Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 31 (3.8.1870)
- Date
- 1870-08-03
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4896751-5428708-5432141--3027-4899319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
255 Händen gewesen, oder sind sie als solche erst später dort aufgetreten? ' * ®ieft interessante Frage wurde kürzlich bei der Pariser Akademie der Wissenschaften durch einen Reisebericht Richard OwenS über Aegypten wieder angeregt. Owen nimmt ein ungefähr gleichzeitiges Erscheinen beider HauSthiere an und setzt dies in eine offenbar viel zu späte Epoche, in die Zeit kurz vor der - Einwanderung der Hirtenkönige, also etwa 1900 bis 1800 vor unserer Zeitrechnung. Diese Ansicht ist nur in Bezug auf das Pferd richtig. Denn in den zahlreichen wohlerhaltenen monumentalen Darstellungen aus der ältesten geschichtlichen Zeit (etwa 4000 v. Chr.) welche uns eine Menge von Scenen des täglichen Lebens und Abbildungen von HauSthieren bringen, begegnen wir nirgends dem Pferde. Ebenso fehlt daS Pferd auf allen Darstellungen auS der folgenden Periode, welche man das „mittlere Reich" nennt, und welche sich von der 11. Dynastie des Manetho bis zu der Invasion der HyksoS erstreckt. AuS der nächstfolgenden Periode sind leider keine monumentalen Darstellungen auf uns gelangt; sobald dieselben aber, nach einer ziemlich langen Unterbrechung mit der etwa 1800 Jahre v. Ehr. zur Herrschaft gelangenden 18. Dynastie wieder verkommen, erscheint aus denselben daS Pferd auch bereits als ein in Aegypten ganz allgemein benutztes HauSthier. Der Esel dagegen kommt bereits ein Jahrtausend früher auf den allerältesten ägyptischen Monumenten vor, er ist in deu Grabstätten des „alten Reicks" zu Gizzeh, zu Sakkarah und Abusir sehr häufig abgebildct. Wer. die ägyptische Abtheilung der Pariser Ausstelluug von 1867 besucht hat, erinnert sich gewiß des von Mariette ausgestellten Abgusses von dem köstlichen Basrelief aus dem Grabmale des Ti (5. Dynastie), welcher eine Heerde von Eseln darstellt. Von der 4. Dynastie an erscheint der Esel in Aegypten als ein ganz ebenso wie beute verwendetes HauSthier. In dem Grabmal deS Schafra-Ankh zu Gizeh wird von einer Heerde von 760 Eseln berichtet, welche auf den Gütern des Verstorbenen gezüchtet waren, eines hohen Beamten am Hofe des Erbauers der zweiten Pyramide zu Gizeh, unter der 4. Dynastie; und in verschiedenen von Mariette aufgefundmen, noch nicht beschriebenen Grabkammeru rühmen sich Grundbesitzer noch bedeutenderer Eselheerden, die nach Tausenden zählen. Gleiche Verhältnisse herrschten aber auch in dem benachbarten peträischen Arabien und dem südlichen Palästina, mit welchen daS altägyptische Reich in zu engen politischen und Handelsverbindungen stand, um nicht von denselben daS Pferd überkommen zu haben, wenn es in diesen Ländern überhaupt bekannt gewesen wäre. Und so erblickt man denn auch unter den Wandmalereien des berühmten Grabes des Numhotep zu Beni-Haffan-el-Kadint dft Ankunft einer Amoniterfamilie abgebildet, nomatistrende Stämme von semitischem Stamme, welche die Absicht zeigen, sich mit ihren Heerden in Aegypten unter einem der ersten Herrscher der 12. Dynastie, also ungefähr 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, niederzulaffen. Als alleinige Lastthiere führen sie Esel mit sich) welche ihre Hälbseligkeitrn und die Kinder tragen. Da« stimmt auch völlig mit dem Zeugnis des Buches der Genesis überein, dieses treuen und unschätzbaren Spiegels des Lebens der Patriarchen. Wo die Reichthümer der ersten Patriarchen aufgezählt werden, ist immer nur die Rede von ihren Kameelen und Eseln, von ihren Heerden von Rindern und Schafen, aber nimals von Pferden., während dies im Exodus bereits im* ganz allgemeinen Gebrauche stehend erscheint. Nur an einer Stelle geschieht im Buche der Genesis des Pferdes Erwähnung, da, wo berichtet wird, wie Jacobs Familie sich in Aegypten bei Joseph niederläßt. 1. Mos. 47. 17. Aber das bezieht sich auf die Zeit der letzten Hirtenköuige, und es stimmt dies Zeugniß auch bis auf einen ganz geringen Zeitunterschied mit der ältesten bekannt gewordenen Erwähnung des Pferdes auf einem egyptifthen Bauwerke vollständig überein. Diese Erwähnung geschieht in einem Satze der Inschrift des AhmeS, Sohnes von Abana," in wachem von dem Krtegswagen des Königs Abmes, deS 'ersten Königs der 18. Dynastie, die Rede ist. Die einzige Andeutung, daß das Pferd bereits zu einer frühern Zeit iw diesen Ländern Eingang gefunden, ist im 36. Kap. VerS 24 der Genesis. Dorr wird erzählt, wie Ana, der Sohn des Zibeon und Vater der Ahalibama, welche als eine von Esaus Frauen aufgesührt wird, in der Wüste seines Vaters Esel hütet und bei dieser Gelegenheit „Maulpferde" findet, wie Luther übersetzt. Danach müßte das Pferd als längst hier einheimisch angenommen werden. Thatsächlich geschieht aber desselben bei den häufigen und detaillirten Angaben über die sHeerden der Erzväter nirgends Erwähnung, so! daß festzustehen scheint, daß diese wenigstens das Pferd noch nicht hatten. Möglicherweise wäre auch noch eine bei den Schriftstellern des Alterthuinö nicht selten vorkommende falsche Benennung eines ihnen fitchl genau bekannten Thiereü mit einem ihnen geläufigen Namen anzunehmen. Uebri geuS ist auch noch in dem. doch einer weit spätern Zeit angehörende BuchlHiob bei der mehrfach, vorkommenden genauen Aufzählung der Heerden nirgends von dem Pferde die Rede, während doch die unübertrefflich schöne poetische ^Schilderung desselben im 39. r i A