Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432147--3048-4899337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
er Isrselitisckr Iekrer. . Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes Organ für den Verein „Achawa." M 34. Den 24 Auguft 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher AbonnnnentsvreiS 40 kr. — 111/2 Egr. Anzeigen zu I Cgr. di« Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. «Lehrplan der Elementaranb Semiuar-Abihkilung der Marks- Hai»d»rfscheu Stiftung zu Münster in Westphalen. (Fortschung.) Der hebräische Unterricht! Er ist der Zankapfel der jüdischen Schule! Hier soll er ganz oder theilweise abrogirt, dort dem religiösen Bedürfnisse entsprechend beibehalten; hier ist er fast nur geduldet, fakultativ^ dort soll er alle-Andere beherrschen und unterdrücken. Ganz in gleicher Lage befinden sich die Seminare. Man hatte früher das Münsttr'sche Seminar beschuldigt, den bebräiscken Unterricht zu vernachlässigen. ES scheint, daß der derzeitige Direktor in daS andere Extrem verfallen, dem hrbräischen^Unterricht einen so weiten Rahmen zu geben geneigt ist, daß er, sogen wir eS offen und ungescheut, entweder sich selbst oder die Zöglinge deS Seminars, oder — die Welt täuscht. Wir haben uns früher schon gegen einen dessallsigen Lehrplan in diesen Blättern ausgesprochen. Der derzeitige weicht wohl von jenem wesentlich ab; doch ist er nicht weniger undurchführbar. Der Lehrplan gibt selbst zu, daß die Zöglinge vielfach nur ungenügend vorbereitet in das Seminar kommen. Und was soll nun in den 3 Jahren unterrichtet werden? Wohl aufgemerkt: neben Allem, was sonst das Lehrerseminar an profanem Wissen erfordert und wozu, nach den einstimmigen Zeugnissen unserer hervorragendsten Pädagogen, ein dreijähriger SeminarkursuS bei unvollständiger Vorbildung kaum binreicht! Wenn wir den combinirle.i Plan verstehen, so wird im ersten Jahre „das elementar« Wissen in Thora und Thesfillah und Grammatik durch Wiederholen befestigt; dabei haben sie — die Zöglinge des ersten Seminarjahres — Gelegenheit, dem Unterrichte der Zöglinge des zweiten und dritten Jahres beizuwohncn und lernen „zuhörend" — fällt einem da nichtd.as „spielend" lernen pädagogischer Charlatane bei? — Raschicommentare bei der Thora, Dinim bei der Thefillah, tnai und pDic! Nach einigen Monaten des Zuhörens beginnen sie selbstthätig an den genanntm Gegenständen sich zu betheiligen. Combinirt mit dem 2. Kursus übersetzen sie ll'aivun DW2J und leichte ooiro und die wöchentliche Haphthora, — dann Uebung im Thoravorlesen, nachbiblische Geschichte rc., welchem Letzteren wir zustimmen, mindestens nicht widersprechen wollen. Im zweiten Jahre: Selbstständiges Vortragen von Dum und 'v"n Kommentar und Dinim, renm und - pois, mit Nachhilfe des Lehrers. Uebung im min iLv - Lesen und Leeser. II. UebungSbuch, wird durcbgearbeitet und systematischer Unterricht in Grammatik nach Grsenius ertheilt. Combinirt mit dem l. Kursus wird v'mnv und übersetzt. Im dritten Jahre fällt der Unterricht in nbsn, min und -i"j weg und n"j werden mit , ein! emo Werk, rin religionSphilos. Werk in hebr. Sprache : und D’Di’S (!) übersetzt. In «nm und pvis wird. fortgefahren. Hinzu tritt die Lektüre von Predigten! und jüdischer religionS-philosophischer Werke und Sy-! nagogengesänge in deutscher Sprache. In der Synagoge halten die Zöglinge Vorträge aus zmo oder i- Predigten und beten am Sabbat und an Festtagen! vor. . Freie hebräische Arbeiten werden angefertigt j und die systematische Grammatik beschlossen. Sv der Lehrplan, der Unterrichtsstoff. Wir wollen uns nicht mit der Methodik anfbalten, in welcher den Zöglingen dies Alles vorgeführt werden soll, was übrigens den nackten Plan »och ziemlich erweitern dürfte. Da sollen z. B. bei der n^'rn die Dinim durchgenommen und ihre Entwickelung erörtert werden. Da sollen bei d\x:j und Domr die sprachlichen Eigenthümlichkeiten hervorgeboben. der Inhalt eingehend erklärt, die Momente angegeben, au» welcher sich auf die Abfassung der einzelnen Stücke schließen läßt und zuletzt die hervorragenden Meinun-