Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er Jsraclitisdie Jelirer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenihums und insbesondere des israelitischen Lehrer standes Organ für den Verein „Achawa.' Jfä 33. Den 17. August 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich I Nummer Vierteljährlicher AbonnnnentövreiS 4l> kr. — 111/2 Egr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Petüzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. «Fehrptan der Elementar- und Seminar-Abiheilnng der MarkS- Haindorf'fchen Stiftung zu Münster iu Westphaleu. Wenn wir es wagen, den vorliegenden Lehrplan der.Marks-Haindorj'schen Stiftung — unsres Wissens der erste Lehrplan eines jüdischen Seminars, der uns gedruckt Vorgelegen — einer eingehenden Besprechung zu unterziehen und hier einige Bemerknngen über Lehrerbildung überhaupt anzuschließen, so setzen wir voraus, daß unsere Leser und die Lehrer des Seminars eine ganz objektive Würdigung von unS erwarten. Wir sprechen im Interesse der Hebung des LehrerftandeS von der Lehrerbildung. Daß uns diese am Herzen liegt, haben wir wohl öfter bewiesen. Wir sind j immer der Ansicht, daß nur von einer gediegenen Lehrerbildung die Hebung deS ganzen LehrerstandeS ausgehen kann. Wir haben bereits sangedeutet, daß uns daS Ganze des Lehrplanes sehr befriedigte. ES documentirt sich in demselben vor Allem das eifrige Bestreben der Lehrer, ihre Pflicht zu thun, mit Aufgebot aller Kraft und mit aller Hingebung; und «S herrscht in dem Plane insbesondere eine wohlthuende Wärme, eS durchweht das Ganze der Hauch echter Religiosität. Gerade die Anerkennung, die wir dem Ganzen in dieser Richtung zollen müsien, gibt unS auch das Recht, unsere Ueberzeugung auszusprechen von der durchaus unbestreitbaren Unzulänglichkeit der Mittel für die Erfüllung der Aufgabe in dieser Ausdehnung und in der Weise, wie sie die Lehrer deS Seminars, an ihrer Spitze der derzeitige Direktor, mit Aufwendung aller Kraft anstreben. Wir brauchen zur Motivirung dieser Behauptung nicht auf die Einzelheiten dieses Lehrplans einzugehen. Wir wollen nur andeuten, daß 3 Hauptlrhrer — 1 Direktor und. 2 Lehrer — mit 3 *) Hilfslehrern die zusammen 79 Stunden Unterricht ertheilen, nimmer-, mehr im Stande sind, eine Elementarschule, die als Muster sch ule eine erhöhte Bedeutung hat und Höheres leisten muß, als eine gewöhnliche Elementarschule, —und ein Seminar in 3 JahreScursen vollständig zn überwachen und zu leiten. Wir haben alle Hochachtung vor den Bestrebungen und den hohen Zielen, die sich der Direktor gesteckt — Ziele, die, nebenbei gesagt, nach unserem Dafürhalten in einigen Dingen sogar viel zu hoch gesteckt sind, worauf wir übrigens zurückkowmen. Wenn aber das vorliegend« Material mit diesen Kräften verarbeitet werden soll, so kann dies nur auf Kosten der Gründlichkeit geschehen; ein Umstand, den wir unter allen Bedingungen für den Seminarunterricht als höchst schädlich anerj kennen müssen. Wir wiederholen: es ist dies nicht die Sache der Lehrer; sie thun, was sie können. Aber TtngesichtS auch der gegenwärtigen Zeitumstinde, die gewiß auch störend auf die materiellen Berhältnisie der MarkS- Haindorf'schen Stiftung einwirken dürften, stagen wir, was wir schon öfters gefragt und gesagt haben: Zst es absolut nöthig, daß die nordwestlichen preußischen Provinzen — Hessen, Rheinland - Westphalen und Hannover — drei jüdische Seminare **) haben? Ist dieser Partikularismus, Angesichts der unleugbaren Thalfache, daß cS zur'Zeit ollen dreien an den vollständig hinreichenden Mitteln zur gedeihlichen Entwicklung fehlt, geboten oder auch nur zu ent schul-, di gen? Wäre eS nicht zeitgemäß, wenn die einflußreichen Faktoren hier oder dort die Initiative ergriffen zur Verschmelzung der d r e i Anstalten? Dann und nur dann können die Männer die jetzt mit vieler Hinge- *) Diese find nur für Nebenfächer — Musik, Turnen, Zeichnen — verwendet. —) Mit Düsseldorf sogar vier!