermeister Hache, Polizeiinspector Dähpe, LandrathamtS-Verweser Zörnsch und Major v. Forstne» eingefunden. Nach einer > Abschiedsfeier' in der Synagcgenschule begab sich der : ,-^ug der 12 Thoraträger, an der Spitze der Prediger, j Herr Lehrer Blumenfeld und der Vorsteher der Ge-! meinde, Herr Hrinemann, in die neue Synagogej, wo . der übrige Theil d.r Gemeinde bereits versammeltwar. j Unter Orgelklang und Cborgesang betrat der Zug die Estrade und hielt unter abwechselnden. Hebräischen und Deutschen Gebeten und Gesängen einen dreimaligen Umzug, worauf die Thorarcllen von dem Prediger in die heilige Lade gestellt wurden. Ein inniges Einweibungsgebet und nochmaliger Gesang von der Orgelbühne gingen der nunmehr folgenden Weiherede des Herrn Blümenfeld voran. Letztere war der Ausfluß einer warmen religiösen Begeisterung und behan- . beite, auf Grund des 66. Kapitels des Jesaias, die. Bedeutung der Synagoge für die Gegenwart in vier Beziehungen: der Anb.nung eines einigen und einzigen Gottes, der Sammlung und Erhebung des Gemütbs, der Selbfterkenntniß und Nächstenliebe, .sowie der Ehrfurcht vor dem Höchsten. Nach einem schönen Dankgesang des Sängerchors sprach der Prediger zum Schluß ein von echt patriotischem Geiste durchwehtes Gebet für König und Vaterland, worin er um Bewahrung des Heldenkönigs Wilhelm flehte, der für Deutschlands Ehre und Wohlfahrt, wie für einen dauerhaften, verbürgte» Frieden siegreich streite gegen ein übermülhigee, verblendetes Volk, um Schutz für : unser herrliches Fürstenhaus, für unser tapferes Deutsches Hesr und-die Seelen der im blutigen Kampfe : Gefallenen, tfir -unser ganzes Deutsches Vaterland, . dem die segensreiche Fruchte so schwerer Opfer in , dauernder Einigkeit, Freiheit und Größe Deutschlands zu Theil werden möge. Die ganze Feier machte durch die harmonischen Chorgesänge, in welchen besonders die Frauenstimmen rein und hell hervortraten, durch dm schönen Klang der Orgel und die beredten, von warmem Gefühl und regem Geist belebten Ansprachen und Gebete des Herrn Blumenfeld einen erhebenden weihevollen Eindruck. u / Berlin Ein preuß. Füsilier, iör Religion, der vor Metz steht, schreibt an seine Verwandten in Berlin: ,Da der VersöhnungStag auf Mittwoch, den 5. Oclober fällt, haben wir Schlesier^ und viele Posencr uns zusammengethan, um diesen unfern heiligsten Tag würdig zu begehen. 'Bis jetzt sind wir 1174 Mann beisammen, Unterofsicier Hirschberg ist unser erster, Füsilier Seligmann unser zweiter Cantor, die Thora haben wir von Thorn bekommen und werden, so Gott will und. Bazaine uns in Rkche läßt, auf freiem Felde unfern Gottesdienst verrichten; sonderbar genug werden wir uns in Uniform, Pickelhaube und Tallis auSnehmen. Unsere christlichen Kameraden werden einige hundert Schritte von uns Wache halten, damit wir nicht gestört werden. Hannover. Eine Entscheidung, welche vorkommenden Falles auch anderswo wichtig oder maßgebend sein kann, ist vor einigen Tagen vom Gerichtshof in Hannover gefällt worden. Vier Geschworene isr. Glaubens stellten anläßlich des NcujahrS- und Versöhnungstages den Antrag, von der Sitzung auf zwei Tage dispenfirt zu werden. Gerichtsseitig wurde dieser Antrag abgelehnt, weil nach dem Gesetze die jüdischen Feiertage nicht als solche anzusehen seien, die von der Tbeilnabme an Schwurgerichtssitzungen entbinden können. (Es ist aber doch vor einiger Zeit vorgekommen, daß ein JSraelite in Folge seiner «Energie von den Schwurgericktssitzungen amSabb a t dispenfirt worden? Red.) Im Schlosse zu Ferneres, das dem Baron v. Rothschild gehört, befindet sich eine Synagoge, in welcher auf Befehl des Königs an den hohen jüdischen Festtagen »ür die Soldaten jüdischen Glaubens ein feierlicher Gottesdienst stattgefunden hat. — Hamburg Am Versöhnungstage nahmen zwei französische Ge'angene unter entsprechender Bewachung an dem Gottesdienst Theil. — Zn dem jüngst hier publicnten Testamente des verstorbenen Kaufmanns Mayer Juda Heumann sind dem Israel. Waisenbause und der Talmud-Thora-Schule je 300 Mark Banco vermacht worden. —