Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Isrselitisclle leltrcr. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judcnlhums und insb eso n^dere des israelitischen Lehrer st andeö Organ für den Verein „Achalva.' M 42. - Den io Oktober 1870, - 10. Zahlgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Abonnementsvreis 40 kr. — II >,2 Sgr. Anzeigen ,u 1 Sgr. die Pelilzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. _ Fteligion und Kumarrilät. (Fortsetzung) - ES gehört zu den Eigentbümlickkeiten einer jeden reactionären Partei, eine Sacke auf die Spitze zu stellen, zu behaupten, was nickt z» behaupten ist, was Niemand mit gesunden Sinnen und Gedanken zu behaupten einsallen kann und dann dieselbe Behauptung andern in die Schuhe zu sckieben. Aehnlick ergeht eö uns mit der vorliegenden Frage. So weit uns das neuere jüdische Schnftthum l-xkannt ist, ist nirgeirdS die Rede davon, dast es Aufgabe des Judenthums sei, über die „Formen und Aeußerlickleiten" überhaupt zur Tagesordnung überzugeben, und nur die Humanität als Inhalt und Aufgabe deS JudentkumS festzubalten. Keinem der freieren Richtung im Judenthum huldigenden Gelehrten ist es noch eingefallen, anzunebmen, dast die Formen und Aeußerlickkeiten, also alle, entbehrlich seien. Niemand denkt daran, die Religion deS JudentbumS ihrer ganzen lebensvollen Erscheinung, ihres Schmuckes sind ihrer gesammten Merkmale und Erkennungszeichen berauben zu wollen. Wenn eS Einzelne gibt, welchen, obwohl sie als Juden geboren, so daS ganze religiöse Leben verloren gegangen und zur Mythe geworden ist, so werden diese doch in der Oeffentlichkeit keinen Platz als Israeliten im praktischen Sinne einnehmen; sie werden höchstens noch durch Stammfseigenthümlichkeiten, durch denZufall der Geburt mil dem Judenthume Zusammenhängen. Wir wissen wohl, dast die Zahl dieser Menschen — Männer und Frauen — in der Gegenwart leider nicht gering ist. Wir wollen hier nicht die Anklage wiederholen, die wir oben schon begründeten: nicht wir, nicht die Männer der Gegenwart, nicht die Lehrer unserer Zeit find schuld an diesen pietätslosen, am israelitischen Stamme verdorrten oder von demselben abgehauenen Zweigen. Wären diejenigen Seelen, die zum Lichte, zur lichtvollen Auffassung der Religion hindrängten, auch erzogen und : unterrichtet worden int Lichte — würden sie vom Judentbume noch etwas Anderes gekernt haben, als starre, unbeugsame, abgestorbene und gemütblose Formen, würde ihr Herz und ihr Geist genährt worden sein am Borne des wabrei,, religiösen Lebens, hätten sie gelernt, das Judentbism zu begreifen, würden die „Ceremonien und Aeußerlichkeiten" darauf eingerichtet! gewesen sein, ihr Gemüth zu erfassen und feitzuhalten; — viele von ihnen würden dem Judentbume erbalten! worden sein, und eS wäre nicht so weit gekommen.! — Doch kehren wir zu unserer Frage zurück. Wir behaupten, dast sie nie in dieser Weise von Männern gestellt worden, die im Namen des Judenthums spra-; cken und in seinem Namen zu sprechen auch daS j. Reckt batten: wörtlich genommen, wäre die Jrage , eine Absurdität; denn sie negirt p auch die jüdische i Lehre, das Bekeuntnist des einigen- und einzigen Gottes | oder mackt dies Bekenntnis; zur Nebensache. Sie! sckreitet über die Synagoge hinweg und, mackt das i Gotteshaus entbehrlich. ' So. weit hat sich wobl noch! kein Rabbiner vergessen; daS ist noch nicht behauptet worden. ES ist damit auch die Alternative aufgehoben, die der Fragesteller stellte Uebrigeus: eben das Be-; streben, die Sache auf die Spitze zu stellen, hat den > Fragesteller vergessen lassen, dast nock Zwischenglieder zwischen diesen äustcrsten Extremen möglich sind, dast es Israeliten geben kann, die weder das Eine noch noch das Andere , weder sich fester an die Eeremonien anschließen, noch-bloS die Humanität als Inhalt und Aufgabe deS JudentbumS festhalten wollen; das sind diejenigen, welche von den Ceremonien des Judenthums zu erhalten suchen, waS einen Kern hat, von einer erhabenen Idee g etragen wird, die die-Ceremonien vergeistigt, während die Crremoni'e die Idee verkörpert. Wir wiederholen, wir wollen nicht „theologisiren." Wir wollen nicht sprechen von dem geschichtlichen