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Der israelitische Lehrer · 1870-10-05 · 40 (5.10.1870) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
40 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Her Ismelitiselle Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Indenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st ander. Organ für den Verein „Achawa." ,, Ji 40. Den 5. Oktober 187« 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Rümmer Vierteljährlicher Abonnementsvrei« 40 kr. — 11>/r Egr. Anzeigen ,u b Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Der Gottesdienst in Kleinen Gemeinden Zu den schwierigen Aufgaben deS Lehrerberufs in kleinen und mittleren israelitischen Gemeinden gehört die Einrichtung und Leitung eines ansprechenden und würdigen Gottesdienstes. Wir haben diesem Gegenstände wohl schon öfters unsere Aufmerksamkeit zugewendet, und auch in diesen Blättern mehrmals davon gesprochen. Mit dem Eintritte in unsere gegenwärtige Stellung trat uns die Frage nock näher, da wir hier ein energisches Bedürfniß und die nöthigen Elemente — eine schöne, geräumige Synagoge, Harmonium u. a. m. — vorfanden. Wir haben uns deshalb die Frage nochmals ernstlich vorgelegt und sind auf Grund unserer Erfahrungen zu den folgenden Entschlüsten und Anschauungen gekommen, die wir unfern Collegen zur Prüfung vorlegen möchten: I.Die erste Anforderung, Hie wir an den Gottesdienst stellen, ist Würde und Einfachheit. Es darf nicht mehr, wie bisher, der Gottesdienst ein bloßes Ableiern feststehender unverstandener Gebete ohne Ordnung und Andacht sein, — daS ,st eine Ueberzeugung, die selbst der einfachste Landmann mit uns theilt. ES ist für daS religiöse Leben in den Gemeinden überhaupt durchaus und unbedingt nöthig, dieser Anschauung des gemeinen Mannes Gerechtigkeit wiederfahren zu lasten. Mit allen theologischen und andern Gründen können wir dem Vorwurf nicht begegnen, den wir oft hören müssen: eS ist uns ganz gleichgültig, was wir hebräisch beten; wir verstehen Alles nicht. Wohl trägt an diesem Uebelstande die Schule viel Schuld. Aber eS ist ja nicht — wir konstatiren dies — die moderne Schule, die dieser Vorwurf trifft; es ist vielmehr die alte Schule, das Chedar, aus dem diese Generation entwachsen ist, die Schule, die man uns wieder aufoctroyren möchte. Wir. wollen dies hier nicht zum Beweise für Behauptungen gelten las» sen, die wir anderwärts genugsam angedeutet hahen. Wir wollen es uns nur zum Sporne dienen lasten, im Interesse unserer heiligen Religion und unseres Gottesdienstes Alles daran zu sehen, daß unsere Jugend mindestens das versteht, was der Gottesdienst als Gebet an hebräischen Theilen enthält und — auch hebräisch erholten werden muß. Zur Würde und zum Anstand trägt außerordentlich viel datz Benehmen deS Lehrers und Leiters beim Gottesdienste selbst bei. Aeußere Ruhe, würdiger, ausdrucksvoller, l von allem unnötbigen und würdelosen Singsang befreiter Vortrag; Pünktlichkeit im Anfang deS Gottesdienstes; anständige Kleidung — Alles das trägt sehr viel zur Würde deS Gottesdienstes bei. 2. Der Typuü deS herkömmlichen Gottesdienstes darf in kleineren Gemeinden nur verändert werden, wo eS durchaus nothwendig erscheint, und andererseits zur Hebung des Ganzen beiträgt. Nie darf es bei etwaigen Kürzungen den Anschein haben, als wollten wir überhaupt bloß kürzen — um zu kürzen, ohne böheren Zweck, ohne deutlich ausgesprochenen Grund. l Es darf darum beispielweise, nach unseret Ansicht, > kein bisher feststehender Gesammltheil deS Gottes-! diensteS, wie an manchen Orten angeftrebt wird, ganz > ausfallen. Der SabbathgotteSdienst besteht aus Schach arith, Vorlesen der Thora und Haphthara, Gebet für die Gemeinde Israel und das Vaterland (nyirn ]rui, ip-ne O'p’), unb Mussapb; sie müssen bleiben. Die Gefühle derjenigen, welche am Herkömmlichen hängen — und eS gibt deren in jeder Gemeinde — müssen möglichst geschont werden. 3. Die Gemeinde darf nickt zum bloßen Zuhören, zur Theilnahmlosigkeit, die leicht in Langeweile ausartet, verdammt «erden; es müsten daher insbesondere die Psalmen, wie herkömmlich, von Vorbete,.'und Gemeinde abwechselnd reeitirt werden, und bleibt dabei eine gar zu große Rückstchtnahme auf Harmonie auSgeschlosten, obwohl ein Zusammenstimmen angestrebt werden muß. 4. Der gottesdienstliche Gesang muß von vornherein einstimmig und darauf berechnet: sein, daß mehr

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